Mehr Betriebsaufgaben, weniger Übernahmen
Die Zahl der Betriebsaufgaben wird in den kommenden Jahren stark zunehmen. Dabei geht es um bedeutende Summen, die verloren gehen. Die Bürgschaftsbanken, die in Deutschland einen wesentlichen Teil der externen Unternehmensnachfolgen absichern, haben im ersten Halbjahr 2024 Kredite für 738 Nachfolgeregelungen und einen Kreditbetrag von 849,5 Mio. Euro abgesichert. Die Käufer benötigen also im Schnitt 380.000 Euro als Kredit für die Übernahme.
Für die steigenden Schließungszahlen gibt es mehrere Gründe.
- Zum einen haben sich die Bedingungen für Übernahmen stark verschlechtert. Die schlecht laufende Konjunktur macht Betriebsübernahmen allgemein wenig interessant.
- Steigende Zinsen haben Betriebsübernahmekredite verteuert.
- Vor allem gibt es immer weniger Interessanten für Übernahmen. Das zeigen Zahlen der IHK-Beratung zur Unternehmensnachfolge.
2012 war das letzte Jahr, in dem es mehr Interessenten für Übernahmen, als abgabewillige Seniorunternehmer gab. Die Coronakrise sorgte dann für einen starken Rückgang bei den Kaufinteressenten. Immerhin gab es 2023 erstmals seit Corona wieder mehr Interessenten, aber das Missverhältnis zwischen Abgabewilligen und Interessenten bleibt groß. 8.276 Seniorunternehmern standen 2023 noch 2.760 Interessenten gegenüber. Dreimal mehr Unternehmen als Interessenten.
Interessenten und Betriebe passen oft nicht zusammen
Außerdem passen Interessenten und Nachfolger suchende Unternehmer oft nicht zusammen. Ein Drittel der Interessenten suchen Industriebetriebe. Die machen aber nur 19% der angebotenen Betriebe aus. Beim Handel, im Gastgewerbe, in Verkehr/ Logistik, bei personenbezogenen und unternehmensbezogenen Dienstleistungen dagegen gibt es mindestens drei Mal mehr Unternehmen als Interessenten.
Immer mehr Betriebsinhaber ziehen deshalb die Aufgabe ihres Geschäftes in Betracht. 2022 dachten 25% der Inhaber über eine Schließung nach, 2023 waren es schon 28%. Ein fehlender Nachfolger ist der wichtigste Grund für eine Unternehmensschließung.