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Der VW-Skandal und Deutschlands Konjunktur

Enorme Fallhöhe

VW - der Lack ist ab | © Getty
Eben noch schwebte Deutschland auf Wolke sieben. Jetzt kommt der VW-Skandal. Die Fallhöhe ist enorm.
In den nächsten vier Wochen entscheidet sich das konjunkturelle Schicksal Deutschlands für 2016. Und möglicherweise darüber hinaus. Der VW-Skandal kann der Auslöser einer Abwärtsspirale sein, von der noch niemand richtig sagen kann, wie stark sie ausfällt. Es geht dabei weniger um Absatzzahlen. Es geht um die Gemengelage, um die Stimmung im Land. Sie droht zu kippen. Die psychologische Fallhöhe wird dabei zum größten Problem. Eben noch strahlten deutsche Industrie und deutsche Politik ins Rund. Reich und mächtig – das war das Bild, das Deutschland nach außen gab. Ehrfurchtsvoll berichteten selbst die britische und US-Presse über Merkel-Land. Flüchtlinge aus aller Welt kennen vornehmlich ein Ziel: Deutschland. Hier die Unternehmensführer insbesondere der deutschen Automobilindustrie, die von Rekord zu Rekord eilen. Dort die Kanzlerin, die Europa führt – die mächtigste Frau der Welt. Entsprechend wohl fühl(t)en sich die Deutschen. Zufrieden bis über beide Ohren, so beschied es noch im Sommer eine internationale Studie des Washingtoner Umfrageinstituts Pew Research Center. Deutschland führte in der Gruppe der entwickelten Volkswirtschaften die Wohlfühl-Kategorie an. 75% meinten, „die aktuelle wirtschaftliche Lage in unserem Land ist gut“. Das glatte Bild hat quasi über Nacht tiefe Risse bekommen. Wie meist kommen mehrere unangenehme Wahrheiten gleichzeitig zum Vorschein. Das Top-Management von VW hat entweder bei einem Betrug mitgeholfen. Oder es hat nichts davon gewusst. Beides wäre gleichermaßen blamabel. Gleichzeitig droht sich Deutschland beim Management der Flüchtlingskrise zu verheben. Dem vollmundigen „Wir schaffen das“ der Kanzlerin stehen immer verzweifeltere Berichte aus Ländern und Kommunen entgegen, die das Gegenteil erwarten lassen. Nun wird sich die Emotionsspirale weiter drehen. Die Presse wird sich an die Folgenforschung machen. Klar ist: Die konkreten Auswirkungen für die wichtige Industriebranche Auto würden sich zum GAU auswachsen, wenn auch den beiden anderen großen Herstellern Daimler und BMW ähnliche Manipulationen nachgewiesen würden. Mit 368 Mrd. Euro Umsatz und 775.000 direkt Beschäftigten ist die Autoindustrie die größte deutsche Industriebranche. Seit 1995 hat sie den Anteil an der Bruttowertschöpfung der deutschen Wirtschaft von 2,8 auf 4,0% und ihren Anteil an den Industriebeschäftigten von 10,9 auf 12,8% gesteigert. Ohne die Autoindustrie wäre die deutsche Wirtschaft seit 1995 insgesamt um zwei Prozentpunkte weniger gewachsen. Am Automobil hängen vor allem die „Qualitätsjobs“ in Deutschland. Top bezahlt, mit einer hohen Anzahl Sozialversicherungspflichtiger sowohl bei den Herstellern selbst als auch ihren zahlreichen mittelständischen Zulieferern. Sie füllen die Steuersäckel des Bundes, der Länder und Kommunen und nicht zuletzt der Renten- und Krankenversicherer. Konkret betroffen vom voraussichtlichen Gewinneinbruch bei VW werden auf jeden Fall die Produktionsstandorte Braunschweig, Chemnitz, Emden, Hannover, Kassel, Osnabrück, Salzgitter und nicht zuletzt Wolfsburg sein.

Fazit: Die Kanzlerin und die deutsche Wirtschaft haben derzeit viele Neider. Sie werden kräftig daran mitwirken, dass Deutschlands Selbstbewusstsein einen Dämpfer erhält. Auch das macht die Lage labil. Wenn jetzt alle voller Vorsicht auf die Bremse treten, ist der konjunkturelle Dämpfer perfekt.

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