Bundesbank: Kapitalmarktunion wird Wettbewerbsfähigkeit stärken
Die EU-Kommission hat für Juli ihren Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit des Europäischen Bankensystems angekündigt, die Deutsche Bundesbank drängt vorab auf eine schnelle Vollendung der Kapitalmarktunion. „Dadurch entstehen deutliche Größenvorteile, etwa bei Wertpapieremissionen, M&A oder Vermögensverwaltungen." Das sagte Bundesbank-Vorstand Michael Theurer im Interview mit den FUCHSBRIEFEN. "Unsere Analysen zeigen, dass Europa dringend auf solche Kapitalmärkte angewiesen ist. Die Vollendung der Kapitalmarktunion hat deshalb hohe Priorität“, so Theurer weiter.
Die sogenannte E6-Gruppe - Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Polen und Spanien - drängt auf Tempo. Sie hatte sich im Mai 2026 auf sechs zentrale Prioritäten geeinigt, um die seit Jahren stockende Vollendung zu beschleunigen. Zu den wichtigsten Vorhaben zählen ein verringerter bürokratischer Aufwand bei der Kreditvergabe an Unternehmen, der Abbau grenzüberschreitender Hürden bei Insolvenzverfahren, Steuern und Rechnungslegung sowie die Stärkung der europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) für eine konsequentere Marktintegration und Aufsicht.
US-Banken haben Vorteile
Theurer sagte den FUCHSBRIEFEN: „Die höhere Profitabilität der US-Banken ist unter anderem auf einen integrierten Binnen- und Kapitalmarkt zurückzuführen.“ Ein harmonisierter Binnenmarkt würde, wie in den Berichten von Ex-EZB-Chef Mario Draghi und dem ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Enrico Letta beschrieben, erhebliche Wachstumsimpulse auslösen. Dies sei umso wichtiger, da die EU in der vergangenen Dekade im Vergleich zu den USA wirtschaftlich kontinuierlich an Boden verloren habe, so der Bundesbankvorstand.
Die Vereinigten Staaten verzeichneten in diesem Zeitraum ein preisbereinigtes Wachstum von circa 40%. Die Europäische Union lag dagegen ein wenig über 20% und Deutschland sogar nur bei knapp 17%. Theurer: „Europa hat eine Wachstumsschwäche, die wir schnellstens überwinden müssen, wenn wir im internationalen Wettbewerb mithalten wollen.“
Fazit: Die Vollendung der Kapitalmarkt-Union ist ein wesentlicher Baustein, damit sich die Wettbewerbsfähigkeit europäische Finanzinstitute im Vergleich mit US-Banken verbessert. Auch mit Blick auf die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums in der EU muss die Kommission dringend handeln.
Hinweis: Das ganze Interview lesen Sie hier: https://tinyurl.com/4tjbu92s