Gold: Paradoxe Preisentwicklung?
Der Goldpreis ist aus technischer Sicht schwer angeschlagen. Er pendelt aktuell zwischen 4.400 und 4.500 US-Dollar je Feinunze. Ein Rutsch unter dieses Kursniveau dürfte charttechnisch weitere Abgaben nach sich ziehen.
Beim näheren Blick auf die Goldpreisbewegungen wird ein interessantes Muster augenfällig. So fiel der Goldpreis in der vergangenen Woche kurzzeitig auf ein Zweimonatstief von weniger als 4.400 US-Dollar je Feinunze. Das war der Fall, als Zweifel an einer Annäherung zwischen den USA und dem Iran aufkamen. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Hoffnungen auf ein kurz bevorstehendes Abkommen zur Beendigung des seit gut drei Monaten anhaltenden Konflikts geschürt.
Paradoxe Goldpreisentwicklung?
Auf den ersten Blick klingt dies paradox. Gold müsste als sicherer Hafen eigentlich von Unsicherheit profitieren. Seit Beginn des Iran-Kriegs zeigt sich allerdings folgendes Bild: Wann immer sich die Lage im Mittleren Osten verschärft, gerät der Goldpreis unter Druck. Beruhigt sich die Lage, legte der Goldpreis zu.
Das Paradoxon wird dann aufgelöst, wenn man die Zinserwartungen an die Fed in die Gleichung einbezieht. Denn vor Beginn des Iran-Krieges rechnete der Markt mit Zinssenkungen der Fed um rund 50 BP in diesem Jahr. Seit Beginn des Krieges und des dadurch ausgelösten Ölpreisanstiegs kam es zu einer merklichen Verschiebung der Zinserwartungen.
Nein, eine verschobene Zinsperspektive
Die Fed Fund Futures implizieren aktuell einen US-Leitzins zum Jahresende von rund 3,8%. Bei einem effektiven Fed-Zins von gut 3,6% rechnet der Markt somit eher mit einer Zinserhöhung durch die Fed im Verlauf dieses Jahres. Bis Frühjahr 2027 ist eine Zinserhöhung um 25 BP vollständig eingepreist.
Höhere Zinsen machen das unverzinste Edelmetall unattraktiv(er). Zwar bleiben die strukturellen Preistreiber bei Gold - wie z. B. das schwindende Vertrauen in den US-Dollar als Reservewährung oder die stark steigende Verschuldung der Staaten - intakt. Doch kurzfristig könnte der Ölpreis-Effekt, sowie technische Faktoren zu einer Stimmungseintrübung und einem weiteren Preisverfall führen.