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KfW erwartet nur langsame Entspannung

Kredithürde erreicht Rekordhoch

Seitdem die KfW die Kredithürde im Jahr 2017 ermittelt, war der Wert noch nie so schlecht wie heute. Eine KfW-Ökonomin rechnet nur mit einer langsamen Verbesserung der Kreditkonditionen.

Für Unternehmen wird es schwieriger an Kredite zu kommen (FB vom 29.06.). Bei einer KfW-Umfrage im zweiten Quartal berichteten 40,5% der Mittelständler von zunehmenden Schwierigkeiten bei Kreditverhandlungen. Dies ist der schlechteste Wert seit dem Beginn dieser Konjunkturumfrage im Jahr 2017. Gegenüber dem ersten Quartal stellt dies ein Plus von 6,5 Prozentpunkten dar.

Besonders betroffen mit einem Wert von 52,2% war der Einzelhandel. Hier fiel das Plus mit 10,3 Prozentpunkten sehr hoch aus. In den Dienstleistungen meldeten 42,4% der befragten Unternehmen Schwierigkeiten an Kredite zu kommen. Hier betrug das Plus gegenüber dem Vorquartal immerhin 9,8 Prozentpunkte. Unter den Branchen schnitt das Bauhauptgewerbe mit 27,1% am besten ab. Hier verbesserte sich der Wert sogar um 3,9 Prozentpunkte.

Kreditnachfrage gesunken

Unterdessen befanden sich im zweiten Quartal lediglich 19,3% aller Mittelständler in Kreditverhandlungen (1,7 Prozentpunkte weniger als im ersten Quartal). Daraus lässt sich zweierlei ableiten: Trotz der hohen Energiepreise und der Inflation haben die Unternehmen keinen besonderen Bedarf an Liquidität. Zweitens spricht die verhaltene Kreditnachfrage für eine geringe Investitionsneigung der Mittelständler. Für die Konjunktur stellt dies keine guten Aussichten dar. Der „Investitionsbooster“ der Bundesregierung zeigt also vorerst keine Wirkung.

Obgleich der Ölpreis zuletzt deutlich unter die 80-Dollar-Marke gefallen ist und damit der Inflationsdruck nachlässt, erwartet die KfW keine rasche Entspannung bei den Kreditkonditionen. „Eine Trendwende ist erst zu erwarten, wenn die konjunkturellen und strukturellen Belastungsfaktoren der deutschen Wirtschaft nachlassen und sich die Unternehmensbilanzen nachhaltig erholen. Erst dann werden die Banken ihre Risikobewertung lockern“, sagt KfW-Ökonomin Jenny Körner den FUCHSBRIEFEN.

Energiepreisschock wirkt weiter

Die Inflation wird auch nach Einschätzung der KfW nur langsam zurückgehen. „Der Höhepunkt des energiegetriebenen Preisschubs liegt zwar voraussichtlich bereits hinter uns. Die Transmission des Energiepreisschocks ist jedoch noch nicht abgeschlossen“, ergänzte Körner.

Erst im kommenden Jahr könnte die EZB ihre diesjährige Leitzinsanhebung zurücknehmen. „Bis dahin dürften die Zinsen auf ihrem aktuellen Niveau stagnieren. Die geopolitischen Spannungen und die gestiegene Unsicherheit über die Inflationsentwicklung erhöhen jedoch den Druck auf die Laufzeit- und Risikoprämien“, sagt Körner. Folgen für den Kreditmarkt: „Während die kurzfristigen Zinsen etwas nachgeben dürften, ist bei den längerfristigen Zinsen mit keinen nennenswerten Anpassungen zu rechnen.“

Fazit: Die geringe Kreditnachfrage und die hohe Kredithürde sprechen für eine nur langsame Erholung der deutschen Wirtschaft und das, obgleich der Ölpreis auf Vorkrisenniveau zurückgefallen ist.
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