EU-Zölle: Russische Düngemittel im Fokus
Die EU greift mit zwei Maßnahmen in den Agrarmarkt ein, die mittelfristig erhebliche Auswirkungen haben werden. Vor wenigen Tagen hat die EU die Zölle für russischen Dünger (und nicht ganz so relevant: russische Lebensmittel) drastisch erhöht. Die Zölle auf russischen Zucker, Essig, Mehl und Tierfutter wurden um 50% erhöht.
EU hebt Zölle für russischen Dünger massiv an
Die Zölle auf importierte Düngemittel aus Russland und Weißrussland dürften besondere Wirkung entfalten. Die EU hat einen Zoll von 6,5% beschlossen, zusätzlich aber einen pauschalen Zoll von 40 bis 45 Euro je Tonne. Der wird bis Ende 2026 laufen und soll bis zum Jahr 2028 auf 430 Euro je Tonne angehoben werden (fast verzehnfacht).
Die Wirkung der Zölle wird spürbar und dürfte die Preise für Lebensmittel kräftig anheben. Denn Europa importiert erhebliche Mengen von Dünger aus Russland. Allein im Jahr 2024 sind die Importe um 33% gestiegen. Den Düngemittelherstellern in der Union (BASF, Yara) dürften die Zölle helfen. Für die Landwirte wird sich der Kostenblock in der Lebensmittelproduktion deutlich erhöhen. Davon dürften vor allem Stickstoffprodukte betroffen sein.
Zollfreier Zugang der Ukraine zum EU-Agrarmarkt wird eingeschränkt
Zugleich plant die EU, den zollfreien Zugang für ukrainische Agrarimporte wieder zu drosseln. Die EU will ab Juni zu der alten Quotenregelung zurückkehren. Diese Maßnahme wird die Landwirte vor allem in Frankreich, Polen und Rumänien entlasten. Die leiden besonders unter der preiswerten Konkurrenz aus der Ukraine. Auch hier ist aber mittelfristig mit einem Preiseffekt nach oben zu rechnen. Vor allem dürften davon Weizen, Mais und Geflügel betroffen sein. Die Ukraine exportiert große Mengen dieser Waren in die EU.
Die Rückkehr zu alten Zollquoten ist darüber hinaus politisch heikel. Denn für die Ukraine rechnet aufgrund der Maßnahme mit Verlusten von 3,5 Mrd. Euro pro Jahr. An dieser Stelle offenbart sich das Dilemma der EU, die ohnehin viel Geld für den Agrarsektor als Subventionen ausgibt. Die aber ein strukturelles Problem mit der Integration der Ukraine in den EU-Agrarmarkt haben wird (FB vom 11.12.23).