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Zielkonflikt Meeresschutz und Seetransport

Drei Preistreiber verteuern langfristig die Schifffahrt

Containerschiff. Copyright: Pexels
Die Weltmeere sind Ökosysteme von höchster Bedeutung. Von daher ist das Bemühen, sie zu erhalten, nur allzu verständlich. Doch auf der anderen Seite sind sie auch viel genutzte "Straßen" für Seetransporte. Was passiert, wenn beides - Umweltschutz und Schifffahrt - zusammenprallen?

Der Umweltschutz wird den Seetransport deutlich verteuern. Dabei gibt es mindestens drei Faktoren, die sich beim Preis erheblich auswirken werden. Zum einen erreicht der Ruf nach Klimaneutralität die Seefahrt. Technische Lösungen gibt es dafür reichlich: Wasserstoff, Ammoniak, Methanol, klimaneutrales Flüssiggas, oder sogar Segel also Windenergie, um nur einige aufzuführen.

Preistreiber Investitionskosten

Preistreibend wirken die Investitionskosten. Laut Gunnar Stiesch, Leiter der Motorenentwicklung bei MAN Energy Solutions, reden wir hier von Kosten im Billionen-Bereich, würden sämtliche Schiffe auf klimaneutrale Antreibe umgerüstet werden. Etwa ein Fünftel dieser Kosten müsse für die Umrüstung der Schiffe aufgebracht werden. Der Rest wird für die erforderliche Infrastruktur an Land benötigt. 

Hinzu kommt: Nicht jedes Schiff, lässt sich (sinnvoll) klimaneutral umrüsten. Gerade Schiffe mit einer "Restlaufzeit" von fünf Jahren, so Stiesch, kämen für Klimaneutralität nicht infrage. Interessant wird hier zu sehen sein, ob möglicherweise in Europa tätige Unternehmen solche Schiffe aus der Flotte an andere Reedereien in Regionen mit geringeren Umweltschutzstandards abstoßen. Das stärkt dann zwar die Klimabilanz der heimischen Reedereien; die alten Schiffe "verpesten" dann aber unter einer neuen Flagge die Weltmeere.

Meeresschutzgebiete verlängern Fahrtzeiten

Ein weiterer Preistreiber werden Meeresschutzgebiete sein. Ein exemplarisches Beispiel dafür ist die Meeresschutzstrategie 2030 der OSPAR-Ministerkonferenz. Die OSPAR vereint die 15 Nordostatlantik-Anrainerstaaten – darunter auch Deutschland – sowie die EU in dem Bestreben, die Meeresumwelt des Nordostatlantiks zu schützen.

Bis 2030 sollen 30% des Nordostatlantiks unter Naturschutz stehen. Das stellt mehr als eine Verdopplung aus heutiger Sicht dar und könnte die Nordatlantik-Schifffahrtsrouten empfindlich beeinflussen. Zwar ist nicht davon auszugehen, dass die Nordatlantik-Route dichtgemacht wird. Aber die Schiffe werden stärker in Korridoren fahren müssen, womöglich auch weniger stark getaktet als bisher. Das wird die Fahrtzeiten verlängern.

Häfen mit höheren Umweltschutzansprüchen

Nicht zuletzt werden auch die Häfen zu einem preistreibenden Faktor. Denn in den "Green Ports" der Zukunft wird mehr auf Umweltverträglichkeit und Ressourcenschonung geachtet. Das betrifft Schiffe ganz konkret wenn es um emissionsschutzrechtliche Belange, etwa beim Löschen der Ladung, Stichwort Schiffsabwasser, geht. Auch ist mit einem stärkeren Umweltschutz um die Häfen herum zu rechnen. Das wird zu Verzögerungen führen. Klar ist auch: Einen Hafen klimaneutral umzugestalten kostet. Die Kosten wird man sich von den Reedereien zurückholen.

Die Stadt Bremen hat für sich bereits ein Green Port Konzept beschlossen. Im kommenden Jahr will die Stadt Hamburg beschließen, wie ihr Hafen bis 2040 klimaneutral werden kann. Grundsätzlich haben alle Häfen, zumindesten die in Europa, Umweltschutzpläne für sich erarbeitet haben.

Fazit: Aktuell verteuert die Lieferketten-Problematik die Handelsrouten. Doch das ist ein vorübergehendes Phänomen. Der Umweltschutz hingegen wird ein langfristig wirkender struktureller Preistreiber.

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