Ziel verfehlt
Mit ihrer erneuten Liquiditätsschwemme will die EZB offiziell die Kreditvergabe an die Realwirtschaft ankurbeln. Das Design der TLTROs spricht allerdings eine andere Sprache.
Die jüngste Maßnahme der EZB wird ihren eigentlich Zweck – die Ankurbelung der Kreditvergabe an die Realwirtschaft – wohl nicht erfüllen. Das zeigt die erste Veröffentlichung der EZB zum Design der sogenannten TLTROs (Targeted Long Term Refinancing Operations, gezielte langfristige Refinanzierungsgeschäfte). Diese 400-Mrd.-Euro-Langfristtender sind keinesfalls „zweckgebunden“ oder „konditioniert“, wie der EZB-Rat behauptet. Das ergibt sich aus der Struktur des Tenders. Diese sieht vor, dass die Banken sich für bis zu vier Jahre ultragünstige Liquidität von der EZB leihen können, wenn sie diese an den nicht-finanziellen Sektor weiterleiten. So weit, so gut. Das Problem ist allerdings: Der angeblich konditionierte vierjährige Langfristtender ist gleichzeitig ein unkonditionierter Langfristtender für zwei Jahre. Die Banken erhalten die Liquidität auch, wenn sie diese nicht an den Privatsektor weiterleiten. Denn Institute, die das Geld nicht für diesen Zweck verwenden, müssen den Kredit lediglich bereits früher begleichen. Sie werden „dazu verpflichtet, die aufgenommenen Mittel im September 2016 zurückzuzahlen“, so die EZB. Nachteile oder gar Strafen durch eine „Zweckentfremdung“ der Mittel entstehen den Banken nicht. Im Übrigen ist es für die Geldhäuser ohnehin leicht, auch die Vierjahres-Tender abzugreifen. Dafür müssen sie laut EZB lediglich bis April 2016 mehr Kredite an Unternehmen vergeben haben als bis zum Stichtag am 30. April diesen Jahres – kein sonderlich schweres Unterfangen, wenn man bedenkt, dass sich das Volumen der Bankkredite auf einem Tiefstand befindet. Für die Institute gilt es also, lediglich das Volumen konstant zu halten. Die Folge der TLTROs dürfte eher eine Fortsetzung der Rally an den Staatsanleihe-Märkten der Euro-Peripherie sein. Denn wie schon bei den bisherigen Geldspritzen können die Banken das Geld weiter nutzen, um leichte Profite an den Bond-Märkten zu machen. Entsprechend sanken etwa die Renditen spanischer und italienischer Schuldtitel nach der EZB-Entscheidung auf neue historische Tiefststände.
Fazit: Es kann somit nur spekuliert werden, welches Ziel die EZB mit ihrer neuen Liquiditätsschwemme wirklich verfolgt. Mit Blick auf die Stärkung der Kreditvergabe an die Realwirtschaft hat sie jedenfalls ihr eigentliches Thema verfehlt. Bleibt die Hoffnung, dass die EZB das Design der TLTROs bei den noch zu veröffentlichenden technischen Detail-Anforderungen kräftig nachbessert.