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Brasilien ist gefangen

Der ungelöste Polit-Konflikt bremst das Wachstum

Das Wachstum in Brasilien flacht ab. Copyright: Pixabay
Der IWF revidiert seine extrem skeptische Prognose für Brasilien am aktuellen Rand. Die Projektion zeigt aber einen überraschend flachen Wachstumspfad bis 2025 und eine steil anziehende Staatsverschuldung. Das kommt nicht von ungefähr.

Der IWF revidiert seine extrem skeptische Einschätzung Brasiliens, wie sich aus der Vorabmeldung zum ausstehenden Artikel IV-Report ergibt. Demnach soll das BIP „nur“ um 5,8% statt der mit dem Update zum Globalen Ausblick (WEO) prognostizierten 9,1% schrumpfen. Allerdings wird die Rückkehr zum Niveau vor der Krise wohl bis 2023 dauern. Denn die Projektion des Wachstumspfads für 2021 bis 25 fällt ausgesprochen flach aus. Statt der im Juni genannten 3,6% soll es im kommenden Jahr nur noch um 2,8% und danach mit 2,3% sowie 2,2% für 2023/25 weiter nach oben gehen.

Die Analysten aus Washington loben die “schnelle und substanzielle“ wirtschaftspolitische Reaktion der Regierung auf die Corona-Pandemie. Die Regierung erhöhte die finanzielle Ausstattung des Gesundheitssystems und die Unterstützung der regionalen und kommunalen Behörden und stützte die Wirtschaft mit staatlich garantierten Krediten sowie einer Art Kurzarbeitergeld um die Arbeitsplätze zumindest im formalen Sektor abzusichern.

Schuldenquote steigt steil an

Die Kehrseite dieser Politik ist Finanzierung. Die IWF-Projektion der Staatsschuldenquote (in % vom BIP) zeigt einen Anstieg von 55,7% für das letzte Jahr über 68,5% für das laufende auf 82,8% bis 2025 (Prognosehorizont). Das bringt wachsende Risiken mit sich. Brasilien ist unverändert auf Zuflüsse angewiesen. Nur mit ihnen kann es seine negative Auslandsposition und neue Leistungsbilanzdefizite durch Anleiheemissionen refinanzieren.


Das nötige Vertrauen der Investoren wäre wohl durch weitere Reformschritte herzustellen, die auf die Reform des Rentensystems folgen. Da bewegt sich aber nicht viel. Ursache sind politische Blockaden innerhalb des konservativen Lagers, weil die wirtschaftsliberale Reformpolitik des Wirtschaftsministers und Friedman-Schülers Paulo Guedes nicht nur den Einfluss von Gewerkschaften, sondern auch die Privilegien der etablierten Eliten in Frage stellt. Die wehren sich gegen jedwede Modernisierung. Der zunächst mit den linken Präsidenten Lula da Silva und Dilma Rousseff ausgetragene Konflikt um die Modernisierung findet jetzt innerhalb der neuen rechten Mehrheit statt. Das zeigte zuletzt etwa die Auseinandersetzung zwischen Unterhaus-Sprecher Rodrigo Maia und Guedes.

Fazit: Der ständig wieder aufflammende politische Konflikt blockiert die benötigten Reformen. Daraus ergibt sich der flache Wachstumspfad für Brasilien und ein schwacher Grundtrend für die Währung. Brasilien bleibt unattraktiv als Investmentziel.

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