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Verschiebungen beim Fachkräftebedarf

Die Renaissance der betrieblichen Lehre

Der Wind bei der Nachfrage der Wirtschaft nach Arbeitskräften hat sich gedreht. Verlierer sind Hilfskräfte ohne Berufsabschluss und erstaunlicherweise auch Arbeitskräfte mit (Fach-)Hochschulabschluss. Gewinner sind die Fachkräfte, die eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können. Sie werden am häufigsten von den Firmen gesucht und das vielfach vergeblich.
Bei den von den Firmen benötigten Qualifikationen gibt  es dramatische Veränderungen. Das belegt die jüngste Randstad-ifo Personalleiter-Befragung (‚Randstad-ifo-HR-Umfrage 2. Quartal/2025‘). Die Unternehmen spüren den Fachkräftemangel am häufigsten bei denen mit abgeschlossener Berufsausbildung. Sie geben zu 77 % an, für dieses Qualifikationsniveau einen ‚sehr starken‘ bzw. ‚eher starken‘ Mangel zu verspüren. 

Dementsprechend konzentrieren sie ihre Suchstrategien, Weitere 58 % der Betriebe meldeten besondere knappe personelle Ressourcen bei Arbeitskräften mit Fachwirt-, Meister- oder einem anderen Weiterbildungsabschluss. Den Nachwuchs vermisst die Wirtschaft ebenfalls: Etwas mehr als die Hälfte (51 %) haben einen wachsenden Bedarf nach Schulabgängern bzw. Auszubildenden. Die Verlierer auf dem Arbeitsmarkt sind die Arbeitskräfte mit (Fach-)Hochschulabschluss und Hilfskräfte ohne Berufsausbildung. Die Nachfrage der Firmen bei diesen beiden Gruppen ist deutlich schwächer.  

Höchste Übernahmeqoute seit 15 Jahren

Besonders in der Industrie (Großunternehmen ab 500 Beschäftigten) fehlen Fachkräfte mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung für ihre Anstrengungen zur Transformation. Bei den Dienstleistern ist die Situation entspannter. Auch im Handel wird die Lage insgesamt als weniger kritisch eingeschätzt, nur bei der Suche nach Auszubildenden gibt es Klagen. 

Dazu passt die Meldung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (‚Steigende Übernahmequote bei rückläufiger Zahl erfolgreich beendeter Ausbildungsverträge‘) aus Nürnberg, dass die im Jahr 2024 fertig gewordenen Azubis exzellente Übernahmechancen hatten. Die Übernahmequote lag bei 79 %. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2010. Damals lag die Quote noch bei 61 %. 

Der Trend: Erstmal arbeiten

Dem neuen Trend zur betrieblichen Ausbildung läuft allerdings zuwider, dass immer mehr Jugendliche nach der Schule direkt als Hilfsarbeiter arbeiten wollen. Jeder fünfte Schüler (19 %) hat vor, und zwar unabhängig von der Art seines Schulabschlusses, so eine Bertelsmann-Studie (‚Ausbildungsperspektiven 2025‘), ohne formale Qualifikation zu arbeiten. Unter den Schülern mit niedrigem Schulbildungsniveau ist es sogar jeder Vierte (25 %). Diese Entwicklung ist für die Wirtschaft zweischneidig: Einerseits haben sie sofort junge und belastbare Hilfskräfte. Andererseits fehlen ihnen mittelfristig ausgebildete Fachkräfte.

Bildungsexperten schlagen angesichts dieser Entwicklung Alarm: „Größte Sorge bereitet mir, dass die Zahl der jungen Menschen unter 35 Jahren ohne Berufsabschluss weiter auf jetzt rund 2,9 Millionen gestiegen ist“, erklärt der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung, Friedrich Hubert Esser. Mittlerweile ist fast jeder Fünfte in dieser Altersgruppe ohne einen betrieblichen oder hochschulischen Abschluss. 

No-Go für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort

„Das können wir uns nicht leisten, das ist ein ‚No-Go‘ für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland“, so Esser. Ein Hebel, um die Zahl der Absolventen zu steigern, ist das Interesse der Jugendlichen an einer betrieblichen Ausbildung zu stärken und die Ausbildungsbeteiligung der Firmen wieder zu erhöhen. Im Jahr 2007 lag die Ausbildungsbetriebsquote noch bei 24,1 %. Im Jahr 2022 bildeten nur noch 18,9 % der Betriebe selbst aus.

Fazit: Für die Transformation der Wirtschaft braucht es mehr betrieblich ausgebildete Fachkräfte; dazu müssen Betriebe ihre Anstrengungen in der Qualifizierung nochmals verstärken. 

Randstad-ifo-Personalleiterbefragung:  

https://www.randstad.de/s3fs-media/de/public/2025-07/randstad-ifo-hr-befragung-q2-2025.pdf

Bertelsmann Stiftung: Ausbildungsperspektiven 2025:

https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Ausbildungsperspektiven2025.pdf

IAB-Kurzbericht: Aktuelle Ergebnisse aus dem IAB-Betriebspanel: Steigende Übernahmequote bei rückläufiger Zahl erfolgreich beendeter Ausbildungsverträge

https://doku.iab.de/kurzber/2025/kb2025-14.pdf

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