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Geldpolitik

Die EZB verpasst den Zug

Die Europäische Zentralbank zögert und zaudert weiter, die Zinswende anzupacken. Sie kommt aber nicht umhin, die gute wirtschaftspolitische Lage im Euroraum festzuhalten. Nun steckt sie in der Klemme.
Die Europäische Zentralbank (EZB) steckt in der Klemme. Sie will Kurs halten und sich nicht drängen lassen. Schließlich hatte Mario Draghi im Sommer angekündigt, dass die Zentralbank „im Herbst“ über ihr Anleihenkaufprogramm entscheiden würde. Doch die Konjunktur in der Eurozone läuft rund, die Inflationsrate zieht an. Das BIP der Eurozone ist soeben wieder auf dem Stand von 2008 – vor dem Ausbruch der Finanzkrise. Eine Zahl, auf die die Märkte lange gewartet haben. Sie signalisiert „Normalisierung“.    Gleichzeitig läuft der Eurokurs davon. Bei Redaktionsschluss kostete der Euro mehr als 1,20 Dollar. Verbal glaubwürdig dagegen zu halten, das funktioniert in dem jetzigen Wirtschaftsumfeld nicht mehr. Was wir an dieser Stelle schon vor Wochen erwarteten, zeigt sich damit immer deutlicher: Die Herren im Eurotower schauen dem fahrenden Zug bereits hinterher. Zwar hat EZB-Präsident Draghi durchklingen lassen, dass Maßnahmen zur Beendigung des lockeren Geldkurses auf der nächsten Sitzung im Oktober bekannt gegeben werden sollen. Aber die Entscheidung kommt spät, vielleicht zu spät.   Es wird bei einem anziehenden Eurokurs immer schwerer, die Kurve zu kriegen. Was will die EZB tun, wenn die Märkte den Euro in kurzer Frist bis auf 1,30 treiben? Umgekehrt: Wenn die Zinsen nicht bald ein wenig heraufgesetzt werden, steht die Notenbank im nächsten Abschwung nackt da.

Fazit: Die Märkte haben die geldpolitische Wende im Euroraum eingeleitet. Das 2008 begonnene Experiment geht in einen neuen Aggregatzustand über. Und das Gemisch ist durchaus explosiv. Lesen Sie mehr auf der Börsenseite.

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