Auktionshäuser mit trüben Aussichten
Die bedeutenden Auktionshäuser Deutschlands schließen das Jahr mit ihren Hauptauktionen. Auffällig ist die zunehmende Entzerrung des umfangreichen Angebots in diverse, kleinteiligere Formate. Dies betrifft sowohl die zeitliche Auktionsfolge und Katalog-Gestaltung.
Kunsterwartungen gedämpft
Die gedämpften Zukunftserwartungen der Bürger schwappen zusehends auf den Kunstmarkt über. Eine allgemeine Kaufzurückhaltung macht sich breit. Dies ist mehr als ein empirisches Phänomen. Es zeigt sich klar bei den Umsätzen.
Auffälligkeiten beim Zuschlags-Geschehen auf Auktionen sind sinkende Zuschlags-Quoten. Auch die Zuschläge unter Vorbehalt nehmen (wegen Nichterreichens des Limits) zu. Verkäufe verlagern sich in den Nachverkauf und das Gros der Zuschläge erfolgt zum unteren Limit der Schätzungen. Die Anzahl der Bietergefechte gingen merklich zurück, oftmals war nur ein Interessent erkennbar. Zusätzlich sind zurückgehende Besucherzahlen in den Präsenzauktionen und stärkere Verlagerung in den Onlinebereich zu verzeichnen.
Herbstauktionen
Bei den wichtigen Herbstauktionen stachen einige Zuschläge bei Grisebach (Berlin) heraus. Zwei Umsatzbringer waren hier Arbeiten von Max Beckmann. Das Ölgemälde Quappi mit grünem Sonnenschirm ging für rund 5,4 Mio. € in neue Hände, sein Stillleben mit Orchideen und Birnen erzielte 1,76 Mio. €.
Bei Arbeiten des 19. Jahrhunderts wurde eine erfreuliche Zuschlagquote von 2/3 erzielt. Arbeiten des Symbolismus von Klinger und Greiner waren gefragt. Bei Lempertz in Köln war der Evening-Sale eher verhalten. Bisher konnten von den 72 Arbeiten die Hälfte vermittelt werden.
Große Namen kaum gefragt
Bei der gut zusammengestellten Offerte waren selbst ehemals gefragte Namen wie Max Liebermann oder Antonio Caldera kaum im Fokus der Käufer. Claude Monets Ölgemälde Mer agitee a Pourville wurde unter Vorbehalt, knapp unter der unteren Taxe mit 3,5 Mio. € zugeschlagen.
Das zweite Kölner Auktionshaus van Ham bot im Evening-Sale vierzig Lose an und reichte bisher 75% weiter – eine gute Quote. Gefragt waren Arbeiten von Serge Poliakoff und Stefan Parrino. Die Zuschläge lagen hier meist in einer Spanne von 100 bis 500 Tsd. €. Erfreulich für Einlieferer und Käufer sind die Umsätze für den Maler Joseph Scharl. Scharl als Vertreter der Neuen Sachlichkeit ist unbestritten im Aufwind.
Ausstellungsempfehlungen
Gera, Orangerie
Dauerausstellung
- Otto Dix – Trau Deinen Augen
Saarbrücken, Saarlandmuseum - Moderne Galerie
23. November bis 13. April 2025
- Marc Chagall Die Heilige Schrift
Greifswald, Pommersches Landesmuseum
bis 5. Januar 2025
- Caspar David Friedrich. Heimatstadt
Bonn, Kunstmuseum
bis 31. August 2025
- Aufbruch in die Moderne August Macke und die Rheinischen Expressionisten