Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-0
0,00 €
918
Wenn der Strom zu billig wird

Energiemarkt: Der Staat kommt zurück

Die Erneuerbaren Energien sollen immer größere Anteile des Strombedarfs decken. Doch je mehr es davon gibt, desto unrentabler werden Investitionen. Das bringt den Staat ins Spiel.
Der Energiemarkt steht vor einem Rollback. Der Staat könnte bald wieder zum zentralen Spieler und Monopolisten auf diesem, seit den 1980er Jahren privatisierten Markt werden. Denn die zunehmende Verbreitung der alternativen Energien führt zu einem paradoxen Ergebnis: Je mehr es davon gibt, desto unwirtschaftlicher wird die Energieerzeugung. Sonne und Wind sind im Überfluss vorhanden und haben so gut wie keine Betriebskosten. Wenn ein Angebot uneingeschränkt verfügbar ist, dann lässt sich dafür kein hoher Marktpreis durchsetzen. In Europa sanken die Großhandels-Strompreise von rund 80 Euro pro Megawatt-Stunde im Jahr 2008 auf jetzt 30-50 Euro. Investitionen in die Energieerzeugung werden vor diesem Hintergrund zunehmend unwirtschaftlich. Es sei denn, sie werden, wie bisher in Deutschland, hoch subventioniert. 2015 flossen weltweit 150 Mrd. Dollar (141 Mrd. Euro) staatliche Unterstützungsgelder in Erneuerbare, voran in den USA, China und Deutschland. Ein Kreislauf: Subventionen fördern den Einsatz erneuerbarer Energien. Erneuerbare Energien drücken die Strompreise. Das erhöht die Notwendigkeit einer finanziellen Unterstützung. Scheinbar ein Teufelskreis. Und: Je mehr Kunden ihre eigene Elektrizität generieren, desto weniger verbleiben den klassischen Versorgungsunternehmen, um Einnahmen zu erzielen. Das treibt sie aus dem Markt. RWE und ihr bisheriger Miteigentümer, die Stadt Essen, die den Ausstieg überlegt, lassen grüßen. Das Problem: Die benötigten Investitionssummen für eine alternative Energiewelt sind nach wie vor sehr hoch. 20 Billionen US-Dollar (18,86 Bio. Euro)würden benötigt, damit die Erneuerbaren innerhalb der kommenden 20 Jahre die Hälfte des zusätzlichen Energiebedarfs weltweit abdecken könnten. Diesen Betrag schätzt das Wirtschaftsmagazin Economist. Bislang erzeugen die Erneuerbaren erst 7% der Elektrizität weltweit. Zudem sind die klassischen Energielieferanten bisher unverzichtbar, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Sie sind dann die Lückenbüßer. Nur: Private Investoren finden sich dafür nicht mehr. Nur der Staat kann (und muss) es sich leisten, in eine Grundversorgung zu investieren, die unrentabel ist. Zum anderen wird er in Netze investieren müssen, die gigantische Strecken überwinden, um Regionen mit Flaute und unter Wolken aus Gegenden mit anderen Wetterverhältnissen mit erneuerbarer Energie zu versorgen, damit es nicht zum Blackout kommt. Umgekehrt könnte der Staat auf die Idee kommen, sich Teile der hohen Subventionen zurückzuholen. Sind die langfristigen Verträge mit den Pionieren der Alternativ-Energie-Ära erst erfüllt, werden diese überschüssigen Strom weiter in Netze einspeisen müssen. Das könnte dann Geld kosten, statt welches einzubringen.

Fazit: Mit klugen Technologielösungen allein wird sich das Paradoxon der Erneuerbaren nicht lösen lassen. Der Staat kommt zurück in seine alte Rolle am Energiemarkt.


Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Reduzierte Arbeitszeit ist kein Urlaub

Arbeitszeitverkürzung statt Urlaub geht nicht

Urlaub ist in jeder Beziehung was Besonderes, das meinte das Bundesarbeitsgericht (BAG) schon vor sechzig Jahren. Die Richter formulierten schon damals: „Das Interesse des Arbeitgebers sind gesunde und arbeitsfreudige Arbeiter". Diese Ideen verfolgen die Gerichte unverdrossen bis zum heutigen Tag.
  • Fuchs plus
  • LGT Bank (Österreich) AG, TOPS 2020: Beratungsgespräch

Fürstliche Beratung in Wien

Wer bei der elitären LGT – dem Family Office des Fürstenhauses von Liechtenstein – abgehobene Berater vermutet, die einen „kleinen" Studenten nicht ernst nehmen, der irrt sich. Wobei natürlich Studenten mit einem Vermögen von 1,5 Millionen Euro wahrscheinlich auch hier nicht die Norm sind. Tatsache ist, dass fachlich und menschlich beim Kontakt in Wien ziemlich viel richtig gelaufen ist.
  • Fuchs plus
  • Die Grünen bestimmen die politische Ausrichtung der Regierung

Der heimliche Mitregent

CO2-Steuer oder CO2-Bepreisung - was hilft besser bei der Reduktion ? © Picture Alliance
CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer dreht gerne politische Pirouetten. So ganz weiß man nie, wo sie in der Drehung anhält. Bei der CO2-Steuer vollführt sie gerade eine 180-Grad-Meinungswende. Wider besseres Wissen.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Aufwertung durch schwachen Euro

Interventionsgefahr beim Schweizer Franken

Der schwächelnde Euro wird zum Problem für den Schweizer Franken. Der Aufwertungsdruck wird die notenbank zum Handeln zwingen. Dazu kommt eine abkühlende Konjunktur.
  • Fuchs plus
  • Die großen Spekulanten haben sich eingedeckt

Silber stößt an einen Widerstand

Der Preis für das Edelmetall Silber ist bis knapp an die 16 Dollar-Marke geklettert. Hier muss der Preis jetzt einen Kurswiderstand überwinden, damit es weiter nach oben geht. Doch viele große Händler sind jetzt anders positioniert als vor einigen Wochen. Anleger sollten das beachten.
  • Fuchs plus
  • Der kurzfristige Aufwärtstrend ist noch intakt

Beim Kaffee konkurriert das Wetter mit der Technik

Die Kaffee-Ernte in Brasilien wird über die künftigen Preise entscheiden. Copyright: Pixabay
Beim Kaffee scheinen die Eindeckungskäufe spekulativ eingestellter Händler abgeschlossen. Sie trieben in den letzten Wochen den Kaffeepreis an. Doch nun zählen andere Faktoren.
Zum Seitenanfang