Indien eröffnet die Aufholjagd
Indiens Wirtschaft soll zum Erzrivalen China aufschließen. Deutsche Investoren sollen dabei helfen.
Die Revitalisierung der indischen Wirtschaft hat für die Regierung von Narendra Modi absolute Priorität. Bislang haben das zwar alle indischen Regierungen versprochen. Premier Modi macht aber ernst. Verweisen kann er dabei auf seine unternehmerfreundliche Politik in der Region Gujarat. Ihr stand Modi 13 Jahre lang als Ministerpräsident erfolgreich vor. Modi kann sich den Vorrang für die Wirtschaft leisten. Denn seine hindunationale Bharatiya Janata Party (BJP) regiert mit einer klaren Mehrheit. Für den Erfolg seiner Amtszeit ist entscheidend, ob er das Versprechen einlöst, mehr Arbeitsplätze geschaffen zu haben. Der aktuelle konjunkturelle Rückenwind hilft ihm dabei: Die indische Wirtschaft wird 2015 um 7,2% wachsen. Die zweistellige Inflationsrate fiel wieder auf rund 6%. Die Leistungsbilanz wie auch die Kapitalzuflüsse haben sich drastisch verbessert. Das neue „Make in India“-Programm will ausländisches Kapital in klar definierte Zukunftssektoren lenken. Der Vorrang für Investoren soll nicht an den für Indien üblichen Dauerproblemen scheitern: Korruption, Bürokratie, mangelhafte Infrastruktur. Das Programm verspricht schnellere und transparente Genehmigungsverfahren für Betriebsgründungen. Sie werden über ein einziges, weniger korruptionsanfälliges Internetportal gemanagt. In Indien sind derzeit 1.800 deutsche Unternehmen mit Niederlassungen aktiv. Im Vergleich zu den 6.000 in China ist da noch Luft nach oben. Die indischen Unionsstaaten bekommen einen größeren sozialpolitischen Spielraum. Die Subventionen für die Armen hat Modi nicht erhöht. Sie sollen aber durch die stärkere Dezentralisierung effizienter eingesetzt werden. Modi muss das Dilemma lösen, einerseits Investoren ins Land zu holen, ohne andererseits seine Wählerklientel dadurch zu verschrecken. Am meisten Widerstand ruft die Landreform hervor. Gegen das geplante wirtschaftsfreundliche Grunderwerbsrecht formiert sich bereits die Opposition. Die Aktivisten um Anna Hazare können Modis BJP gefährlich werden. Wirtschaftlicher Erfolg ist die einzige Chance Indiens, um den Erzrivalen China im Zaum zu halten. Das Verhältnis der beiden bevölkerungsstärksten Länder der Welt ist durch geopolitische Rivalität und ungelöste Grenzstreitigkeiten belastet. Gegen die große Kapitalkraft Chinas ist Indien derzeit machtlos. Modis erste außenpolitische Niederlage war denn auch die Beerdigung erster Klasse für die geplante indische SAARC-Entwicklungsbank. China brachte mit der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB) einfach mehr Kapital und bessere Partner auf die Waage.
Fazit: Modi will Indien für ausländische Investoren öffnen und hat auch die politische Macht dazu. Deutsche Unternehmen sind als Partner sehr gefragt.
Hinweis: Informationen zu Indiens Wirtschaft und Industriestruktur, sowie zu den Themen Wasser, Energie, Recht und Zoll bietet die kostenfreie Broschüre „Indien im Fokus 2015“ von Germany Trade & Invest, Bestell-Nr.: 19730, Tel: 0228/24993-259, www.gtai.de.