Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
2043
Düstere Perspektiven

Das Ende der Einkaufszentren

Covid-19 ist im Begriff einen großen Teil der Einkaufszentren in Europa und Nordamerika zu ruinieren. Copyright: Pexels
Covid-19 ist im Begriff einen großen Teil der Einkaufszentren in Europa und Nordamerika (endgültig) zu ruinieren. Ein wesentlicher Teil der Branche wird die Pandemie nicht überleben können. Die Frage stellt sich: Was wird aus diesen Immobilien werden?

Die meisten Einkaufszentren in Europa und Nordamerika stehen endgültig vor dem Aus. Schon der Aufstieg des Online-Handels hat ihnen mächtig zugesetzt. Jetzt kommen sie durch die Lockdowns endgültig in Existenznöte. Schon jetzt sieht es für die meisten größeren Einkaufszentren schlecht aus. In der Vergangenheit war das 4. Quartal des Jahres meist die umsatzstärkste Zeitspanne. Doch dieses Jahr kann davon nicht die Rede sein. Coronavirus-bedingt bleiben die meisten Zentren wochenlang größtenteils geschlossen.

Viele Zentren werden nach den Lockdowns nicht mehr öffnen. Denn zahlreiche Läden sind nach monatelangen Corona-Problemen am Ende. Ihnen bleibt nur noch die freiwillige Liquidation oder Pleite. Intu, der mit Abstand größte Besitzer dieser Zentren in Großbritannien ist bereits finanziell am Ende. Der Erzkonkurrent Hammerson ist nicht besser dran. Westfield in London, das größte Einkaufszentrum in einer europäischen Großstadt, bemüht sich mit allen Kräften darum, zu überleben. Das Unternehmen bittet derzeit die Anleger um weitere 3,5 Mrd. Euro Kapital. Zugleich wird versucht, kleinere Zentren und andere Beteiligungen im Wert von 4 Mrd. Euro zu veräussern. So will das Management genügend Mittel für die Schuldenreduzierung in die Hand bekommen.

USA und UK am stärksten betroffen

Die Vereinigten Staaten und Großbritannien machen derzeit den meisten Anteilseignern von Einkaufszentren die größten Sorgen. Auf dem Kontinent sieht es noch nicht ganz so übel aus.  Doch die Probleme sind überall ähnlich. Die Mieter der Zentren zahlen nur noch schleppend – oder im Falle der Insolvenz überhaupt nicht mehr. Die Folge werden Einnahmerückgänge für die Zentren von 50% bis 70% am Ende des Jahres sein.

Drohbriefe an die Mieter oder Klageandrohungen haben wenig Erfolg. Und 2021 wird aus derzeitiger Sicht als voraussichtlich ähnlich schlecht eingeschätzt. Als Daumenregel gilt: Ist die Hälfte der Mieter pleite, ist Schluss. Nach britischem Recht müssen die Mieter stets auch die Grundsteuer zahlen. Und der Druck der finanziell klammen Gemeinden auf die Zahlungspflichtigen ist erheblich – trotz einzelner temporärer Erleichterungen.

Was tun mit den Flächen?

Besitzer der größeren britischen wie auch amerikanischen Einkaufszentren sind häufig Versicherungen oder Pensionskassen. Ihr Spielraum für finanzielle Zugeständnisse an die Zentren ist gering. Das gilt auch für bedeutende Hypothekengeber.

Die Center-Manager überlegen nun fieberhaft, was mit den vorhandenen Bauten und Anlagen geschehen kann. Problem: Die gute Idee allein nützt nichts. Für die Umgestaltung muss zunächst einmal eine ganze Menge Geld in die Hand genommen werden. Und das steht nur selten zur Verfügung.

Frühere Einnahmen wohl nicht mehr erzielbar

Als einigermaßen vielversprechend gilt nach wie vor die gemischte Nutzung der Zentren. Ein Teil der Ladenflächen wird zu Restaurants, Hotels, Wohnungen oder auch kleinen Büros umgebaut. Aber auch diese Nutzungsmöglichkeiten sind derzeit durch Covid erheblich eingeschränkt. Es ist also eine Wette auf eine pandemiefreie Zukunft ohne Lockdowns. Andere Flächen werden zu Sportstätten umgewandelt. Schließlich werden auch noch so genannte Experimentierflächen in die neue Nutzung eingeplant. 

Hammerson in Großbritannien überlegt, Kellergeschosse, Parkplätze etc. zu Lagerhäusern oder auch in so genannte Distributionszentren für den Online-Handel umzugestalten. Nachteil: Beides erhöht den Nutzfahrzeugverkehr zu und von den Zentren erheblich. Das bereitet sowohl den Kommunen als auch den Betreibern beträchtliche Sorgen. Und: Die Einnahmen aus den verschiedenen neuen Nutzungsmöglichkeiten dürften auch längerfristig hinter dem zurückbleiben, was gut geführte größere Einkaufszentren in der Vergangenheit erwirtschaften konnten.

Fazit: (Mit-)Eigentümer stehen in nächster Zeit vor schwierigen Entscheidungen. Sie werden überlegen müssen, ob sie Gelder nachschießen. Und für welche Nutzung. Echte Erfolgsrezepte gibt es unter den neuen Bedingungen noch nicht. Renditeerwartungen müssen deutlich reduziert werden.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Bodenbildung abgeschlossen

Sojabohnen gefragt

Soybean in hands with soy field in background. © sima / stock.adobe.com
Ein Wetterphänomen, das früher als erwartet auftritt, katapultiert die Soja-Preise nach oben. Die Anbauprognosen sind eindeutig - und wer sie lesen kann, hat eine Handelsidee.
  • Fuchs plus
  • Wochentendenzen vom 7.1.22

Fed bewegt die Märkte

Dollar-Scheine. © 3alexd / Getty Images / iStock
Die US-Notenbank hat die Devisenmärkte mit ihrem Sitzungsprotokoll aufgeschreckt. Nun sind einige Währungen in Bewegung geraten.
  • Fuchs plus
  • Günstige Selfmade-Möbel in Studierenden-WGs

Paletten bei eBay Kleinanzeigen einsammeln

Übereinandergestapelte Europaletten. © PhotoSG / stock.adobe.com
Wegen der Lieferengpässe und der gestiegenen Holzpreise haben viele Unternehmen Schwierigkeiten, an Holzpaletten zu gelangen. Eine Möglichkeit für Kleinunternehmen, um immerhin die größten Engpässe abzufedern, kann eBay-Kleinanzeigen sein.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Änderungen bei der Betriebsratswahl

Neuerungen im Wahlverfahren im Überblick

Ab dem 1. März und bis zum 31. Mai wählen die Arbeitnehmer in den Betrieben ihre Interessenvertretung. Diese Betriebsratswahlen sind alle vier Jahre fällig - und diesmal gibt es einige Neuerungen. Die machen auch den Arbeitgebern das Leben leichter.
  • Fuchs plus
  • Produktcheck: Vietnam Equity (UCITS) Fund

Ein erfolgreicher Fonds, der die Tür zur Börse in Vietnam öffnet

Vietnams Aktienmarkt ist mit einem Plus von knapp 36% auf Jahressicht einer der Top-Märkte 2021. Auch für 2022 erwarten Analysten ein robustes Wirtschaftswachstum des Landes. In den kommenden fünf Jahren (seit 2021) wird die Wirtschaft des südostasiatischen Landes insbesondere von neuen staatlichen Infrastrukturprojekten im Volumen von mehr als 60 Milliarden Pfund profitieren.
  • Fuchs plus
  • Kräftig zur Kasse gebeten

DSGVO-Bußgelder knacken Rekordmarke

Jedes Unternehmen kennt das lästige Thema DSGVO. Die EU-Datenschutzverordnung ist für viele eine unangenehme bürokratische Pflicht. Doch wer ihr nicht nachkommt, kann schnell zur Kasse gebeten werden. Vor allem für zwei Unternehmen war 2021 ein rabenschwarzes DSGVO-Jahr.
Zum Seitenanfang