China baut Europa-Logistik über Türkei aus
Chinas will in großem Stil in das türkische Bahnnetz investieren und Einfluss an dem strategisch wichtigen Logistik-Drehkreuz zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten gewinnen. Das berichtete unsere Korrespondentin vom Asian Financial Forum in Hongkong. Dort war zu hören, dass sich China mit 60 Milliarden US-Dollar am Ausbau des türkischen Eisenbahnnetzes beteiligen will.
Die Erfolgsaussichten für das Reich der Mitte sind gut. Die Türkei hat bereits in den vergangenen Jahren große Infrastrukturprojekte angestoßen. Ein Beispiel dafür ist die Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke Edirne-Kars. An der war China als Investor bereits beteiligt. Die Strecke ermöglicht einen schnelleren und günstigeren Transport vom Reich der Mitte und Zentralasien nach Europa.
China verfolgt seine Logistik-Strategie
China folgt einer klaren Strategie. Der China-Europe Railway Express (CERE) ist ein wichtiger Bestandteil von Chinas Belt und Road Initiative (Neue Seidenstraße). Der CERE ist ein Netzwerk von internationalen multi-modalen Containerzugdiensten. Das verbindet Städte in China mit europäischen Städten und ist eine Alternative zu den traditionellen maritimen Routen.
Auf dem Netzwerk wurden 2024 hohe Transportzuwächse verzeichnet. Das geht aus Zahlen des Marktforschungsunternehmens Statistica hervor. Zwischen Januar und Juli 2024 wurden über 11.000 Zugfahrten durchgeführt (+12% ggü. Vj). In diesem Zeitraum wurden fast 1,23 Millionen TEU transportiert (+11% ggü. Vj.).
China baut neue Transport-Korridore über Land
Wie stark China bereits in der Türkei etabliert ist, zeigt das Engagement von CRRC Zhuzhou Electric Locomotive. Das Unternehmen hat eine Fabrik in der Türkei eröffnet und dort unter anderem den lokal hergestellten Zug für das Istanbul Airport Metro-Projekt produziert. Das ist das erste Mal, dass ein chinesisches Unternehmen im Ausland einen autonomen Metroschnellzug mit einer Geschwindigkeit von 120 km pro Stunde produziert. Neue Projekte sollen sich auf die Elektrifizierung bestehender Strecken, den Bau neuer Inlandsrouten, eine neue Brücke in Istanbul und eine Hochgeschwindigkeitsstecke von Istanbul nach Ankara konzentrieren.
Im Gegenzug für seine Investitionen in die türkische Infrastruktur erwartet China eine deutliche Verbesserung der Handelsrouten nach Europa. Dies ist wichtig, da die traditionellen Transportkorridore durch die Ukraine-Krise stark beeinträchtigt sind. Gleichzeitig bietet die verbesserte Infrastruktur europäischen Spediteuren eine Alternative zu Routen, die bisher durch Russland führten. Zudem sieht China eine Chance sich Energie- und Rohstoffquellen zu sichern. Denn die verbesserte Infrastruktur erleichtert den Transport von Energie und Rohstoffen - und die Türkei will sich strategisch zu einem relevanten Öl- und Gas-Hub für Europa entwickeln.