Zollbremse bei Übernahmen
Der Zoll-Vorstoß von Donald Trump verunsichert den M&A-Markt erheblich. Viele Übernahmeprozesse sind pausiert, da unklar ist, wie sich Zölle auf Lieferketten und Wettbewerbsumfelder auswirken. Die M&A-Aktivität sinkt, Schnäppchenjäger suchen gezielt nach finanziell angeschlagenen Unternehmen. FUCHSBRIEFE geben einen aktuellen Einblick in den Markt und Multiplikatoren für diverse Branchen.
Der Zoll-Vorstoß von Donald Trump legt viele laufende M&A-Deals auf Eis. Wir hören aus dem Umfeld von M&A-Beratern, dass die Verunsicherung bei Käufern hochgeschnellt ist, viele gerade voll auf die Bremse steigen. Dem Vernehmen nach wurden etliche Prozesse zur Unternehmensübernahme "vorläufig pausiert", bis hinsichtlich der Zölle und ihrer real absehbaren Folgen etwas klarere Sicht herrscht.
Das größte akute Problem ist die Unsicherheit. Bei Unternehmensübernahmen ist aufgrund der Zoll-Unsicherheit derzeit unklar, ob und wie stark sich das strategische Markt- und Wettbewerbsumfeld für Unternehmen verändern wird. Das betrifft einerseits die Kalkulationen in den bestehenden Lieferketten. Andererseits fürchten Unternehmen aber auch gravierende Veränderungen von Warenströmen. Das könnte völlig neue Wettbewerbs-Situationen zur Folge haben und die Bewertung von Unternehmen grundlegend verändern.
Zollbremse am M&A-Markt
Die Unsicherheit wird die Deal-Aktivität am M&A-Markt in den nächsten Monaten zusätzlich ausbremsen. Damit wird sich der Trend des Jahres 2024 verstetigen. Die Zahl der globalen M&A-Transaktionen ist im Jahr 2024 branchenübergreifend um 17% gesunken, so PricewaterhouseCoopers (PwC).
Die Hoffnungen auf eine kräftige Belebung des Marktes, auch beflügelt von sinkenden Zinsen, dürften sich zumindest bis zum Sommer nicht erfüllen. Auffällig ist, dass insbesondere kleine und mittelgroße Deals zurückgehen. Auf der anderen Seite sind Schnäppchenjäger unterwegs. Sie suchen gezielt nach finanziell angeschlagenen Unternehmen, nach Firmen in schwierigen Turn-around-Situationen oder Unternehmen mit einem hohen Refinanzierungsbedarf.
Multiplikatoren fallen bis auf wenige Ausnahmen
Mit Blick auf die Branchen ist der Markt gerade zweigeteilt. In den meisten Branchen sinken die Multiplikatoren leicht. Die EBIT-Multiples liegen für den Handel/E-Commerce bei 6,7 (Small Caps), Transport & Logistik (5,5), Elektrotechnik (6,6) und in der Branche Maschinen- und Anlagenbau (5,4). Interessant ist, dass auch die Multiples in der Branche Erneuerbare Energien wieder rückläufig sind (akt. 7,7). Steigende Unternehmenspreise sehen wir aktuell bei Textil- und Bekleidung (5,5) und bei Chemie- und Kosmetik (7,5).
Fazit: Der Markt für Unternehmensübernahmen wurde kräftig von Donald Trump ausgebremst. Potenzielle Käufer sind derzeit sehr zurückhaltend. Das wird sich auch bei der Anbahnung neuer Verkäufe zeigen, die in die Zukunft verschoben werden dürften. Verkäufer müssen Nerven wie Stahlseile und Geduld haben oder preislich beweglich und zu Zugeständnissen bereit sein.