Börse: Märkte an der Wegscheide – Unsicherheit bleibt hoch
Widersprüchliche Aussagen im alles beherrschenden Zollthema lassen Anleger und Investoren erneut vorsichtig agieren. Die Unsicherheit an den Börsen bleibt hoch. Dies zeigt sich an der hohen Volatilität. Tagesschwankungen von mehr als 1.000 Punkten im Dow Jones scheinen derzeit eher die Regel als die Ausnahme und bieten zwar kurzfristig agierenden Tradern gute Chancen auf schnelle Handelsgewinne, sind für langfristig agierende Anleger jedoch eher kontraproduktiv.
Die aktuelle Meldungslage im Zollkonflikt ist undurchsichtig. Zunächst hieß es, Donald Trump erwäge eine Senkung der hohen Zölle auf chinesische Importe und die Zölle könnten in einigen Fällen um mehr als die Hälfte reduziert werden. Später betonte die Pressesprecherin von Donald Trump jedoch, es werde keine einseitige Senkung der Zölle geben. Auch äußerte US-Finanzminister Scott Bessent Zweifel am Zustandekommen einer zügigen Lösung im Handelskrieg zwischen Washington und Peking. Trump selbst stellte dagegen einen fairen Deal mit China in Aussicht. So viel widersprüchliches Hin und Her müssen die Märkte erst einmal verdauen.
Fed-Chef unter Druck
Zu Wochenbeginn setzte Trump dann die US-Börsen noch mit Spekulationen über ein vorzeitige Ende der Amtszeit von Jerome Powell als Fed-Chef unter Druck. Erst als sich Trump letztlich doch zu Powell bekannte und betonte, dass er „nicht die Absicht“ habe, den Vorsitzenden der US-Notenbank vor Ablauf seiner Amtszeit zu entlassen, erholten sich die Börsen wieder.
Abseits des Durcheinanders im Zollstreit zeigt der offizielle Wirtschaftsbericht der Fed, das sogenannte Beige Book, inzwischen Anzeichen einer Stagflation, also einer Wachstumsverlangsamung der US-Wirtschaft bei zugleich steigendem Inflationsdruck. Demnach sind die Preise für Waren und Dienstleistungen zuletzt auf ein 13 Monatshoch gestiegen. Insgesamt spricht das Beige Book von einer fragilen wirtschaftlichen Gesamtlage, was angesichts der aktuellen Zollunsicherheiten nicht verwunderlich ist.
Keine Zinssenkungen zu erwarten
Zinssenkungen dürfte es in diesem Umfeld jedoch so schnell nicht geben. Laut CME-FedWatch Tool rechnet der Markt mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 94% mit unveränderten Leitzinsen beim Fed-Meeting Anfang Mai (7.5.25). Den Börsen scheint nach ein paar Tagen Zwischenerholung nun bereits wieder die Luft auszugehen. Der Dow Jones hat als nächsten technischen Widerstand die Marke von 40.800 Punkten vor der Brust. Im S&P 500 hellt sich die Lage ab 5.500 Punkten wieder etwas stärker auf.
Auf der anderen Seite beobachten Charttechniker eine charttechnische Umkehrformation in den US-Aktienindizes. So deutet das sogenannte „Death-Cross“ (Todeskreuz) auf die Gefahr eines längeren Abschwungs hin. Dieses entsteht, wenn ein wichtiger langlaufender Durchschnitt (200-Tage-Linie) einen wichtigen Mittelfristdurchschnitt (50-Tage-Linie) von oben nach unten schneidet. Bei den drei Wall Street-Indizes war dies Anfang April der Fall.
DAX in guter Verfassung
Der DAX ist in technisch besserer Verfassung und konnte sich zuletzt sogar wieder über die Marke von 22.000 Punkten berappeln und damit über die 50-Tage-Linie steigen. Doch nach einem Anstieg von rund 16% seit den Tiefs von Monatsbeginn wächst auch hier die Wahrscheinlichkeit für Gewinnmitnahmen.
Fazit: Die Unsicherheit an den Börsen bleibt hoch. Gut gelaufene Positionen können in der Zwischenrally (Bärenmarkt-Rally) abgegeben oder via StoppLoss abgesichert werden. Generell erfordert das aktuelle Marktumfeld viel Aufmerksamkeit und Flexibilität.