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Geopolitik – Ende des Ölzeitalters

Erneuerbare Energien verändern das weltweite Machtgefüge

Braunkohlekraftwerk Jaenschwalde © Picture Alliance
Die erneuerbaren Energien werden wegen ihrer geringen Kosten in den nächsten Jahren in fast allen Ländern die billigste Energiequelle sein. Damit verlieren die fossilen Energieträger Öl und Gas an Bedeutung. Das führt zu weitreichenden geopolitischen Veränderungen....

Der Siegeszug erneuerbarer Energien wird die Machtarchitektur weltweit grundlegend verändern. Bisherige Abhängigkeiten entfallen, immense Finanzmittel werden frei, andernorts brechen Einnahmequellen weg. Nicht in den nächsten fünf, aber schrittweise in den kommenden fünfzig Jahren. Vorausgesetzt, die technischen Hürden zur Speicherung und Nutzung Erneuerbarer lassen sich zu akzeptablen Kosten überwinden.

In Zukunft wird es nur wenige Staaten geben, die ihre benötigte Energie nicht weitgehend selbst erzeugen. Derzeit sind 80% aller Länder der Erde Energieimporteure. Erneuerbare Energien sind aber in fast jedem Land ausreichend verfügbar, im Gegensatz zu fossilen Energien. Sie könnten zur billigsten Energiequelle werden, wenn Anlagen- und Batteriekosten sinken.

Energieembargos nicht mehr möglich – Aufstiegschancen für Entwicklungsländer

Die Machtfaktoren der fossilen Energiewelt verlieren damit ihre Bedeutung. Ölembargos werden nicht mehr funktionieren. Die Rohstoffe, die für die Erneuerbaren benötigt werden, taugen nicht als Druckmittel, weil sie ersetzt werden können. Bisher sind alle Versuche, Preiskartelle für andere Rohstoffe als Erdöl zu bilden, gescheitert.

Die Kontrolle über Handelsrouten oder Ölleitungen verliert an Bedeutung. So etwa über Wasserstraßen wie die von Hormuz, die für den Öltransport immens wichtig ist. Oder die zahlreichen Öl- und Gaspipelines.

Die billige Erzeugung bietet Entwicklungsländern neue Chancen. Viele Staaten werden kein großes, nationales Netz aufbauen, sondern kleine, regionale Netze. Kleine Betriebe können mit einem Solarpanel versorgt werden. So kann mit geringen Investitionen die wirtschaftliche Entwicklung angekurbelt werden.

Alten Energieexporteuren drohen Unruhen und Aufstände – sie können ihre Sozialleistungen nicht mehr aufrechterhalten

Die Ölstaaten dagegen werden durch die Energiewende instabil. Libyen, Angola, die Republik Kongo und Süd-Sudan oder das ohnehin zerrüttete Venezuela haben kaum wirtschaftliche Alternativen zum Energieexport. In Russland, Iran, Algerien und den ölexportierenden ehemaligen südlichen Sowjetrepubliken beträgt der Anteil fossiler Rohstoffe am BIP zwar nur 15% bis 30%. Aber sie steuern ihre Wirtschaft bisher kaum um.

In vielen Ländern drohen Aufstände. Denn viele Ölstaaten legitimieren sich gegenüber ihren Bürgern mit großzügigen Sozialleistungen – voran Saudi-Arabien. Sparmaßnahmen infolge sinkender Öleinnahmen untergraben die Legitimität der jeweiligen Machthaber und können dann zu Unruhen und Revolutionen führen.

Auch der Nahe Osten wird instabiler

Für Europa ist das eine Quelle neuer Unruhen. Denn gerade die Länder des Nahen Ostens und Russland bauen ihren Wohlstand auf Öl. Zwar errichten sie mit den Öleinnahmen alternative Wirtschaftsbereiche wie Touristik oder Chemieindustrie. Aber selbst wenn sie erfolgreich sind, werden sie ihren Bürgern nicht mehr das bequeme Leben bieten können, wie es das Öl ermöglichte. Das könnte weitere Wanderungsbewegungen aus dieser Region nach Europa auslösen. Zugleich wird die Finanzierung von Militärausgaben (noch) schwieriger.

Fazit:

Die erneuerbaren Energien bedeuten für die meisten Länder eine größere Unabhängigkeit. Die Öl- und Gasförderländer werden dadurch aber instabiler, in vielen Ländern drohen Unruhen.

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