Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
1963
Erhöhter Pflichtanteil für übergangene Erben möglich

Notare in der Pflicht

Das Oberlandesgericht in Hamm legte dar, dass Notare sich eigenständig und aktiv um ein umfassendes Nachlassverzeichnis kümmern müssen. Dazu müssen sie Daten der vergangenen 10 Jahre vor dem Tod des Erblassers begutachten.

Notare müssen bei einem Nachlassverfahren die Daten rund um den Nachlass umfassender als bisher ermitteln. Sie dürfen sich nicht nur auf die Angaben des Erben verlassen. Das verlangte das Oberlandesgericht in Hamm. Notare müssen die Angaben des Erben prüfen und zusätzlich aktiv nach unentdeckten Vermögenswerten suchen. Schenkungen oder große Geldbeträge auf dem Konto des Erblassers vor seinem Tod müssen im Nachlassverzeichnis aufgeführt werden.

Der Pflichtteil von (übergangenen) Erben kann sich durch diese Regelung erhöhen. Denn Notare müssen die Kontoauszüge der letzten zehn Jahre anfordern und überprüfen. Dazu gehören Schenkungen und Transaktionen in diesem Zeitraum. Durch die Ermittlung dieser Daten kann sich der Pflichtteil von möglichen Erben verändern. Der Pflichtteil ist der gesetzlich garantierte Anteil, den Erben bekommen müssen – auch wenn sie im Testament nicht bedacht wurden.

Mehr Pflichten für Notare

Ein notarielles Nachlassverzeichnis muss eine größere Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Auskunft als das private Verzeichnis des Erben bieten. Im konkreten Fall klagte ein übergangener Erbe gegen die Alleinerbin, um seine Pflichtansprüche geltend zu machen. Das schließlich vorgelegte Nachlassverzeichnis genügte jedoch nicht den Vorgaben aufgrund fehlender Angaben. Der Notar hätte den Bestand des Nachlasses selbst und eigenständig ermitteln müssen und hätte versteckte Vermögenswerte finden können.

Neben Bankdaten müssen auch Versicherungen geprüft werden. So zum Beispiel die Lebensversicherung, bei der festzustellen ist, ob diese jemandem als Schenkung vererbt wurde.

Fazit: Notare müssen künftig sorgfältiger arbeiten und dürfen sich nicht mehr nur auf die Angaben der Erben verlassen. Sie müssen eigenständig und gründlich nachforschen. Das kommt vor allem den übergangenen Erben zugute. Denn es erhöht ihre Chance, ihren Pflichtteil korrekt zu berechnen und durchzusetzen.
Neueste Artikel
  • Wochenbericht zu Projekt V in KW 19: Rendite, Risiko und Marktdynamik

Flossbach von Storch, DJE Kapital und Pictet ziehen am Benchmarkdepot vorbei

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Das Projekt 5 (vermögensverwaltende Fonds) erlebt eine Woche ohne jede Handelsaktivität – und gerade deshalb wird der Leistungsvergleich gnadenlos klar. Marktbewegungen legen offen, welche Depotstrukturen tragen und welche schwanken. Flossbach von Storch, DJE Kapital und Pictet nutzen ihre Marktnähe und ziehen am Benchmarkdepot vorbei. Das Benchmark selbst wächst ruhig und risikofrei. Der Vergleich zeigt, wer kurzfristig gewinnt – und wer langfristig überzeugt. Lesen Sie hier.
  • Fuchs plus
  • US-Unternehmen stückeln Großemissionen: Chancen und Risiken für Anleihekäufer

Amazon, Honeywell und Co.: Wie Tranchen die Finanzierung und Renditen verändern

US-Konzerne zerlegen rekordgroße Anleihepakete in immer mehr Tranchen. Das erhöht die Auswahl für Privatanleger, verändert aber die Handelbarkeit einzelner Stücke. CFOs gewinnen Spielraum bei Laufzeiten und Zinsaufschlägen. Worauf Anleger bei Zinsrisiko und Spreads achten müssen, erläutern FUCHS-DEVISEN.
  • Fuchs plus
  • Inflations-Schock auf den Philippinen

Überraschender Strategiewechsel

© Joseph Oropel / stock.adobe.com
Die Abwertung des philippinischen Pesos sorgt für einen Strategiewechsel der Notenbank, die Zinsen steigen. Das Land erlebt infolge des Iran-Krieges einen Inflations-Schock.
Zum Seitenanfang