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Stihl stellt der Politik ein Ultimatum für Standortbedingungen

Netzwerkeffekte von Verlagerungen

Der mittelständische Sägenhersteller Stihl hat der Politik ein Ultimatum gestellt. Das Unternehmen will ins Ausland abwandern, wenn die Politik nicht zügig für eine Verbesserung der Standortbedingungen sorgt. Das Ultimatum ist ein Weckruf, denn bevor Maschinenbauer abwandern, muss sehr viel im Argen liegen. Das Problem für Regionen: Abwanderungen großer Mittelständler haben Netzwerkeffekte.

Die nächste Regierung wird noch lange mit den Folgen der sukzessiven Standortverlagerungen zu tun haben. Denn diese Unternehmens-Verlagerungen entfalten über Netzwerkeffekte einen "Nachbrenner" in ihren Regionen. Das zeigt ein beispielhafter Blick auf die wichtige Branche der Maschinenbauer. 

Folgeeffekte mit Zeitverzögerung

Viele Folgen der Standortverlagerungen werden erst mit Zeitverzögerung spürbar. Denn die mittelständischen Maschinenbau-Unternehmen sitzen meist in wirtschaftlich starken Regionen. Fällt ein Unternehmen und Arbeitgeber weg, sind in großen Städten oft noch andere Optionen für die betroffenen Mitarbeiter verfügbar. Hinzu kommt, dass die Folgewirkungen erst langsam in die Zulieferbetriebe ausstrahlen. Die können den Verlust oft längere Zeit über andere Auftraggeber kompensieren. Das gelingt aber nicht ewig. 

Bemerkt wird der Verlust erst, wenn mehrere Unternehmen am gleichen Standort oder der näheren Region zugehen. Dann entwickelt sich eine negative Dynamik in der Branche und der Wegfall von Arbeitsplätzen kann nicht mehr kompensiert werden kann. 

Aufwendige Standortverlagerungen

Die Standortverlagerungen des Maschinenbaus hinken anderen Branchen aktuell noch hinterher. Ein Grund dafür ist, dass es die Branche schwer hat, einen Standort zügig zu verlagern. Das erklärt Karsten Schulze, Senior Partner der Unternehmensberatung FTI-Andersch, im Gespräch mit FUCHSBRIEFE. Die Unternehmen sind in komplexe und fein abgestimmte Lieferantenbeziehungen eingebunden. 

Der Netzwerk-Charakter spiegelt sich beim Personal. Das muss anspruchsvolle Anforderungen erfüllen. Darum bilden sich auch hier Personal- und Ausbildungscluster. Die sind ein wichtiger Standortfaktor und halten die Unternehmen auch in schwierigen Phasen lange vor Ort. Das bestätigt Johannes Gernandt vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Daher seien Standortverlagerungen in der Branche eher selten.

Fazit: Wenn der Maschinenbau dem Standort den Rücken kehrt, dann "brennt die Hütte". Einmal getroffene Entscheidungen zur Verlagerung werden aufgrund der Komplexität nicht zügig wieder rückgängig gemacht. Das ist selbst dann so, wenn die Rahmenbedingungen am Standort wieder verbessert werden. Die Auswirkungen in den Regionen zeigen sich zwar oft erst viel später, dafür aber mit Wucht.
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