Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1048
1.000 Fußballfelder für die Windkraft

Umweltverbände im Clinch

Große Umweltverbände wie BUND, WWF oder das NGO Greenpeace befürworten den weiteren Ausbau der Windkraft an Land – trotz Vogelschlag und getöteter Fledermäuse. Sie sehen im Klimawandel die aktuell größte Bedrohung für die Tier- und Pflanzenarten. Andere Verbände halten dagegen. Sie schätzen die augenblicklichen Folgen für die Natur durch den Windkraftausbau als hoch ein. Und werfen den Befürwortern Parteilichkeit vor. Es ist die Entscheidung zwischen Teufel und Beelzebub.

Der Windkraftausbau bringt die Umweltverbände in die Zwickmühle. Sie müssen sich zwischen zwei Übeln entscheiden: Prognostiziertes Artensterben durch den Klimawandel später oder Tiersterben durch Windkraftanlagen jetzt.

Der Flächenbedarf von Natur- und Kulturraum wird riesig. Ein MW Energie „kostet" 0,056 km² an Fläche. Das entspricht beinahe acht Fußballfeldern (68m x 105m). Bis 2050 sollen neue Anlagen mit 126 GW Nennleistung zusätzlich an Land erbaut werden. Das braucht den Platz von ziemlich genau 935 Fußballfeldern. Bisher sind es 53 GW (rechnerisch 393 Fußballfelder) – das zeigt den erheblichen Umfang des Zubaus und die damit verbundenen Eingriffe in die Natur. BMVi und BMWi haben 10.000 km² an „geeigneten Flächen" (ohne Naturschutzgebiete und Siedlungen) für die Windkarft ausgewiesen.

Die Umweltverbände befürworten den weiteren Ausbau von Windkraft an Land – trotz Vogelschlag und Flächenverbrauch.

Die in der Öffentlichkeit stark präsenten Verbände wie BUND, WWF und Greenpeace befürworten dennoch den Windkraftausbau. Ihre Erwartung: Bei einem ungebremsten Klimawandel rechnet der WWF mit dem Aussterben der Hälfte der Tier- und Pflanzenarten bis zum Jahrhundertende. Bei Einhaltung des 2°-Ziels immer noch damit, dass jede vierte Art zugrunde geht. Wie valide solche Prognosen sind, sei dahingestellt.

Windkrafträder seien keine Gefahr für den Bestand ganzer Arten. Denn vor dem Bau jeder Anlage muss deren Verträglichkeit für den umgebenden Naturraum geprüft werden. Auch wenn sich „nie zu 100% ausschließen lässt, dass einzelne Tiere dabei zu Schaden kommen", sagt Henrik Maatsch, Referent für Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland auf Anfrage von FUCHSBRIEFE.

Umweltverbände sind sich nicht einig. Kritische Stimmen sehen schwerwiegende Folgen.

Es gibt allerdings auch deutlich kritischere Stimmen in der Umweltschutz-Szene. Die Deutsche Wildtierstiftung sieht im Ausbau der Windenergie „eine Gefahr für zahlreiche Wildtiere". In Deutschland fielen den Windkraftanlagen schon heute im Jahr bis zu 250.000 Fledermäuse und über 12.000 Greifvögel zum Opfer. Alle in Deutschland heimischen Fledermausarten stehen mittlerweile auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Der NABU kritisiert die häufige Missachtung des Artenschutzes bei der Genehmigung von Windkraftanlagen insbesondere in Brutrevieren des seltenen Schreiadlers.
Der NABU mutmaßt, dass immer wieder „Konflikte mit Artenschutzrecht bewusst verschleiert" würden. In den für Windparks geeigneten Hochlagen finden sich vielfach wertvolle, alte und naturnahe Waldbestände. Sie sind laut Wildtierstiftung ein Garant der biologischen Vielfalt. Seit 2010 hat sich laut Bundesverband Windenergie die Anzahl an Windenergieanlagen im Wald innerhalb Deutschlands versiebenfacht.
Die Wildtierstiftung fährt daher auch schweres Geschütz gegenüber den Befürwortern des Ausbaus auf. Sie nutzten das ihnen zur Verfügung stehende Einspruchs- und Klagerecht im Konflikt zwischen Windkraft und Naturschutz unzureichend. Sie müssten daher im Hinblick auf ihr Verbandsklagerecht überprüft werden.

Fazit

Der Windkraftausbau an Land muss mit heftiger Gegenwehr rechnen. Auch wenn sich die großen NGOs im Naturschutz auf eine „Mainstreamhaltung" verständigt haben.

Meist gelesene Artikel
  • Im Fokus: Bidens Konjunkturpaket

Billionen für die US-Wirtschaft

Jetzt wird in den USA der Konjunktur-Turbo angeschmissen. In den nächsten acht Jahren will US-Präsident Joe Biden weitere Billionen in die US-Wirtschaft investieren. Insbesondere Infrastruktur-Ausgaben sind im "American Jobs Act" geplant und es gibt zahlreiche Profiteure.
  • Fuchs plus
  • Von der anziehenden Container-Nachfrage profitieren

Mietrendite auf den Weltmeeren

Per Container-Investment von der anziehenden Container-Nachfrage profitieren. Copyright: Pexels
Die dicken Frachter fahren wieder über die Weltmeere. Anleger können mit einem Container-Investment davon profitieren. Das verspricht gute Renditen. Angesichts der anziehenden Konjunktur, sind Ausfälle unwahrscheinlich.
  • Fuchs plus
  • Währungs-Wochentendenzen vom 9.4. - 16.4.

Rücksetzer für den US-Doller

Die Fed schwächt den Dollar und macht erneut deutlich, dass die Notenbank die Inflation ein gutes Stück laufen lassen möchte. Vor dem Hintergrund wird ein Blick auf die Dollar-Brüder interessant.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • ActivTrades

Neukunden werden allein gelassen

Wie schlägt sich ActivTrades im FUCHS-Broker Test 2021? Copyright: Verlag Fuchsbriefe
ActivTrades, der Name klingt nach viel Dynamik. Allerdings wird diese Erwartung schwer enttäuscht. Auch wenn das Angebot des Brokers im Grunde gut ist; interessierte Trader werden beim "onboarding" schlicht nicht betreut oder begleitet.
  • Fuchs plus
  • Scheidung mit fiskalischen Tücken

Nur bei Ehe Anspruch auf Steuerbefreiung

Wenn im Zuge einer Scheidung noch ein paar gütliche Regelungen getroffen werden, ist das gewöhnlich im Sinne aller Beteiligten. Die Einigung über ein gemeinsames Haus gehört dazu. Doch auch hier mischt der Fiskus mit und kann Forderungen stellen, wenn es sich um eine Partnerschaft aber keine Ehe handelte.
  • Fuchs plus
  • Zunehmende Spannungen in Südafrika

Wenige Chancen für den Rand

Südafrika hatte zuletzt einige gute Daten geliefert. Die Perspektiven bleiben aber negativ, weil die Chancen auf eine nachhaltige Besserung immer schwächer werden. Die Politik ist zu den dringend benötigten Reformen nicht mehr in der Lage.
Zum Seitenanfang