EU-Mercosur-Abkommen tritt vorläufig in Kraft
Nach 25 Jahren Verhandlungen und einem Abstimmungsschock im EU-Parlament tritt das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen zum 1. Mai vorläufig in Kraft. Insbesondere für die mittelständische Industrie im Bereich Maschinenbau sowie Zulieferer in der Autoindustrie bieten sich neue Chancen in einem vergleichsweise unerschlossenen Markt mit 260 Millionen Menschen, kommentiert unser Südamerikakorrespondent. Unternehmen aus der Landwirtschaft müssen sich auf einen Wettbewerb mit einer hocheffizienten und technologisch-digital modernen Agrar-Industrie einstellen.
Einer der wichtigsten Aspekte dieses Abkommens ist die Abschaffung von Zöllen für die meisten Waren. Laut südamerikanischen Angaben werden etwa 92 Prozent der MERCOSUR-Exporte in die EU im Gesamtwert von etwa 61 Milliarden US-Dollar von den Kostensenkungen profitieren. Südamerikanische Produkte wie Fleisch oder Getreide werden also in Deutschland billiger. Unternehmen aus den Bereichen Transport- und Logistik setzen darauf, dass dieses Abkommen die Effizienz der Zollabfertigung verbessern und die Lieferzeiten für unsere internationalen Kunden verkürzen soll. Das heißt Lieferzeiten und Kosten könnten gesenkt werden.
Argentinien könnte Flüssoggas-Versorgungslücken füllen
Einer der am stärksten wachsende Märkte in der Region ist der Erdgas- und Erdölsektor in Argentinien. Hier deutet sich an, dass das südamerikanische Land im Flüssiggas-Sektor in Lücken hineinstoßen kann, die durch die aktuelle geopolitische Lage in Nahost entstehen. In Brasilien gibt es in zahlreichen Branchen vom Flugzeugbau bis zur Automobilindustrie Investitionen in Milliardenhöhe. Die Entwicklungen sorgen in der Regel auch für eine Sogwirkung für den Maschinenbau.
Interessant ist, dass Paraguay anstrebt, dass das suspendierte Venezuela möglichst rasch wieder in das südamerikanische Handelsbündnis aufgenommen wird. Bolivien befindet sich in einem Eingliederungsprozess. Sollte Venezuela in absehbarer Zeit zurückkehren und Bolivien vollständig integriert sein, würden das ölreichste Land und das lithiumreichste Land der Welt in das Handelsbündnis eingebunden.