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Wenn der Strom zu billig wird

Energiemarkt: Der Staat kommt zurück

Die Erneuerbaren Energien sollen immer größere Anteile des Strombedarfs decken. Doch je mehr es davon gibt, desto unrentabler werden Investitionen. Das bringt den Staat ins Spiel.
Der Energiemarkt steht vor einem Rollback. Der Staat könnte bald wieder zum zentralen Spieler und Monopolisten auf diesem, seit den 1980er Jahren privatisierten Markt werden. Denn die zunehmende Verbreitung der alternativen Energien führt zu einem paradoxen Ergebnis: Je mehr es davon gibt, desto unwirtschaftlicher wird die Energieerzeugung. Sonne und Wind sind im Überfluss vorhanden und haben so gut wie keine Betriebskosten. Wenn ein Angebot uneingeschränkt verfügbar ist, dann lässt sich dafür kein hoher Marktpreis durchsetzen. In Europa sanken die Großhandels-Strompreise von rund 80 Euro pro Megawatt-Stunde im Jahr 2008 auf jetzt 30-50 Euro. Investitionen in die Energieerzeugung werden vor diesem Hintergrund zunehmend unwirtschaftlich. Es sei denn, sie werden, wie bisher in Deutschland, hoch subventioniert. 2015 flossen weltweit 150 Mrd. Dollar (141 Mrd. Euro) staatliche Unterstützungsgelder in Erneuerbare, voran in den USA, China und Deutschland. Ein Kreislauf: Subventionen fördern den Einsatz erneuerbarer Energien. Erneuerbare Energien drücken die Strompreise. Das erhöht die Notwendigkeit einer finanziellen Unterstützung. Scheinbar ein Teufelskreis. Und: Je mehr Kunden ihre eigene Elektrizität generieren, desto weniger verbleiben den klassischen Versorgungsunternehmen, um Einnahmen zu erzielen. Das treibt sie aus dem Markt. RWE und ihr bisheriger Miteigentümer, die Stadt Essen, die den Ausstieg überlegt, lassen grüßen. Das Problem: Die benötigten Investitionssummen für eine alternative Energiewelt sind nach wie vor sehr hoch. 20 Billionen US-Dollar (18,86 Bio. Euro)würden benötigt, damit die Erneuerbaren innerhalb der kommenden 20 Jahre die Hälfte des zusätzlichen Energiebedarfs weltweit abdecken könnten. Diesen Betrag schätzt das Wirtschaftsmagazin Economist. Bislang erzeugen die Erneuerbaren erst 7% der Elektrizität weltweit. Zudem sind die klassischen Energielieferanten bisher unverzichtbar, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Sie sind dann die Lückenbüßer. Nur: Private Investoren finden sich dafür nicht mehr. Nur der Staat kann (und muss) es sich leisten, in eine Grundversorgung zu investieren, die unrentabel ist. Zum anderen wird er in Netze investieren müssen, die gigantische Strecken überwinden, um Regionen mit Flaute und unter Wolken aus Gegenden mit anderen Wetterverhältnissen mit erneuerbarer Energie zu versorgen, damit es nicht zum Blackout kommt. Umgekehrt könnte der Staat auf die Idee kommen, sich Teile der hohen Subventionen zurückzuholen. Sind die langfristigen Verträge mit den Pionieren der Alternativ-Energie-Ära erst erfüllt, werden diese überschüssigen Strom weiter in Netze einspeisen müssen. Das könnte dann Geld kosten, statt welches einzubringen.

Fazit: Mit klugen Technologielösungen allein wird sich das Paradoxon der Erneuerbaren nicht lösen lassen. Der Staat kommt zurück in seine alte Rolle am Energiemarkt.


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