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Zu viel Fantasie im Markt

Börse im Risk-off Modus

Wenn etwas auf den Boden der Realität trifft, dann entweicht einem Ballon gewöhnlich viel heiße Luft. Ob Sie das Sprachbild nun schräg finden oder nicht: Es trifft derzeit auf die Lage an den internationalen Börsen zu. FUCHS-KAPITAL beschreibt, wie sich Anleger darauf einstellen können.

Die Börsen haben in den „Risk-off Mode“ geschaltet. Nach den kräftigen Kursgewinnen im ersten Halbjahr – insbesondere bei Technologie-Aktien und hier vor allem bei Unternehmen mit KI-Bezug – werden nun auf breiter Front Gewinne eingestrichen. In der laufenden Quartalsberichtssaison zeigt sich immer deutlicher, dass die Messlatte bezüglich eines KI-induzierten Wachstumswunders wohl zu hoch gelegen hat. 

Einigen gehypten Börsenphantasien scheint nun die Luft auszugehen. Andere Branchen müssen sich einem knallharten „Reality Check“ unterziehen. Beispiel Tesla: Der E-Autopionier bekommt weiterhin die Auswirkungen der geringeren Nachfrage und des härteren Wettbewerbs zu spüren. Im zweiten Quartal lag der Nettogewinn mit 1,48 Mrd. US-Dollar rund 45% unter Vorjahr, die Erlöse um Autogeschäft sanken um 7%. Der Tesla-Kurs brach daraufhin um knapp 13% ein. Oder Visa: bei dem Finanzdienstleister brummt das Geschäft dank der anhaltenden Konsum- und Reiselust seiner Kunden. Der Umsatz zog um 10%, der Gewinn sogar um 17% an. Vielen Anlegern reichte dies nicht. Visa-Aktien verloren gut 4%. Zu hohe Erwartungen werden also vom Markt schnell abgestraft.

Korrekturszenario nimmt Form an

Damit nimmt auch das von uns beschriebene Korrekturszenario weiter Formen an. Dabei fällt auf, dass Anleger und Investoren über sämtliche Assetklassen aus dem Risiko gehen. Der S&P 500 Index hat bis an seine 50-Tage-Linie korrigiert, der Nasdaq 100 liegt inzwischen darunter. Der Dow Jones hat seit dem Allzeithoch am vergangen Donnerstag deutlich korrigiert und droht aus charttechnischer Sicht in die alte Seitwärts-Handelsspanne abzugleiten. In Japan gewinnt der Yen wieder an Stärke und setzt damit die Börse unter Druck. Dieses Szenario hatten wir in Fuchs-Devisen (siehe FD vom 19.07.24) skizziert. 

In der kommenden Woche dürfte die Bank of Japan über eine Zinsanhebung zumindest diskutieren und einen Plan zur Halbierung ihrer Anleihekäufe darlegen. Auch die zuletzt gut gelaufenen Edelmetalle Gold und Silber haben kräftig korrigiert. In der aktuellen Gemengelage zeichnet sich für die Börsen somit ein volatiler Sommer ab, zumal mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Präsidentschaftskandidatur und die voraussichtliche Nominierung von US-Vizepräsidentin Kamala Harris als demokratische Kandidatin der US-Wahlkampf zunehmend auch die Köpfe der Börsianer beschäftigen dürfte.

 
Fazit: An den Börsen nimmt die Risikoaversion zu. Abzuwarten bleibt zunächst, ob aus dem Korrektürchen „etwas Größeres“ wird. Anleger können die Sommerkorrektur nutzen, um selektiv auf Einkaufstour zu gehen. Dabei gilt: schrittweise einsteigen. Der DAX könnte auch bis etwa 17.850 Punkte korrigieren, bevor sich am großen Bild etwas ändert. Die Trends bleiben intakt. Die Frage ist eher: Wie weit und wie lange reicht die Korrektur?
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