2026: Weniger Turbulenzen, mehr Chancen für Investoren
Die im Herbst anstehenden Zwischenwahlen in den USA (Midterm) könnten die Machtverhältnisse in Washington drehen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit übernehmen die Demokraten das Repräsentantenhaus. Das würde Trumps Handlungsspielraum massiv einschränken. Sein Einfluss auf die Republikaner schwindet, moderatere Kräfte gewinnen an Gewicht.
Handelspolitik: Rücknahme von Zöllen
Trump dürfte einige seiner zollerhöhenden Maßnahmen zurücknehmen, um die Inflation zu dämpfen und die Wahlchancen der Republikaner zu retten. Erste Schritte sind erfolgt, weitere folgen wahrscheinlich. Ein Urteil des Supreme Court könnte zusätzliche Zölle kippen. Das bedeutet: weniger Handelskonflikte, mehr Stabilität für die Weltwirtschaft.
Konjunktur: Rückenwind für Verbraucher und Unternehmen
Der Brent-Preis liegt deutlich niedriger als 2024, was Energie- und Transportkosten senkt. In der Eurozone bleibt die Inflation unter Kontrolle, Einkommen steigen schneller als Preise. In Großbritannien dürfte die Inflation 2026 stark sinken. Fed und Bank of England lockern weiter, was die Nachfrage stützt.
Europa: Ukraine-Hilfe und Investitionen
Europa finanziert die Ukraine für zwei weitere Jahre. Eurobonds sind dafür das Instrument der Wahl. Die Märkte begrüßen es, politisch ist es ein weiteres gebrochenes Versprechen im Rahmen der Euroeinführung. Vertrauen in die Glaubwürdigkeit von Politik und demokratischer Institutionen sinkt weiter. Deutschland investiert mehr in Infrastruktur, Verteidigung und Digitalisierung, auch wenn die Reformgeschwindigkeit ausgesprochen moderat bleibt.
Unsicherheitsfaktor: Nachfolge von Fed-Chef Powell
Ein großer Risikopunkt für 2026 ist die mögliche Ernennung von Kevin Hassett, Trumps oberstem wirtschaftspolitischen Berater, zum Fed-Chef. Fachlich ist er geeignet, doch seine Nähe zu Trump birgt die Gefahr politisch motivierter Zinsentscheidungen. Hassett betont zwar, sich strikt an makroökonomische Daten zu halten und die Unabhängigkeit der Fed zu wahren. Ob er diesem Anspruch unter politischem Druck gerecht wird, bleibt offen – und wird für die Märkte ein zentrales Thema.
Fazit: 2026 bringt weniger Turbulenzen als befürchtet. Niedrigere Energiepreise, stabile Inflation und lockere Geldpolitik schaffen Chancen. Handelsrisiken nehmen ab, Europa bleibt verlässlich. Aber: Die Fed-Nachfolge könnte Unsicherheit bringen. Wer investiert – in Digitalisierung, Infrastruktur und neue Märkte – nutzt den Rückenwind, sollte aber den US-Dollar im Blick behalten.