Beruhigung auf dem Devisenmarkt
Die Normalisierung des Ölpreises dürfte das 3. Quartal bestimmen. Die Zinssorgen verflüchtigen sich, die Konjunktur wird anspringen und die Rohstoffwährungen werden nachgeben.
Der Iran-Krieg und seine Folgen haben den Euro massiv belastet. Seit die Bomben am Persischen Golf fallen, ist auch der Euro um 3,2% auf zuletzt 1,1432 US-Dollar gefallen. Der Greenback profitierte nicht allein von seiner Rolle als sicherer Hafen, sondern vor allem von der Tatsache, dass die USA ein Netto-Exporteur von Öl sind. Während die Eurozone für Öl und Gas deutlich mehr auf den Tisch blättern musste, sprudelten bei den US-Ölkonzernen die Petrodollar.
In den zurückliegenden Wochen ist der Ölpreis jedoch kräftig gefallen und notiert mittlerweile unter Vorkriegsniveau. So kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent am gestrigen Donnerstag gerade einmal 71,80 US-Dollar. Vor dem Krieg waren es 72,48 Dollar gewesen. Dagegen wurde Öl im zweiten Quartal lange über 100 Dollar gehandelt. Mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die deutsche Konjunktur.
Norwegische Krone fällt zurück
Da weder die USA, noch der Iran an einer erneuten Eskalation interessiert sind, dürfte Öl auch im dritten Quartal im grünen Bereich notieren. Als Folge davon dürfte der Dollar gegenüber dem Euro nachgeben.
Diese Entwicklung hat die Norwegische Krone bereits vorgemacht. Da Norwegen der größte Ölexporteur in Europa ist, profitierte die Krone ebenfalls vom hohen Ölpreis. So stürzte der Euro vom 27. Februar bis zum 21. Mai von 11,2316 Kronen auf 10,7294 Kronen ab. Nachdem der Ölpreis eingebrochen ist, normalisierte sich die Situation und am Donnerstag mussten für einen Euro schon wieder 11,2617 Kronen gezahlt werden. Der Höhenflug der Rohstoffwährungen dürfte damit im dritten Quartal beendet sein.
Weitere Zinserhöhungen unwahrscheinlich
Der gesunkene Ölpreis sorgt auch für eine Entspannung bei den Zinsen. Die hohen Energie- und Rohstoffpreise haben eine Inflationswelle ausgelöst. Diese stieg beispielsweise in der Eurozone bis zum Mai auf 3,2%. Nach längerem Zögern sah sich die EZB schließlich Mitte Juni gezwungen, ihren Leitzins von 2 auf 2,25% anzuheben.
Viele Marktteilnehmer hatten noch im Juni mit bis zu zwei weiteren Zinsschritten zu je 25 Basispunkten bis Jahresende gerechnet. Doch mit dem drastischen Einbruch des Ölpreises ist dieses Szenario Geschichte. Statt weiter zu steigen, fiel die Inflation in der Eurozone im Juni auf 2,8%. Angesichts des niedrigen Ölpreises ist hier mit einer weiteren Normalisierung zu rechnen. Somit wird der Leitzins im dritten Quartal in der Eurozone bei 2,25% und voraussichtlich auch in den USA bei 3,5 bis 3,75% verharren. Die turbulenten Zeiten an den Devisenmärkten sollten vorerst vorüber sein.
Zeit des billigen Geldes in Japan passé
Etwas anders sieht es in Japan aus. Erst kürzlich hat die Bank of Japan ihren Leitzins auf 1% angehoben. Klingt nach wenig, ist aber der höchste Wert seit 1995. Marktbeobachter befürchten, dass damit die Zeit des billigen Geldes in Japan zu Ende geht. Dies dürfte weltweite Auswirkungen haben, denn viele Investoren haben sich günstig in Japan verschuldet, um anschließend anderswo mehr Geld zu verdienen, was als Carry Trade bekannt ist.
Fazit: Wer in US-Dollar oder die klassischen Rohstoffwährungen investiert ist, sollte über einen Ausstieg oder Absicherungsgeschäfte nachdenken. Spekulationen auf steigende Zinsen in Europa sind aus unserer Sicht nicht mehr sinnvoll.