Iran: Steigende Ölpreise und keine Lösung in Sicht
Die Nervosität am Ölmarkt nimmt wieder zu. Der Preis der Nordsee-Ölsorte Brent verzeichnete ein Plus von 17%. Das war der stärkste Wochenanstieg seit Beginn des Iran-Krieges vor zwei Monaten. Mit 117,20 US-Dollar je Barrel kletterte der Preis auf den bislang höchsten Stand seit Beginn der Kampfhandlungen.
Der Grund: Die aktiven Kampfhandlungen sind zwar seit drei Wochen eingestellt (Waffenstillstand), doch die Straße von Hormus bleibt weiter geschlossen. Gespräche zwischen den USA und dem Iran finden derzeit nicht statt.
Sorgen auf dem Öl-Markt wachsen wieder
Durch die seit zwei Wochen bestehende Seeblockade der USA gegen den Iran hat sich die Situation sogar noch verschärft. Zudem dürfte ein neues Angebot des Iran zur Öffnung des Seeweges von den USA wohl kaum akzeptiert werden. Denn als Bedingungen verlangt der Iran die Beendigung der US-Blockade und die Verschiebung der Gespräche über das Atomprogramm auf einen späteren Zeitpunkt. Die Vorstellungen beider Kriegsparteien liegen weit auseinander. US-Präsident Trump hatte am Wochenende die Reise einer Verhandlungsdelegation nach Pakistan abgesagt.
Die Sorge vor einer länger anhaltenden Angebotsknappheit am Ölmarkt wächst daher wieder. Zu erkennen ist dies auch an der Ausweitung der Time-Spreads, also der Preisdifferenzen zwischen den verschiedenen Kontraktfälligkeiten entlang der Terminkurve. Zwischen dem nächstfälligen und dem im darauffolgenden Monat fälligen Brent-Terminkontrakt liegen aktuell wieder knapp 7 US-Dollar. Zwischen dem nächstfälligen und dem in sieben Monaten fälligen Terminkontraktr sind es sogar mehr als 20 US-Dollar. Das sind die höchsten Preisaufschläge für kurzfristig lieferbares Öl seit rund drei Wochen.
Energieversorger rechnen mit längerer Schließung der Straße von Hormus
Die Dallas-Fed hat eine Umfrage unter den Energieunternehmen ihres Distrikts veröffentlicht. Die zeigt ein mehrheitlich skeptisches Bild. Nur 20% der Befragten rechnen mit einer Öffnung der Meerenge im Mai und 39% im August. Der Rest geht von einem noch späteren Zeitpunkt aus. Die Mehrheit hält eine abermalige Schließung der Meerenge in den nächsten 5 Jahren für wahrscheinlich, knapp die Hälfte der Befragten sogar für sehr wahrscheinlich.