Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-0
0,00 €
672
Devisen

Blick auf die G4 (Dollar, Euro, Yen, Yuan)

Wohin man den Blick im Euroraum schweifen lässt, die Konjunktur läuft. In einigen Regionen stößt man auf nachlassende Dynamik. Und ein weiterer Faktor kommt hinzu, der die Geldpolitik beeinflusst.

Verbrauchte Höhenluft

Die überraschend starke Konjunktur der Eurozone hält an. Das Tempo verlangsamt sich aber. Die Daten vom aktuellen Rand zeigen überwiegend abnehmende Zuwächse. Hier und da gibt es auch kleinere Rückgänge. So lieferte die jüngste Handelsbilanz einen rückläufigen Überschuss (19,6 Mrd. Euro nach 22,2 Mrd. Euro). Der Zuwachs der Importe verlangsamt sich auf 3% zum Vorjahr. Die Exporte sanken um 3% nach dem starken Zuwachs von 14% im Vormonat. Leichte Schwächen sind auch bei der Industrieproduktion auszumachen. Sie legte zuletzt nur noch um 1,4% nach 2,2% im Vormonat zu.

Die Zuwächse konzentrieren sich stark auf Deutschland. Spanien, Frankreich und Italien liefern dagegen rote Zahlen. Offenbar entfaltet der relativ stabile bis starke Euro mittlerweile eine gewisse Bremswirkung. Auch die Einkaufsmanager-Indizes deuten auf eine Verlangsamung des Wachstums hin.

Der Gesamtindex für die Eurozone fiel auf 55,7 Punkte zurück. Er verfehlte damit die Erwartungen (Konsens 56,7 Punkte) und auch den Vormonatswert (56,8 Punkte) deutlich. Er liegt aber dennoch klar über der Expansionsschwelle. Ursache für den Rückgang sind schwächere Daten aus dem Dienstleistungssektor (Rückgang von 56,2 auf 54,7). Bei der verarbeitenden Industrie geht es dagegen leicht aufwärts (57,3 nach 57).

Dieses Muster zieht sich auch durch die nationalen Daten. Bei den Stimmungsindikatoren sind bei den Unternehmen im Vergleich zum Konsumklima bei den privaten Haushalten die besseren Zahlen zu erkennen. Daraus kann zusammen mit den Einkaufsmanager-Indizes der Verdacht abgeleitet werden, dass die Dynamik der Konsumnachfrage möglicherweise nicht ganz so stark ist, wie von Analysten und Unternehmen unterstellt.

Alles in allem werden sich die Gründe für eine Straffung der EZB-Politik eher abschwächen. Ein Teil ist bereits auf dem Devisenmarkt geleistet. Sollte die private Konsumnachfrage tatsächlich zurückgehen, würde damit auch der Inflationstrend flacher als bislang unterstellt ausfallen. Zusammengenommen ergibt sich daraus eher eine Abschwächung des Euro, der wohl eine vorläufige Spitze erreicht hat. Nicht zuletzt auch die EZB selbst dürfte das erreichte Kursniveau kritisch sehen. Die jüngst gestiegenen Erwartungen auf bald steigende Zinsen im Euro beruhen dagegen auf einer Fehlinterpretation der Aussagen Draghis. Der Wunsch wurde zum Vater des Gedankens.

Fazit: Der Euro hat kaum noch Potenzial nach oben, aber schon einige Fallhöhe aufgebaut.

Enttäuschungen einkalkulieren

Es ist normal, dass der IWF seine Frühjahrsprognose für die USA zurücknimmt. Das tut der IWF immer, weil er die USA zuvor stets zu stark einschätzte und dann zurückrudern muss. Auffällig ist aber im aktuellen Fall die Begründung. Die großen Hoffnungen auf eine expansive Politik der Trump-Administration werden relativiert. Zwar deutet die Arbeitslosenquote unter 5% auf Vollbeschäftigung. Die im Trend sinkende Partizipation zeigt aber auch, dass die Beschäftigungsprobleme nicht gelöst sind. Vielmehr wurden sie statistisch elegant durch Verdrängung vom Arbeitsmarkt oder Aussitzen – Arbeitslose rutschen ins Rentenalter und damit aus der Statistik – erledigt.

Bemerkenswert ist auch die Deutlichkeit, mit der die Strukturprobleme der USA angesprochen werden. Dazu zählen die aus der Balance geratene Einkommensverteilung, die wachsende technologische Arbeitslosigkeit oder der demografische Wandel. Doch selbst die reduzierte Wachstumsschätzung mit je 2,1% für 2017 und 2018 liegt über dem Potenzial. Das deutet auf weitere Zinserhöhungen hin.

Die Daten vom aktuellen Rand sind weniger erfreulich. Rückläufige Umsätze des Einzelhandels verweisen auf einen schwächeren Konsum, sinkende Exporte und wachsende Belastungen durch einen (zu?) starken Dollar. Exakt diese Schwäche spiegeln auch die jüngsten BIP-Daten mit 1,4% annualisiertem Wachstum im 1. Quartal. Die Konjunktur litt unter einem schwachen Konsum und negativen Außenbeitrag.

Die gemischten Signale von den Orders für dauerhafte Güter zeigen, dass die Investitionen der US-Unternehmen schwach bleiben. Das belegt u.a. der erneute Rückgang bei den Maschinen und Anlagen („core capital goods"). Die Einkaufsmanager-Indizes sind zwar klar im positiven Bereich (Gesamtindex zuletzt 53 Punkte). Sie bröckeln aber langsam ab. Bei der Industrieproduktion, vor allem dem verarbeitenden Gewerbe (manufacturing), gibt es immer wieder rote Zahlen.

So gesehen, ist die Projektion des IWF immer noch ziemlich optimistisch. Ohne einen fühlbaren Impuls von der Fiskalpolitik her wäre ein weiteres Jahr unter 2% Wachstum keine große Überraschung mehr. Die deutlich gesunkenen Zinserwartungen haben also durchaus einen realen Kern. Dennoch dürfte der Dollar wieder leicht zulegen. Allerdings nicht, weil die USA so stark sind, sondern vor allem, weil die Eurozone derzeit wohl überschätzt wird.

Fazit: Der Dollar sollte sich etwas erholen können. Auf der Zinsseite sind allerdings Enttäuschungen einzukalkulieren.

Die Leistungsbilanz stützt den Yen

Japans finanzielle Situation entspannt sich. Zwar schloss die jüngste Handelsbilanz von Mai mit einem überraschenden, kleinen Minus ab: Die Konsenserwartung lag bei 48,4 Mrd. Yen nach 481 Mrd. Yen im April, die Ist-Zahl jedoch bei 203 Mrd. Yen. Dafür weist die Leistungsbilanz aufgrund der Erträge aus den Direktinvestitionen wieder große Überschüsse auf. Japan kann seine nach wie vor überbordende Staatsverschuldung (ca. 240% vom BIP) intern regeln. Solange das so bleibt, ist die Lage hoffnungslos, aber nicht ernst.

Das hat zur Folge, dass der Yen seine Rolle als sicherer Hafen im asiatischen Raum voll ausspielen kann. Er ist daher auch zum US-Dollar stark. Solange Japan keine Finanzierung durch das Ausland benötigt – d.h. keine Defizite einfährt – wird auch die ultra-expansive Politik den Yen nicht allzu sehr schwächen. Denn mit dem Ankauf der Staatsschulden durch die Notenbank verschwinden die Anleihen zunächst einmal in einer Art staatlichen Quarantäne. Daher hat es nicht einmal mehr nennenswerte Auswirkungen, wenn Regierungschef Abe erneut die im Hinblick auf die fiskalische Konsolidierung seit langem geplanten Steuererhöhungen ein weiteres Mal vertagt. Damit wächst natürlich der Buchwert des staatlichen Schuldenbergs weiter an. Stärker kommt zum Tragen, dass im Rest der Welt – namentlich der Eurozone – wichtige Zinssätze noch tiefer stehen als in Japan. Das gibt dem Yen überraschend einiges Potenzial. Allerdings dürfte die Bank of Japan etwaigen Aufwertungstendenzen entgegentreten. Das begrenzt den Spielraum des Yen nach oben.

Fazit: Sofern keine externen Schocks stören, dürfte der Yen sein Niveau zu Dollar und Euro halten.

Überraschend stark

Der Yuan hat seit Jahresanfang zum Dollar zugelegt. So, wie viele andere Währungen der Emerging Markets auch. Dahinter steht zunächst eine Korrektur der übertriebenen Erwartung steigender US-Zinsen. Daneben dürften sich die handfesten Kapitalkontrollen Chinas ausgewirkt haben, die den Kapitalabfluss wirksam bremsen.

Zudem dürfte eine Rolle spielen, dass sich die Furcht vor dem kommenden Crash Chinas langsam wieder legt. Stattdessen setzen sich die bekannten Trends fort: Die Chinesen fahren das Investitionstempo herunter, die Umschichtung der Nachfrage vom Export hin zum privaten Konsum geht weiter. Das Wachstumstempo pendelt sich zwischen 6,5% und 7% ein. Die wirtschaftlichen Probleme sind letztlich weniger bedrohlich als die Weltmachtambitionen Pekings.

Fazit: Vorerst dürfte sich der Yuan auf dem aktuellen Niveau stabilisieren. Die wirtschaftlichen Risiken Chinas werden über-, die politischen Risiken unterschätzt.

FUCHS DEVISEN Wechselkurs- und Zinsprognose auf 12 Monate

  Kurs VorjahrKurs aktuell3. Quartal 20174. Quartal 20171. Quartal 20182. Quartal 2018

 

 

 

USD 1,109 1,144 1,10-1,15 1,09–1,13 1,06-1,12 1,05-1,12
CHF 1,032 1,095 1,06-1,10 1,07-1,11 1,08-1,13 1,08-1,13  
GBP 0,714 0,879 0,85-0,91 0,88-0,95 0,95-1,01 0,95-1,01  
JPY 135,600 127,900 123-130 126-134 126-134 126-134  
3-Monats Geld 0,000 -0,340 -0,3-0,00 -0,30-0,00 -0,30-0,00 -0,30-0,00  
10-Jährige Bund 0,540 0,430 0,30-0,65 0,45-0,80 0,45-0,80 0,45-0,80  

 

$

JPY 112,200 111,900 110-117 115-125 115-125 115-125
3-Monats Geld 0,630 1,300 1,10-1,40 1,35-1,65 1,35-1,65 1,35-1,65  
10-Jährige Treasures 1,780 2,260 2,25-2,55 2,45-2,75 2,45-2,85 2,45-2,85

Hinweis: Diese Tabelle gibt die Meinung der Redaktion zur Zins- und Wechselkursentwicklung wichtiger Währungen wieder. Sie dient ausschließlich zur Orientierung und ist nicht als Handlungsaufforderung zu sehen. Insbesondere Wechselkursprognosen unterliegen einer hohen Unsicherheit. Alle Angaben ohne Gewähr.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Zu viele Unwägbarkeiten

Die Mär vom vorzeitigen Kanzlerwechsel

Ein Thronwechsel im Kanzleramt ist derzeit nicht zu erwarten. Copyright: Pixabay
Deutschland diskutiert über einen vorzeitigen Kanzlerwechsel. Merkel wirke müde, Impulse seien von ihr nicht mehr zu erwarten. Die designierte Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer stehe kurz vor Halbzeit in den Startlöchern. Was sich plausibel liest, ist es beim Blick hinter die Kulissen noch lange nicht. FUCHSBRIEFE berichten, was in Berlin hinter den Kulissen dazu zu hören ist .
  • Fuchs plus
  • Im Fokus: Aktien aus Australien

Viel zu entdecken in Down Under

Im Fokus: Aktien aus Australien Copyright: Pixabay
Nachdem wir vor wenigen Wochen Titel aus Neuseeland vorgestellt haben, fokussieren wir uns in dieser Woche auf den großen Bruder: Australien. Durch die räumliche Distanz kommen europäische Anleger nur selten mit australischen Titeln in Kontakt. Ein Manko, das es angesichts der soliden Wirtschaft und lukrativer Unternehmen auszuräumen gilt.
  • Fuchs plus
  • Im Fokus: Wasserstoff und Brennstoffzellen

Suche nach Diesel-Alternativen treibt an

Wasserstoff-Atom Copyright: Pixabay
Saubere, ökologische und nachhaltige Antriebsmöglichkeiten sind derzeit gefragt. Dass man Wasserstoff als Energieträger nutzen kann, lernt man bereits im Chemie-Unterricht in der Schule. Auch heute schon, kann man mit einem Wasserstoff-Motor nicht unerhebliche Reichweiten erreichen. Durch die Diesel-Diskussion werden diese Motoren stärker gefragt. Findige Konzerne werden auf ebenso innovative Zulieferer aus der Branche angewiesen sein. Wir stellen einige der potenziellen Profiteure vor.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Bank für Sozialwirtschaft, Stiftungsmanagement 2019: Qualifikation

Keinerlei Enthusiasmus

Die Bank für Sozialwirtschaft hat es nicht in die Endauswahl geschafft.
So geht es nicht. Die Bank für Sozialwirtschaft kommt mit einem 08-15 Angebot daher. Die vorgegebenen Kundenwünsche werden unter den Tisch gekehrt. Wichtige Angaben zu den Kompetenzen des Hauses werden nicht gegeben. Damit macht es sich die Bank viel zu einfach und stellt sich mit diesem Angebot im Wettbewerberumfeld selbst ins Abseits.
  • Fuchs plus
  • HSBC, Stiftungsmanagement 2019: Qualifikation

Viel heiße Luft

Die HSBC hat es nicht in die Endauswahl geschafft.
HSBC hat nach eigenen Angaben alle notwendigen Qualifikationen im Stiftungsmanagement und kann auf eine lange Tradition zurückbleiben. Im spezifischen Fall kocht die HSBC allerdings nur mit Wasser. Intelligente Überraschungsmomente sucht man vergebens. Einige Kundenwünsche werden sogar kurzerhand negiert. Mit dieser Haltung kann die HSBC nicht an vorderster Front mitspielen.
  • Uni-Leitungen ohne Rückgrat

Professoren-Pranger und Repression

An den Unis grassiert ein Klima der geistigen Repression. Studenten führen sich auf wie Jakobiner, Universitätsleitungen geben klein bei. Die Tempel der geistigen Freiheit verkümmern zu Höhlen des eingeschränkten Diskurses mit einem virtuellen Pranger im Zentrum. Fuchsbriefe-Chefredakteur Ralf Vielhaber über eine traurige Entwicklung, die an der US-Elite-Uni Harvard gerade wieder „Schule" macht.
Zum Seitenanfang