Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
3139
Die Zukunft des Fliegens

Der Flugverkehr wird sich nur sehr langsam erholen

Der Flugverkehr wird sich nur sehr langsam erholen. Copyright: Pixabay
Noch im Januar herrschte im Luftverkehrsgewerbe die Überzeugung, dass auf das Spitzenjahr 2019 eine neues Spitzenjahr - 2020 - folgen werde. Schon acht Wochen später war das infolge des Corona-Virus ausgeträumt. Seitdem ist es zumindest in Europa immer weiter bergab gegangen. Frühestens 2025 dürfte die stolzen Zahlen von 2019 für Verkehrsaufkommen und Erträge vielleicht wieder erreicht werden.
Der Flugverkehr bleibt auch 2021 das große Sorgenkind der Wirtschaft. Die zuversichtlichsten Prognosen für 2021 gehen davon aus, dass binnen Jahresfrist vielleicht wieder die Hälfte des Verkehrsaufkommens von 2019 erreicht sein wird. Stimmen in den großen US-Tech-Konzernen rechnen sogar damit, dass bestenfalls 50% der geschäftlichen Flugreisen wiederkommen werden.

Keine große Luftverkehrsregion ist vom Corona-Virus so hart getroffen worden wie Europa. Die europäischen Fluggesellschaften fliegen zum Jahreswechsel 2020/21 nicht mehr als 20% bis 35% ihres Vorjahresprogramms. Doch nicht nur Corona ist für die ungünstige Entwicklung verantwortlich. Der Markt Europa ist stark zersplittert. Es fehlt sowohl am Willen zur gemeinamen Wiederaufbauarbeit als auch an Entscheidungen dazu. Und virtuelle Treffen aller Art – als Ersatz für Messen, Konferenzen und Firmentreffen – haben sich eingebürgert.

Weniger Direktflüge, höhere Preise

In einzelnen anderen Ländern der Welt sieht es nicht viel besser aus: etwa in Australien und Neuseeland. Im Vergleich zum europäischen Massengeschäft sind das aber relativ kleine Märkte. In China wird dagegen inzwischen das hohe Verkehrsaufkommen vom Jahresschluss 2019 bereits wieder knapp erreicht.

Passagiere müssen mit folgenden Entwicklungen rechnen:

  • Es wird künftig deutlich weniger Direktflüge geben
  • Die Reisezeiten werden länger (mehr Umsteige-Notwendigkeiten)
  • Die Flugpreise werden tendenziell (deutlich) steigen.
  • Die erste Klasse wird in absehbarer Zeit nahezu überall aus den Flugzeugen verschwinden. Das Fliegen wird also für manchen weniger angenehm 

Reiselust-Killer

Als "Reiselust-Killer" – besonders auch im Geschäftsreiseverkehrs – gilt die Maskenpflicht. Das wird erst besser werden, wenn allgemeine Corona-Impfungen im Laufe der Zeit erlauben, die Maske abzulegen. Im nächsten Jahr rechnen die Luftverkehrsgesellschaften noch nicht damit.

Die Linien kämpfen noch mit einem weiteren Corona-bedingten Problem. Die Aufenthaltszeiten an den Flughäfen sind derart lang geworden, dass der Flug selbst häufig kürzer als die Wartezeiten ist. Andererseits sind viele Geschäftsreisende vor allem im Export der Ansicht, dass gerade zur Anbahnung neuer Geschäftskontakte die persönliche Begegnung nicht durch die virtuelle zu ersetzen ist.

Womit die Luftverkehrsbranche punkten will

Doch die Luftverkehrsgesellschaften suchen Auswege. Der kommende Chef der International Air Transport Association (IATA), Willi Walsh, will Druck auf die Regierungen und Behörden machen. Er hat eine langen, erfolgreiche Karriere an der Spitze von British Airways und der IAG-Gruppe hinter sich und gilt als kampfeslustig. 

  • Die IATA versucht einen elektronischen Gesundheitspass durchzusetzen. Er soll alle Impfungen etc. umfassen und vielerlei Kontrollen im Reiseverkehr ersetzen. Wenn es nach der IATA geht, dann wird es nach der Corona-Virusimpfung überhaupt keine gesundheitsbezogene Grenzkontrollen mehr geben.
  • Die Bordkarten werden endgültig abgeschafft. Der Passagier kommt papierlos ins Flugzeuge (und am Ende der Reise ins Zielland).

Fazit: Vor allem die Dynamik in den Wachstumsraten im Geschäftsreiseverkehr kommt nicht mehr zurück. Virtuelle Konferenzen bleiben eine starke Konkurrenz (Zeitaufwand, Kosten). Umso mehr dürften touristische Reisen bald wieder boomen. +E-Autos

​

Hier: FUCHSBRIEFE abonnieren

Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Bekämpfung der Finanzkriminalität

Mehr Kompetenzen für die Länder

Die Bundesregierung will die Finanzkriminalität besser bekämpfen. Dafür bekommen jetzt auf Forderung des Bundesrates die Länder mehr Kompetenzen eingeräumt.
  • Fuchs plus
  • Die Anlageidee der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung

Albrecht, Kitta & Co.: Risikomanagement als Kern der Vermögensverwaltung

Illustriert mit MS Copilot
Fünf Millionen Euro sollen Kaufkraft sichern, jährlich rund drei Prozent Ausschüttung ermöglichen und gleichzeitig vor größeren Vermögensverlusten schützen. Viele Vermögensverwalter greifen dafür zu klassischen 60/40-Portfolios. Albrecht, Kitta & Co. geht einen anderen Weg. Die Hamburger Vermögensverwaltung entwickelt zunächst eine wissenschaftlich fundierte Vermögensarchitektur und leitet daraus die Anlagestrategie ab. Lesen Sie hier.
  • Fuchs plus
  • Interview

Wie senken wir die Lohnnebenkosten, Herr Prof. Holtemöller?

Die deutschen Arbeitskosten liegen international im Spitzenfeld. Treiber sind vor allem die Lohnnebenkosten. Wie sich das ändern könnte und warum auch die Energiepreise die Wettbewerbsfähigkeit des Landes schmälern, darüber sprach FUCHSBRIEFE-Redakteur Thilo Boss mit IWH-Vizepräsident Oliver Holtemöller.
Zum Seitenanfang