Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
3506
Neue Pipeline im Bau

Bald norwegisches Gas für Polen

Bau der Baltic-Pipeline als Unabhängigkeitserkärung von Russland. Bildquelle: Pixabay
Mit der Verschlechterung des internationalen Klimas geht das Streben von immer mehr Staaten nach einer gewissen Autarkie und Risikoverteilung einher. Darauf beruht auch der Bau der Baltic Line – eine Pipeline, die schon bald norwegisches Gas nach Polen transportieren soll.

Polen will ein neues Standbein für seine Energieversorgung. Das staatliche polnische Gasunternehmen Gaz System will schon ab 2022 jährlich bis zu zehn Milliarden Kubikmeter Erdgas aus norwegischen Feldern beziehen. Befördert werden soll dieses Gas durch eine neue Pipeline, die Baltic Line. Der polnische Gasbedarf liegt derzeit bei rund 17 Mrd. Kubikmetern im Jahr. Das meiste Gas käme dann also aus Norwegen.

Der Gasbedarf Polens dürfte schon bald deutlich steigen. Denn Warschau will die Stromerzeugung wesentlich von Steinkohle auf Erdgas umstellen. Bisher dominiert die Kohle mit einem Anteil von 80% eindeutig. Das schafft zunehmend Ärger mit Brüssel. Denn Polen kann auf dieser Basis auf keinen Fall die von der EU gewünschte Kohlenstoffemissions-Neutralität erreichen.

Auch Litauen und die Slowakei werden versorgt

Über die Baltic Line soll auch Gas für Litauen und die Slowakei nach Polen importiert werden. Polen baut dafür zwei Interkonnektoren (grenzüberschreitende Verbindungswege) in diese beiden Länder. Die Pipeline wird also ein Stück durch Deutschland und Dänemark führen.

Laut Gaz System liegen alle erforderlichen Genehmigungen für den Bau der Baltic Line vor. Das schließt auch einen Vertrag mit der russischen Gazprom ein. Er regelt die Kreuzung mit der Nordstream 2-Leitung zwischen Russland und Deutschland. Auch die Finanzierung des Projekts durch bis zu 15 Banken soll unter Dach und Fach sein. Das italienische Unternehmen Saipem soll den Unterwasserteil der Baltic Line verlegen und zugleich für die Anlandung der Pipeline in Deutschland und Dänemark sorgen. Kosten: 280 Mio. Euro.

Keine Vertragsverlängerung mit Russland

Polen hat beim Bau der Pipeline hohen Druck. Denn schon läuft 2022 der derzeitige Pipeline-Vertrag mit der russischen Gazprom aus. Er regelt den Gas-Transit von Russland nach Westeuropa. Polen will den Vertrag auf keinen Fall verlängern. Warschau will sich aus der bisherigen Abhängigkeit von russischem Gas befreien. Man fürchtet das wachsende Risiko politischer Erpressung. Aus gleichem Grund baut Polen im Ostseehafen Swinoujscie ein Importterminal für verflüssigtes Erdgas aus Übersee.

Fazit: Polens Versorgungsstrategie passt in das allgemein zu beobachtende Bestreben vieler Staaten Abhängigkeiten zu reduzieren und mehr Autarkie zurückzuerlangen.

Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • OLG-Entscheidung: Unverbindliche E-Mail-Anfragen führen nicht zu Buchungsverträgen

Dienstreise: Anfrage ist noch kein Vertrag

Eine Zimmeranfrage per E-Mail stellt noch keinen verbindlichen Beherbergungsvertrag dar. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt/M entschieden.
  • CDU in der selbstgewählten politischen Isolation

Gefesselt auf der Brandmauer

Die CDU steckt in der strategischen Sackgasse fest. Trotz Wahlerfolg in Baden-Württemberg fehlt der Union ein politisches Druckmittel, da sie jede Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt. Diesen selbstmörderischen Kurs wird die Union mit Merz nicht mehr lange aushalten, meint FUCHSBRIEFE-Chefredakteur Stefan Ziermann.
  • Fuchs plus
  • Rohstoff-Sicherung: Wettbewerbsverzerrung in Europa

Lithium-Wettlauf in Europa

Die Europäische Union fördert die Produktion kritischer Rohstoffe, um unabhängiger von Importen zu werden. Im Erzgebirge könnte schon 2030 der Abbau von Lithium anlaufen. Doch die Länder in Europa gehen strategisch sehr unterschiedlich vor. Das führt zu einem stark verzerrten Wettbewerb um die Rohstoff-Sicherung in Europa.
Zum Seitenanfang