Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
2391
Analyse und globaler Überblick

Anstieg der Geschäftsausfälle in Deutschland um 21 %

Die meisten fortgeschrittenen Volkswirtschaften übertreffen das unterjährliche Niveau an Unternehmensinsolvenzen vor der Pandemie, und dieser Trend breitet sich über alle Sektoren aus. In den letzten sechs Monaten lag Schweden an der Spitze (+61 % im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2018–2019), gefolgt von Finnland (+30 %), der Schweiz (+37 %), Österreich (+29 %) und Großbritannien (+28 %) wie eine aktuelle Übersicht von Allianz Research zeigt.

Die Insolvenzzahlen in Westeuropa steigen kontinuierlich an und lassen das sehr niedrigen Niveau aus der Pandemiezeit deutlich hinter sich. In Deutschland lagen die kumulierten Zahlen der letzten 12 Monate bis April 2024 bei +28 % im Jahresvergleich. Zwar deuten verschiedene Quellen auf eine Abschwächung im Mai und Juni hin. Aber laut Humboldt-Unit Berlin (+26 % im Jahresvergleich), CreditReform (+30 %) und IWH (+35 %) bleiben sie immer noch auf einem stabilen Niveau, mit einem starken Anstieg für das erste Halbjahr.

Die meisten anderen europäischen Märkte verzeichneten in den ersten Monaten des Jahres 2024 weiterhin einen Anstieg der Insolvenzen, insbesondere Schweden (+58 % im Jahresvergleich seit Jahresbeginn), die Niederlande (+39 %), Österreich (+27 %), Irland (+25 %), Frankreich (+21 %) und Italien (+20 %). Positiv ist die Bestätigung der jüngsten Abschwächung/Abwärtstrendumkehr in Dänemark (-21 %) und in geringerem Maße derzeit in Großbritannien (-1 %) von relativ hohen Niveaus in beiden Ländern aus.

USA: Aufwärtstrend bei Insolvenzen bestätigt

In den USA bestätigten die US-Gerichte im ersten Quartal den Aufwärtstrend, der Mitte 2022 begann. Auf nationaler Ebene endete das erste Quartal 2024 mit 5.468 Insolvenzen, was einer Steigerung von +35 % gegenüber dem Vorjahr entspricht (+1 % q/q). Für das zweite Quartal weisen alle alternativen Quellen in die gleiche Richtung. BusinessBankruptcy.com geht laut seiner Überwachung von Kapitel 7 und 11 von einer Steigerung von +20 % gegenüber dem Vorjahr aus, was basierend auf dem öffentlichen Zugang zu elektronischen Gerichtsakten (PACER) aus historischer Sicht etwa der Hälfte des nationalen Ergebnisses entspricht. Mit Fokus auf die größten Unternehmen verzeichnet S&P Global Market Intelligence einen Anstieg von +35 % mit 206 Fällen im zweiten Quartal und 346 insgesamt im ersten Halbjahr, wobei die Zuwächse insbesondere in den Sektoren Nicht-Basiskonsumgüter, Gesundheitswesen und Industrie zu verzeichnen sind.

In Asien, mit Ausnahme von China, Indien und Taiwan, setzt sich die Aufwärtsdynamik in Japan (+22 % im Jahresvergleich für die letzten sechs Monate), Australien (+24 %), Hongkong (+26 %), Neuseeland (+35 %), Südkorea (+37 %) und Singapur (+48 %) fort.

Große Unterschiede in der Dynamik in verschiedenen Branchen

Bemerkenswerterweise bildeten die USA, Italien, Portugal und Norwegen bisher Ausnahmen, ebenso wie die Schwellenmärkte in Asien (China, Indien, Taiwan) und Lateinamerika (Chile).

Allianz Research beobachtet große Unterschiede in der Dynamik zwischen den Sektoren. Zurückgeführt wird das auf eine ungleichmäßige Belastung durch die jüngsten Schocks und Unterstützungsmaßnahmen insbesondere in den Bereichen Transport/Lagerung, Handel und Beherbergung und Gastronomie. In Europa verzeichneten 60 % der acht wichtigsten Wirtschaftssektoren einer Stichprobe von 26 Ländern (d. h. 123 von 208 Sektoren) im 1. Quartal 2024 einen Anstieg der Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr. 58 % waren es erst im 4. Quartal 2023 (119), 68 % im 3. Quartal (139 Sektoren) und 61 % im 2. Quartal 2023 (128).


 

Fazit: Die Länder mit der höchsten Anzahl von Sektoren, die bereits das Niveau vor der Pandemie überschritten haben, liegen hauptsächlich in Westeuropa, insbesondere in Spanien, Schweden, Großbritannien, Belgien und Frankreich. Hierhin sollten Unternehmer beim Forderungsmanagement ihr Augenmerk werfen.

Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • OLG-Entscheidung: Unverbindliche E-Mail-Anfragen führen nicht zu Buchungsverträgen

Dienstreise: Anfrage ist noch kein Vertrag

Eine Zimmeranfrage per E-Mail stellt noch keinen verbindlichen Beherbergungsvertrag dar. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt/M entschieden.
  • CDU in der selbstgewählten politischen Isolation

Gefesselt auf der Brandmauer

Die CDU steckt in der strategischen Sackgasse fest. Trotz Wahlerfolg in Baden-Württemberg fehlt der Union ein politisches Druckmittel, da sie jede Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt. Diesen selbstmörderischen Kurs wird die Union mit Merz nicht mehr lange aushalten, meint FUCHSBRIEFE-Chefredakteur Stefan Ziermann.
  • Fuchs plus
  • Rohstoff-Sicherung: Wettbewerbsverzerrung in Europa

Lithium-Wettlauf in Europa

Die Europäische Union fördert die Produktion kritischer Rohstoffe, um unabhängiger von Importen zu werden. Im Erzgebirge könnte schon 2030 der Abbau von Lithium anlaufen. Doch die Länder in Europa gehen strategisch sehr unterschiedlich vor. Das führt zu einem stark verzerrten Wettbewerb um die Rohstoff-Sicherung in Europa.
Zum Seitenanfang