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Arbeitszeitverkürzungen als Ziel

IG Metall bereitet heißen Herbst vor

Der Herbst wird heiß. Eine IG-Metall-Demo im brandenburgischen Nauen gibt einen Vorgeschmack. © picture alliance / Christian Pörschmann/dpa-Zentralbild/ZB
Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie müssen sich auf einen heißen Herbst vorbereiten.
Die neue Tarifrunde könnte die Weichen für Jahrzehnte stellen. Im Mittelpunkt steht die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Im Osten soll endlich die 35-Stunden-Woche her. Für den Westen verlangen die Metaller die bezahlte Arbeitszeitverkürzung, wenn Angestellte kranke Kinder oder nahe Verwandte pflegen. Die Metaller können auf eine starke Rückendeckung durch ihre Mitglieder zählen. Zur Vorbereitung der Tarifrunde haben sie die Gewerkschafter befragt. Mit über 680.000 haben sich mehr als 45% der aktiven, gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten in den Betrieben beteiligt. Ihr Votum fiel eindeutig aus:
  • 84% wollen bei einer Arbeitszeitverkürzung auf 32 oder 28 Stunden wegen Pflege, Erziehung oder Bildung einen Entgeltausgleich erhalten.
  • 92% fordern eine verlässliche Ganztagesbetreuung – nicht nur vom Staat.
  • 90% fordern einen Rechtsanspruch auf Rückkehr von einer Teil- in eine Vollarbeitszeit.
Die letzte Forderung war in der Bundesregierung nicht durchzusetzen. CDU/CSU und SPD konnten sich nicht einigen, ab welcher Betriebsgröße das gesetzliche Rückkehrrecht gelten sollte. Jetzt springt die IG Metall mit einer angestrebten tarifvertraglichen Regelung in die Bresche – andere Gewerkschaften werden gespannt auf das Ergebnis blicken. Die Forderung nach der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich in Ostdeutschland ist alt. Sie war aber zuletzt 2003 nicht durchsetzbar, als die Streikfront im Osten nicht stand. Jetzt könnte es angesichts der besseren Beschäftigungslage anders aussehen, kalkulieren die Funktionäre. Bis zum Herbst will die IG Metall für ihre Forderungen mobilisieren. Die Tarifverhandlungen laufen im November an. Frühestens dann wäre mit größeren Arbeitskämpfen zu rechnen. Die künftige Bundesregierung könnte sich dann beim Rückkehrrecht in Vollzeit bewegen, so das Gewerkschaftskalkül. Die Forderung nach einer 28-Stunden-Woche haben die Arbeitgeber als „Wahnsinn“ zurückgewiesen. Für die IG Metall ist es aber Wahnsinn mit Methode: Sie zielen auf die Beschäftigten in den Großbetrieben. Dort arbeitet ihre Stammklientel. Und diese Betriebe können die Forderungen (unter Schmerzen) sicher auch bezahlen und organisieren. Den kleineren Unternehmen kann man das Ganze schmackhaft machen, indem die für Arbeitszeitverkürzungen angesetzten Kosten kurzfristig das Ausmaß der Lohnerhöhungen für alle verringern sollen. Das Vorgehen der IG Metall spricht für eine langfristige Strategie. Der erste Durchbruch wäre die Anerkennung einer teilweise bezahlten Freistellung. Das kostet zunächst nicht viel und betrifft auch nicht viele. Der Lohnausgleich soll dann schrittweise erfolgen. Der Personenkreis wird sich zudem wie von selbst erhöhen: Denn wenn’s vom Arbeitgeber bezahlt wird, rechnet sich die Pflege von Angehörigen ja für immer mehr …

Fazit: Die Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie müssen sich auf einen heißen Herbst vorbereiten. Die günstige wirtschaftliche Lage und der Fachkräftemangel schwächen ihre Widerstandskraft.

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