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Wie Anleger klug diversifizieren

Diversifikation 1.0 und 2.0: Wie man sein Aktienportfolio bestmöglichst streut

Tipps und Tricks für die Portfolio-Diversifikation. Copyright: Pixabay
Diversifikation, also die breite Verteilung des Vermögens, ist ein wesentlicher Grundsatz der Vermögensanlage zur Risikoreduktion. Wer das nicht tut, kann heftige Verluste erleben. Derzeit gut zu sehen beim Alken Fund – European Opportunities.

Der Alken Fund – European Opportunities erlebt gerade ein Wirecard-Desaster. Der Fonds musste in der letzten Woche an einem einzigen Tag mehr als 7% Verlust ausweisen. Der Fondsmanager hat die Wirecard-Aktie mit mehr als 10% gewichtet.

Daraus leitet sich die Frage ab: Wie geht gute Diversifikation bei der Aktienanlage? Anleger machen viel richtig, wenn sie auf die „Welt-AG“ setzen. Sie kaufen einfach alle Aktien, die börsennotiert sind. Da das mit Einzeltiteln nicht umsetzbar ist, bieten sich Indexfonds an. Wer auf den MSCI World All Country (ISIN: LU1829220216) setzt, hat mit einem Wertpapier knapp 1.600 Aktien aus den Industrieländern und Schwellenländern im Portfolio. Wer noch mit 10 oder 15% sog. SmallCaps, also kleine börsennotierte Aktiengesellschaften integriert, hat fast 5.000 Unternehmen im Portfolio. Eine bessere Diversifikation gibt es im Aktienbereich nicht.

Einfachlösung mit Schwächen

Kritiker bemängeln, dass mit dieser simplen Lösung Fehler gemacht werden. Denn es befinden sich auch schlecht geführte Unternehmen in solch breit streuenden ETFs. Zudem würden besonders teure Aktien das größte Gewicht bekommen. Deshalb wäre der Indexfonds nicht der richtige Weg, sondern aktives Fondsmanagement gefragt.

Diesen Negativstimmen kann entgegengehalten werden, dass die Mehrzahl der Fondsmanager trotz großer Bemühungen (und oder wegen hoher Kosten) häufig keinen Mehrwert erzielen; also beim Versuch, die Kritikpunkte zu eliminieren, scheitern.

Wissenschaft kennt Renditetreiber

Besser ist es, der Wissenschaft zuzuhören. Diese hat in den vergangenen Jahren ein eigenes System entwickelt, um die guten Aktien von den schlechten zu trennen und – das ist wichtig – langfristig bessere Ergebnisse als das „Mach es dir einfach-Depot“ zu erzielen. Dafür haben sie untersucht, welche Renditetreiber, sog. „Faktoren“, bessere Ergebnisse als der breite Markt – also ein Investment in den MSCI World – bringen. Aus diesen Erkenntnissen ist eine stets wachsende Produktart unter den ETFs entstanden. Damit können Investoren diesen Rendite-Mehrwert oder ggfs. eine Risikoreduktion gegenüber dem breiten Markt erzielen.

So können Anleger einen Mehrwert gegenüber der breiten Masse der Aktien erreichen, wenn sie stets die Aktien wählen, die auch in den letzten Monaten am besten performt haben. Dieser „Momentum“-Faktor hat sich in den vergangenen Jahren besonders deutlich gezeigt.

Mehr Ruhe im Depot

Anleger können auch die Aktien wählen, die sich in Stresszeiten besonders ruhig verhalten und nicht so stark nach unten driften wie der Gesamtmarkt. Für dieses „Ruhekisssen“ verzichtet der Anleger ggfs. auf Rendite. Dieser „Minimum Volatilität“-Faktor hat seine Stärke auch in der Corona-Krise gezeigt. Sein temporärer Verlust fiel um 5 Prozentpunkte geringer aus als der Gesamtmarkt MSCI World.

Auch Unternehmen mit einer besonders soliden Bilanz, geringer Verschuldung und solidem Geschäftsmodell schaffen langfristig ein Renditeplus; auch wenn es wohl nicht so hoch ausfällt wie z. B. beim Momentum-Faktor. Wissenschaftler nennen diese Renditequelle „Quality-Faktor“.

Warten auf Wiederentdeckung günstiger Aktien

Ein Faktor wurde bereits sehr früh „entdeckt“: der „Value“-Faktor. Hier werden diejenigen Unternehmen hoch gewichtet, die eine niedrige Kursbewertung im Vergleich zu ihrem Buchwert haben. Die Logik: Irgendwann bemerkt der Markt diese günstige Bewertung und die Nachfrage steigt. Dann fallen die Unternehmen aus dem Raster. Der Investor hat aber ein Plus gemacht. Beim Value-Faktor lässt sich gut erkennen, dass Investoren auch lange „Saure-Gurken-Zeiten“ erleben. Denn diese Aktien bleiben seit vielen Jahren hinter dem Gesamtmarkt zurück. Deshalb rufen auch etliche Marktbeobachter eine „Value-Renaissance“ aus, die die Investoren übermäßig entlohnen wird.

Aktuell wird ein Faktor diskutiert, der mit dem neuen Trend „Nachhaltige Kapitalanlagen“ zusammenhängt. Indexfonds mit Schwerpunkt auf Social Responsible Investments (SRI) „schlagen“ den Markt kontinuierlich. Ob dieser Trend 30 Jahre anhält, steht aber noch in den Sternen. Für die nächsten Jahre ist es jedoch sehr wahrscheinlich.

Nachhaltigkeit für Renditeplus

Fest steht: Investoren müssen langfristig denken Sie müssen sich entscheiden, welche Faktoren sie präferieren und dann Ruhe bewahren. Der Versuch, durch geschicktes Timing stets den "richtigen" Faktor im Depot zu haben, ist bisher niemanden beständig geglückt. Die Tabelle zeigt die Mehr- bzw. Minderrenditen der Faktoren (ohne SRI) gegenüber dem MSCI World All Country.

Fazit: Aktiendiversifikation geht am besten über Indexfonds. Wer die breiteste Streuung haben will, kauft die „Welt-AG“ ins Depot. Wer die Schwachstellen des Ansatzes ausbessern will, bildet sein Depot über Faktor-Investments ab. Das ist zwar etwas teurer, zahlt sich aber mit hoher Wahrscheinlichkeit aus.

Dr. Jörg Richter, Dr. Richter Kanzlei für Vermögen GmbH

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