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Powell tut gut daran abzuwarten – die Tendenz geht zu steigenden Zinsen

Der Schein trügt: US-Zinssenkung wäre riskant

Trotz politischem Druck und kurzfristiger Inflationspausen spricht vieles dafür, dass die US-Notenbank unter Jerome Powell an ihrem vorsichtigen Kurs festhält – und mittelfristig sogar wieder über Zinserhöhungen nachdenken muss. Denn die strukturellen Trends sprechen für einen erneuten Inflationsauftrieb.

Die US-Wirtschaft sieht sich derzeit mit einem Mix aus externen Schocks und internen Gegenkräften konfrontiert. Der jüngste Einbruch der Wirtschaftsleistung um 0,3% im ersten Quartal ist vor allem auf den massiven Vorzieheffekt von Importen vor Inkrafttreten neuer Zölle zurückzuführen. 

Allein der Außenhandel belastete das Wachstum um fünf Prozentpunkte. Gleichzeitig sind die Frachtraten und Volumina aus China stark eingebrochen – ein direkter Effekt von Strafzöllen von bis zu 145%. Doch diese Schwächephase ist kein Zeichen für eine beginnende Rezession, sondern vielmehr Ausdruck temporärer Verzerrungen, wie die Fed selbst einordnet.

Inflationsdynamik: Kurze Verschnaufpause oder nächste Welle?

Auch bei der Inflation zeigt sich ein zwiespältiges Bild. Der PCE-Index, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, stagnierte im März, was die Jahresrate auf 2,3 % drückte – eine scheinbar positive Entwicklung. Doch der Rückgang ist größtenteils auf einen einmaligen Einbruch der Benzinpreise zurückzuführen, der sich rasch umkehren könnte. Gleichzeitig wurden die Werte der Vormonate nach oben korrigiert. Die Kerninflation liegt mit 2,6 % weiterhin oberhalb des Fed-Ziels.

Noch beunruhigender: Die prognostische Inflationsmessung des „Economist“ zeigt, dass die Preisdynamik breiter gestreut ist als zuvor. Bis vor kurzem lag der vorausberechnete Inflationswert bei 3,3 %. Nach dem März-Rückgang zwar nur noch bei 2,6 %, aber mit erneuter Aufwärtsgefahr ab Ende Mai, wenn Trumps neue globale Zölle auf Importe greifen. Die sogenannte „Excess Concentration“ – eine Messgröße für die Breite der Preisanstiege – deutet darauf hin, dass sich Inflation zunehmend gleichmäßiger über viele Güter verteilt, was sie tendenziell langlebiger und schwerer bekämpfbar macht.

Powells Kurs, Abwarten, ist richtig – Zinssenkung wäre voreilig

Angesichts dieser Lage tut FED-Chef Powell gut daran, auf Zeit zu spielen. Die Kombination aus struktureller Unsicherheit durch die Handelspolitik, einem weiterhin robusten Arbeitsmarkt und latentem Inflationsdruck macht eine Zinssenkung derzeit nicht nur unnötig, sondern potenziell gefährlich. Die Fed sieht sich in einem Zielkonflikt: Sie muss einerseits die Preisstabilität sichern, andererseits die Beschäftigung stützen – und darf dabei nicht durch vorschnelles Handeln neue Risiken schaffen.

Markterwartung: Geduld statt Lockerung

Auch die Finanzmärkte stellen sich auf eine Zinspause ein. Zwar preisen Terminmärkte erste Senkungen für den Sommer ein. Doch die Mehrheit rechnet derzeit mit keiner Bewegung bis Juli. Und ob es danach tatsächlich zu Senkungen kommt, hängt stark davon ab, wie sich die Inflation unter dem Einfluss der neuen Zölle entwickelt. 

Sollte sich der Preisauftrieb verstetigen, wird die Fed gezwungen sein, wieder in Richtung Zinserhöhungen zu denken – ein Szenario, das derzeit kaum jemand auf dem Radar hat, aber zunehmend plausibel erscheint.

Fazit: Jerome Powell verfolgt zurecht eine vorsichtige Strategie – alles andere wäre fahrlässig. Die vorübergehende Entspannung bei den Preisen ist brüchig. Strukturelle Belastungen wie Zölle und gleichmäßiger Preisdruck deuten auf eine mögliche nächste Inflationswelle hin. Die Notenbank sollte sich daher nicht auf einen Lockerungspfad festlegen – im Gegenteil: Die Zinsrichtung bleibt offen, mit steigender Tendenz. Wir erwarten somit einen wieder festeren US, der in Richtung 1,10 zum Euro geht.
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