Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-0
0,00 €
584
Arbeitszeitverkürzungen als Ziel

IG Metall bereitet heißen Herbst vor

Der Herbst wird heiß. Eine IG-Metall-Demo im brandenburgischen Nauen gibt einen Vorgeschmack. © picture alliance / Christian Pörschmann/dpa-Zentralbild/ZB
Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie müssen sich auf einen heißen Herbst vorbereiten.
Die neue Tarifrunde könnte die Weichen für Jahrzehnte stellen. Im Mittelpunkt steht die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Im Osten soll endlich die 35-Stunden-Woche her. Für den Westen verlangen die Metaller die bezahlte Arbeitszeitverkürzung, wenn Angestellte kranke Kinder oder nahe Verwandte pflegen. Die Metaller können auf eine starke Rückendeckung durch ihre Mitglieder zählen. Zur Vorbereitung der Tarifrunde haben sie die Gewerkschafter befragt. Mit über 680.000 haben sich mehr als 45% der aktiven, gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten in den Betrieben beteiligt. Ihr Votum fiel eindeutig aus:
  • 84% wollen bei einer Arbeitszeitverkürzung auf 32 oder 28 Stunden wegen Pflege, Erziehung oder Bildung einen Entgeltausgleich erhalten.
  • 92% fordern eine verlässliche Ganztagesbetreuung – nicht nur vom Staat.
  • 90% fordern einen Rechtsanspruch auf Rückkehr von einer Teil- in eine Vollarbeitszeit.
Die letzte Forderung war in der Bundesregierung nicht durchzusetzen. CDU/CSU und SPD konnten sich nicht einigen, ab welcher Betriebsgröße das gesetzliche Rückkehrrecht gelten sollte. Jetzt springt die IG Metall mit einer angestrebten tarifvertraglichen Regelung in die Bresche – andere Gewerkschaften werden gespannt auf das Ergebnis blicken. Die Forderung nach der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich in Ostdeutschland ist alt. Sie war aber zuletzt 2003 nicht durchsetzbar, als die Streikfront im Osten nicht stand. Jetzt könnte es angesichts der besseren Beschäftigungslage anders aussehen, kalkulieren die Funktionäre. Bis zum Herbst will die IG Metall für ihre Forderungen mobilisieren. Die Tarifverhandlungen laufen im November an. Frühestens dann wäre mit größeren Arbeitskämpfen zu rechnen. Die künftige Bundesregierung könnte sich dann beim Rückkehrrecht in Vollzeit bewegen, so das Gewerkschaftskalkül. Die Forderung nach einer 28-Stunden-Woche haben die Arbeitgeber als „Wahnsinn“ zurückgewiesen. Für die IG Metall ist es aber Wahnsinn mit Methode: Sie zielen auf die Beschäftigten in den Großbetrieben. Dort arbeitet ihre Stammklientel. Und diese Betriebe können die Forderungen (unter Schmerzen) sicher auch bezahlen und organisieren. Den kleineren Unternehmen kann man das Ganze schmackhaft machen, indem die für Arbeitszeitverkürzungen angesetzten Kosten kurzfristig das Ausmaß der Lohnerhöhungen für alle verringern sollen. Das Vorgehen der IG Metall spricht für eine langfristige Strategie. Der erste Durchbruch wäre die Anerkennung einer teilweise bezahlten Freistellung. Das kostet zunächst nicht viel und betrifft auch nicht viele. Der Lohnausgleich soll dann schrittweise erfolgen. Der Personenkreis wird sich zudem wie von selbst erhöhen: Denn wenn’s vom Arbeitgeber bezahlt wird, rechnet sich die Pflege von Angehörigen ja für immer mehr …

Fazit: Die Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie müssen sich auf einen heißen Herbst vorbereiten. Die günstige wirtschaftliche Lage und der Fachkräftemangel schwächen ihre Widerstandskraft.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Hauck & Aufhäuser Privatbankiers KGaA, Vermögensmanagement TOPS 2019: Qualifikation

Chinesischer Investor inspiriert, aber es fehlt noch das Feuer

Die Ampel der Hauck & Aufhäuser Privatbankiers steht auf Grün.
Mit Hauck & Aufhäuser Privatbankiers hat ein traditionsreiches Frankfurter Geldhaus 2016 einen chinesischen Investor als Eigentümer bekommen: Fosun. Erste Erfolge sind seit der Übernahme durch den Mischkonzern zu sehen: Das lange Zeit defizitäre Bankhaus macht wieder Gewinn. Wirkt sich dieser frische Wind auch auf die Arbeit mit wohlhabenden Kunden aus, wollen wir wissen? Wir erleben eine Privatbank im Aufbruch. Und eine Beratung mit mehr Licht als Schatten.
  • Fuchs plus
  • DZ PRIVATBANK S.A., Vermögensmanagement TOPS 2019: Qualifikation

Nur das Sahnehäubchen fehlt

Die DZ Bank hat die grüne Ampel redlich verdient.
Bei der DZ Privatbank in Stuttgart erleben wir eine Kommunikation wie aus einem Guss. Vom telefonischen Erstkontakt über das Vor-Ort-Gespräch bis zum Gesprächsprotokoll ist alles durchdacht. Wir haben es mit freundlichen, entspannten und zugewandten Bankern zu tun. Die obendrein nichts an fachlicher Kompetenz vermissen lassen. Der Anlagevorschlag, der dann kommt, wirkt ebenfalls durchdacht, hat jedoch eine Schwäche. Zu einem unserer zentralen Anliegen weiß die DZ Privatbank nur einen ganz allgemeinen Rat.
  • Fuchs plus
  • ODDO BHF AG, Vermögensmanagement TOPS 2019: Qualifikation

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die Ampel der ODDO BHF steht auf Weiss.
Die unabhängige deutsch-französische Bankengruppe ODDO BHF firmiert seit 2017 unter diesem Namen, nachdem sie 2016 die BHF-Bank übernommen hatte, die immerhin im Prüfinstanz-Rating Stiftungsvermögen 2018 noch den ersten Platz belegt hatte. Das weckt Erwartungen. Nun präsentiert ODDO BHF die verschiedenen Geschäftszweige an 27 Standorten weltweit und möchte „die Bank für die finanziellen Ziele ihrer Kunden" sein. Dass sich zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei der jungen Neufirmierung noch Lücken auftun, zeigt unser diesjähriger Testtermin.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Auch synthetische Steine sind gefragt

Künstlicher Diamantschmuck boomt

Künstliche Diamanten erobern sich mehr und mehr einen Platz auf dem Diamantmarkt. Aber auch echte Steine ziehen an. Der Grund dafür liegt noch genau drei Monate in der Zukunft. Die Nachfrage könnte jedoch besser sein.
  • Fuchs plus
  • Kein buntes Kuddelmuddel

Persönliche Sammel-Akzente setzen

Kunstsammler sollten sich nicht zu viele verschiedene Kunstgegenstände sammeln. Wer Kunst als Wertanlage sammelt, sollte sich Konvolute ansammeln. Diese haben Vorteile gegenüber bunt zusammengewürfelten Sammlungen.
  • In aller Kürze

Historische Autos: Gute Auktionen in Peeble Beach

Bei den Auktionen in Peeble Beach wurden insgesamt 371 Mio. Dollar erzielt. Das ist zwar mehr als voriges Jahr (+13%), aber noch 50 Mio. US-Doller unter dem Spitzenwert von 2014. Natürlich wurde wieder ein Versteigerungsrekord gemeldet. Ein Ferrari 250 GTO wurde für 48,4 Mio. US-Dollar zugeschlagen. Der durchschnittliche Verkaufspreis der mehr als 1.300 Wagen lag bei 95.000 USD. Der Trend zu neueren Wagen (emerging classics) setzte sich fort: Ein Mercedes 450 SEL 6.9 erzielte 156.000 USD, ein 95iger Porsche 928 GTS trotz Automatik 140.000 USD.
Zum Seitenanfang