Brasilien: Inflation rauf, Leitzins runter
Der Iran-Konflikt drückt auch am Zuckerhut auf die Stimmung. Der Energiepreisanstieg raubt den Verbrauchern Kaufkraft und belastet die Konsumlaune. Dennoch sehen wir gute Möglichkeiten, in Brasilien zu investieren.
Im Mai stieg die Teuerung auf 4,72% und legte damit das dritte Mal in Folge zu. Ob sich das Friedensabkommen zwischen den USA und Iran mittelfristig energiepreisbremsend erweist, bleibt abzuwarten. Die Lieferengpässe durch die geschlossene Straße von Hormoz wirkten auch in den Berichtsmonat. Die Energiepreise zogen nach einem Plus von 8,8% im Vormonat um weitere 8,9% an. Die gestiegenen Energiepreise haben sich auch auf alle anderen Subkategorien preistreibend ausgewirkt. Lediglich Transport- und Ausbildungsdienstleistungen gaben im Preis nach.
Hohe Inflationserwartungen
Auch die Inflationserwartungen sind hoch. Die Dynamik der Inflationsentwicklung legt die Erwartung weiter anziehender Preise nahe. Auch wenn zwischenzeitlich die Energiepreise als Treiber wegfallen sollten, dürfte sich die dadurch entfachte Inflation in der Vorproduktion verstetigen.
Das Inflationsziel der Notenbank von 3% (plus/minus 1,5%) dürfte in immer weitere Ferne rücken. Die Währungshüter erwarten für das laufende Jahr einen Preisauftrieb von 5,3% und für nächstes Jahr immerhin von 4,1%. Sehr wahrscheinlich liegen diese Schätzungen aber noch zu tief. Dennoch führt die Notenbank den im März begonnenen Zinssenkungszyklus fort. Sie senkte den Leitzins zuletzt um 25 Basispunkte auf 14,25%. Die Geldhüter stützen so die Konjunktur, obwohl sie Inflationsdruck konstatiert.
Konjunktur noch robust
Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft um 1,8%. Die Arbeitslosenrate legte dennoch auf 5,8% zu. Dennoch klettert das Lohnniveau weiter. Die monatlichen Durchschnittslöhne stiegen von 3.719 Real (umgerechnet circa 630 Euro) auf 3.732 Real (circa 633 EUR).
Mit den Einzelhandelsumsätzen ging es zuletzt dennoch um 1,5% nach unten. Der Rücksetzer erfasste nahezu alle Sektoren. Dies dürften die Nachwehen des Energiepreisanstiegs der zurückliegenden Monate sein. Konjunkturelle Vorlaufindikatoren zeigen eine weitere Abschwächung an.
Hoher Real-Zins zieht Kapital an
Sowohl die Einkaufsmanager des herstellenden Gewerbes wie auch der Dienstleister zeigten sich in ihrer jüngsten Umfrage verhalten. Die Produzenten rutschten mit 49,1 Zähler sogar unter die Expansionsschwelle. Der Dienstleistungssektor lag mit 50,4 knapp darüber.
Realzins und Zinsdifferenz wirken wie ein Magnet und schieben den Real an. Bond-Fans kommen am Zuckerhut auf ihre Rendite. Mit der Tripple-A-Anleihe der IBRD fällt das Emittentenrisiko relativ gering aus. Die Anleihe läuft bis zum 09. Februar 2029 und offeriert einen Kupon mit 9,5%, der jährlich am 09. Februar fällig wird. Bei einem Kurs von 91,39% rentiert die Anleihen effektiv mit 13,58%.