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Produktivität

Kein Wachstum ohne Deregulierung

Zu viel Bürokratieaufwand in den Büros der Unternehmen, sieht das DIW als Produktivitätssteigerung- und Wachstumshemmer. © Picture Alliance
Das Produktivitätswachstum ist für eine Volkswirtschaft sehr wichtig. Es führt zu steigendem Wohlstand und ermöglich damit steigende Löhne und höhere Sozialausgaben ohne höhere Abgaben. Seit Jahren forschen Volkswirtschaftler an den Ursachen der stagnierenden Produktivität. Das DIW zeigt nun, dass die Bürokratie ein grundlegendes Problem darstellt...

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht mit einer brisanten These an die Öffentlichkeit. Auf den Punkt gebracht sagen die Berliner Forscher: Die starke Regulierung und Bürokratisierung der Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten verhindert eine größere Produktivitätszunahme und Wirtschaftswachstum. Oder anders ausgedrückt: Nur mit Deregulierung sind neue Produktivitätsschübe zu erwarten. Denn die Produktivität ist eine wichtige Zahl in der Volkswirtschaft. Sie führt zu steigendem Wohlstand, ermöglicht steigende Gewinne, Lohnzuwächse und steigende Sozialausgaben ohne Abgabenerhöhungen.

Anteil an Akademikern steigt – aber nicht die Produktivität

Das Problem: Der Anteil an höher qualifizierten Beschäftigten wächst, aber er führt nicht zu steigender Produktivität. Der Anteil der Beschäftigungen in einem Unternehmen, die einen Hochschulabschluss erfordern, steigt stetig. 1984 waren es 10% der Tätigkeiten. 2017 war es rund ein Drittel. Der Anteil der Arbeiten, die keine Qualifikation erfordern, sinkt demgegenüber. 1984 waren das 40%. In den letzten Jahren stagnierte der Anteil bei etwa 20%.

Eine parallele Zunahme beider Faktoren ist die Erwartung der Volkswirtschaftler. Paradox: In den siebziger Jahren wuchs die Produktivität mit etwa 4% jährlich. In den vergangenen acht Jahren war es weniger als 1% im Jahr.

Hochqualifizierte mit bürokratischen Aufgaben befasst – Deregulierung wird Wachstum ankurbeln

Der Grund: Die hoch Qualifizierten sind immer mehr mit Bürokratie beschäftigt. Für produktive Tätigkeiten bleibt immer weniger Zeit. Die Beobachtung: Parallel zum Rückgang des Produktivitätswachstum seit den siebziger Jahren steigt die Quote der Tätigkeiten im Management zur Anwendung von Gesetzen und Vorschriften. Der Anteil der bürokratischen Tätigkeiten nahm auch in Bereichen mit relativ hoher Produktivität wie der Industrie stetig zu. Hoch Qualifizierte Verwaltungsberufe machten dort 1996 nur 0,6% der Beschäftigten aus, 2016 waren es schon 3,1%.

Eine Deregulierung wird das Produktivitätswachstum wieder ankurbeln. Die Politik sollte sich bei allen Regelungen fragen, ob sie nötig sind, so das DIW. Wenn ja, sollte die Frage sein, wie die Regulierung möglichst einfach gestaltet werden kann. Das hält den Verwaltungsaufwand gering.

Aber auch die Unternehmen selbst haben unnötige Verwaltungsaufgaben eingeführt. Zu viele Mitarbeiter müssen Jahresberichte schreiben. Unklare und weit verteilte Verantwortlichkeiten führen zu endlosen Bearbeitungsvorgängen. Dies ist letztlich auch eine Folge der Auflösung von Hierarchien.

Fazit:

Auch wenn es nicht dem Zug der Zeit entspricht: Eine neue Deregulierungswelle ist nötig.

 

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