Erntebedingter Preisanstieg bei Kaffee
Kaffee ist knapp und teuer. Seit Jahresbeginn sind die Kaffeepreise an der New Yorker Warenterminbörse um rund 30% gestiegen. Handelte die „braune Bohne“ im Januar noch bei rund 180 US-Cent je Pfund, müssen inzwischen bereits rund 235 US-Cent je Pfund auf den Tisch gelegt werden. Ein Ende des Aufwärtstrend ist nicht in Sicht, denn die Kaffee-Ernte in Brasilien dürfte in diesem Jahr niedriger ausfallen, als zunächst gedacht.
Erst vor wenigen Tagen hatten gleich zwei Analysehäuser ihre Ernteprognosen gesenkt: Safras & Mercado hatte seine Prognose unlängst um mehr als vier Millionen auf gut 66 Millionen Sack a 60 kg reduziert. Die Ernte ist dabei bereits zu 87 Prozent abgeschlossen. Etwas optimistischer zeigen sich die Experten von StoneX, die ihre Ernteprognose um gut eine Million auf 65,9 Millionen Sack reduziert hatten.
Gestiegene Preise bei Arabica und Robusta
Die Preissteigerung von Kaffeebohnen zieht sich über die Sorten hindurch. Brasilien ist der weltweit größte Produzent und Exporteur von Arabica-Bohnen. Die Arabica-Bohne macht laut der brasilianischen Agrarbehörde Conab etwas mehr als zwei Drittel der brasilianischen Kaffee-Ernte aus. Doch auch die Preise der „Konkurrenz-Sorte“ Robusta klettern immer weiter und notieren nur noch knapp unter ihrem vor vier Wochen erreichten Rekordniveau von 4.680 US-Dollar je Tonne. Arabica ist damit nur 20% teurer als Robusta. Vor zwei Jahren lag das Preisverhältnis noch bei 2:1, Ende 2023 noch bei 1,5:1.
Das relativ hohe Preisniveau und die geringere Verfügbarkeit von Robustabohnen könnte die Nachfrage nach Arabica zusätzlich ankurbeln. So lagen die Kaffeeexporte des weltgrößten Robusta-Produzenten Vietnam nach sieben Monaten in diesem Jahr fast 14% niedriger als vor einem Jahr.
Kaffeehandel in der EU
Zudem wirft eine zum Jahreswechsel 2024/25 in Kraft tretende EU-Verordnung ihre Schatten voraus. Ab dann müssen Kaffeelieferanten der EU nachweisen, dass der Kaffee nicht auf zuvor gerodeten Waldflächen angebaut wurde. Dadurch steigt kurzfristig die Nachfrage, bevor diese Richtlinie in Kraft tritt. Erkennbar ist dies an der Ausweitung der Preisdifferenz zwischen dem Terminkontrakt mit Lieferung im September und Terminkontrakten mit späterer Fälligkeit.