Fuchsbriefe-Blog

zurück 09. September 2011 Ralf Vielhaber

Mann über Bord

Der vorletzte Deutsche und einer der wenigen "Falken" (Stabilitätspolitiker) im Europäischen Zentralbankrat verlässt das Gremium - und der Euro stürzt wie ein Stein.

Jürgen Stark, so sagt es ifo Chef Hans-Werner Sinn, habe sich um die Stabilität des Euroraums verdient gemacht. Das sei dahin gestellt, denn gewöhnlich kann nur verändern und verhindern, wer mit entscheiden kann. Das Verdienst kann also nur darin liegen, recht drastisch auf eine aus Starks Sicht unhaltbaren Zustand in der Zentralbank aufmerksam gemacht zu haben, die längst zu einer Institution europäischer Fiskalpolitik geworden ist und sich aus der Rolle als unabhängige Hüterin der Geldwertstabilität verabschiedet hat. Da Stark dies klar ablehnt und nach dem Weggang von Bundesbankchef Axel Weber eine einsame Minderheitenposition im Rat einnahm, fühlte er sich vermutlich wie ein Feigenblatt. Jetzt hat er es weggerissen und die EZB steht ziemlich nackt da.

Berlin handelt und lässt durchsickern, dass die Bundesregierung sogleich ihre Allzweckwaffe, Finanz-Staatssekretär Jörg Asmussen, nach Frankfurt schicken will.

Danach steht dann Berlin ziemlich nackt da. Die Bundesregierung scheint niemanden in ihren Reihen zu haben, der noch das Format für eine internationale Finanzinstitution besitzt. Wie man so die Eurokrise politisch noch steuern will, das werden sich jetzt viele - nicht nur auf den Finanzmärkten - fragen.

Die Kanzlerin, die in der Eurokrise ohnehin einen klaren Kurs vermissen lässt, geht jetzt offenbar in den Blindflug über. Und im Süden und Westen Europas wird man sich ins Fäustchen lachen, wie man den tumben Deutschen den Einfluss auf die europäische Geldpolitik entrissen hat, die sie zu Zeiten der Bundesbank fest in den Händen hielten.