Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-0
0,00 €
714
Die Türkei hat die Krise noch nicht überwunden

Der Schein trügt

Die Türkei hat ihre Krise noch nicht überwunden.
Die türkischen Wirtschaftsdaten lieferten zuletzt wieder postivere Signale. Das verleitet schnell zu der Annahme, dass die türkische Rezession überwunden wurde. Doch das ist eine Fehleinschätzung. Fundamental ist die Türkei noch nicht auf dem Weg der Besserung.

Formal hat die Türkei im 2. Quartal die Rezession überwunden. Der preis- und saisonbereinigte Zuwachs lag bei 1,2% ggü. Vorquartal. Diese gute Nachricht sollte aber mit Vorsicht bewertet werden. Denn das Plus könnte sich leicht als Ausreißer erweisen. Zunächst bleibt festzuhalten, dass der Vergleich mit dem Vorjahresquartal einen Rückgang um 1,5% ergibt – zum dritten Mal in Folge. Zudem hat sich in den letzten Quartalen auch für die Türkei das internationale Umfeld fühlbar verschlechtert. Der wichtige Absatzmarkt EU stagniert, weil die bisherige EU-Export-Lokomotive Deutschland nicht mehr zieht. Derzeit liefern die stärker auf die Binnennachfrage orientierten Länder wie Frankreich expansive Impulse innerhalb der EU. Der US-chinesische Handelskriegs tut sein Übriges.

Es kommt also nicht von ungefähr, dass der Einkaufsmanager-Index für die verarbeitende Industrie der Türkei unter der Expansionsschwelle bleibt (48 Punkte). Die Schrumpfung geht weiter. Die Verbesserungen bestehen eben darin, dass das Tempo der Rückgänge bei den harten Daten wie Produktion und Auftragseingang sich etwas verlangsamt hat. Die Richtung nach unten ist aber unverändert. Allein die Stimmung hat ins Positive gedreht. Angesichts der globalen Schrumpfung der Industrie (USA, Eurozone, Japan – überall ist die Industrie auf dem Rückzug) dürfte es schwer fallen, den neuen Optimismus mit zusätzlichen Auftragseingängen und Umsätzen zu untermauern. Die türkische Industrieproduktion ist seit September 2018 in jedem Monat (im Jahresvergleich) gefallen.

Ein Blick in die großen Nachfrageblöcke zeigt, dass der Krisenherd vor allem im nun bereits vier Quartale in Folge anhaltende Rückgang der Unternehmens-Investitionen liegt. Zuletzt gab es sattes Minus von 22,8% ggü. Vj. Dieses Minus ist außerordentlich plausibel aufgrund der hier schon mehrfach thematisierten Finanzierungsstruktur der türkischen Unternehmen. Die jüngsten Daten des IIF ergeben einen Anteil der Währungskredite (Dollar und Euro) an den Gesamtverbindlichkeiten der Unternehmen von fast 60%. Schon die etwa 10% Abwertung der Lira (bzw. entsprechende Aufwertung der Fremdwährung) seit Anfang des Jahres erhöht das Gewicht der Schulden fühlbar zulasten des Eigenkapitals. Ganz zu schweigen von den 33% Abwertung seit Anfang 2018.

Fazit: Finger weg von den türkischen Titeln, die Trendwende zum Besseren hat trotz der jüngsten Zahlen noch nicht stattgefunden.

Meist gelesene Artikel
  • USA | Finanzmärkte

Es knirscht mächtig im Gebälk

Die Dollar-Lücke im Finanzsystem ist um 40% größer als zum Lehman Crash. @Picture Alliance
Der momentan spürbare Druck im Finanzsystem lässt sich nicht durch die kurzfristigen Belastungen erklären. Die Gründe bleiben diffus. Eine erneute Finanzkrise wie 2007/8 scheint möglich...
  • Fuchs plus
  • Integrität von Menschen leicht angreifbar

Gefährliche Gesichtserkennungs-App

Gesichtserkennungssoftware wird nicht nur von Behörden und Geheimdiensten gerne benutzt. Sie hat auch privat einen hohen Spaßfaktor. Insbesondere, wenn sich den erkannten Personen anderen Gesichter überstülpen lassen. Doch dann hört der Spaß auch schnell auf. Eine Software aus China landete selbst in Peking beinahe auf dem Verbotsindex.
  • Fuchs plus
  • Asiatische Staaten schließen sich zum weltweit größten Binnenmarkt zusammen

Ein neuer Maßstab für den Freihandel entsteht

Europa steigt ab zu einer Regionalmacht. Copyright: Pixabay
RCEP – hinter dieser nichtssagenden Abkürzung steckt ein gewaltiges Vorhaben. In Asien entsteht unter diesem Kürzel der größte Binnenmarkt der Welt. Am Montag wollen die 16 beteiligten Staaten die Verhandlungen beenden. Das ist gut für den Welthandel. Aber auch für Europa und den Euro?
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • ficon Börsebius Invest GmbH, TOPS 2020: Beratungsgespräch

Echter Mehrwert für den Kunden

Kleine technische Tücken auf der Website und ein etwas einseitiges Telefonat sorgen für einen holprigen Start. Doch ficon gelingt es, das Ruder herumzureißen und unsere anfängliche Skepsis nicht nur zu zerstreuen, sondern uns auf ganzer Linie zu überzeugen, dass wir uns und unser Vermögen hier gut betreut wissen dürfen. Expertise, Effizienz und individuelle Beratung – all das ist hier gegeben und macht das Gesprächserlebnis zu einer angenehmen Erfahrung.
  • Fuchs plus
  • ficon Börsebius Invest GmbH: Wissenswertes TOPS 2020

Veteran unter den Bankenunabhängigen

Wer mehr über ficon erfahren möchte, muss ein wenig recherchieren, denn das Haus selbst erzählt auf seiner Website nicht allzu viel über sich. Externe Quellen wie der Verband unabhängiger Vermögensverwalter bringen etwas Licht ins Dunkel und vermitteln das Porträt eines kleinen, aber seit fast 30 Jahren erfolgreichen Hauses, bei dem auch Inhaber kleinerer Vermögen individuell betreut werden.
  • Fuchs plus
  • Sorge vor knappem Angebot

Der Kakaopreis schießt nach oben

Kakaobohnen werden knapp. Und prompt schießt der Preis für den Rohstoff nach oben. Ist das nur ein Ausreißer?
Zum Seitenanfang