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Währungen aus dem Mittleren Osten und Afrika

Deutliche Wachstumsschwächen in Mittelost

In unserem Devisen-Wochenschwerpunkt blicken wir auf die Entwicklungen in der Türkei, Israel, Ägypten, Kasachstan, Nigeria und Südafrika.

Zunächst weiter abwärts

Die Perspektiven der türkischen Wirtschaft verschlechtern sich derzeit von allen Seiten her. Das schlägt sich in einem schwachen Wachstumstrend nieder. Nach 2,9% im letzten Jahr werden es im laufenden nicht mehr als 3-3,3% . Stattdessen zieht die Inflation an. Zuletzt stand sie bei rund 7,2% – und damit über der Zielmarke (5%). Zugleich liefert die Lira Schwächezeichen. Das könnte die Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits auf längere Sicht infrage stellen – wenn es der Notenbank nicht gelingt, den Inflationstrend einzudämmen. Noch scheint das realistisch. Die Türkei wird mit am stärksten von der global erwarteten Zinswende beeinträchtigt. Gründe sind die schwachen Finanzierungsstrukturen und das Zahlungsbilanzdefizit. Hinzu kommen die von Präsidenten Erdogan aus politischem Kalkül angeheizten Konflikte (Kurden). Sie stellen die Stabilität des Landes und der Wirtschaft infrage. Es ist zweifelhaft, ob seine Eskalation die Wahl-Chancen seiner Partei (AKP) verbessert.

Fazit: Die von Erdogan geschaffene Unruhe schwächt die Lira. Der Präsident schafft damit weiteren Inflationsdruck.

Unfreiwillige Liberalisierung

Die kasachischen Behörden lassen die Landeswährung Tenge floaten. Die Bindung an den US-Dollar ist also effektiv aufgehoben. Gründe sind der schwache Ölpreis und die damit einhergehenden Defizite. Das erzeugt Druck. Die damit fällige Anpassung der Geldpolitik wirkt auf den ersten Blick grobschlächtig. Die Notenbank schuf um den Leitzins („base rate“ 12% für Repos mit einem Tag Laufzeit) einen breiten Korridor zwischen dem Einlagensatz (7%) und einem zusätzlichen Refinanzierungssatz für die Banken (17%). Dieser Korridor dürfte enger werden. Immerhin scheint es aber damit gelungen, den Absturz der Währung aufzuhalten. Allerdings bleiben durch die laufende Kapitalflucht und an Russland gemahnende Unzulänglichkeiten Schwachpunkte, die weitere Abwertungen auslösen könnten.

Fazit: Die Datenlage ist noch zu schwach, um eine Schätzung „aus dem Bauch heraus“ abzugeben.

Schlechte Stimmung

Der jüngste Einkaufsmanagerindex für die israelische Wirtschaft lag mit rund 47 Punkten im roten Bereich. Dazu haben Sonderfaktoren beigetragen. Von Bedeutung waren besonders die mittlerweile beendeten Arbeitskämpfe vor allem in der Chemie-Industrie. Dauerhafter ist der Schaden für den Tourismus durch den letzten Gaza-Krieg. Die Zahlen bleiben klar unter Vorkriegsniveau. Das heben die Währungshüter in ihrem jüngsten Statement hervor. Die Außenwirtschaft präsentiert sich schwach. Die Exporte sind rückläufig. Hinzu kommt eine nur noch dünne Konsumnachfrage. Auch die Investitionsneigung der Unternehmen ist wenig ausgeprägt. Klare Impulse liefert nur die (zivile) Nachfrage der öffentlichen Kassen. Zusammengenommen ergibt das ein nur noch geringes Wachstum von annualisiert 0,3% im 2. Quartal. Die schwache Konjunktur schlägt sich auch in der Inflationsrate von -0,3% nieder: Die effektive Nachfrage bietet den Produzenten und Verkäufern kaum Spielräume für Preiserhöhungen. Da der Leitzins bereits bei 0,1% angekommen ist, wären monetäre Impulse nur noch durch quantitative Maßnahmen denkbar. Immerhin lässt die jüngste Stellungnahme der Währungshüter erkennen, dass sie der Wachstumsschwäche mittlerweile eine höhere Priorität zuerkennen. Das dürfte Erwartungen auf eine Lockerung schüren.

Fazit: Der Schekel gibt bereits leicht nach. Er wird aufgrund der schwachen Daten und der Erwartung weiterer Lockerungen unter Druck bleiben.

Wachstumsschub verläuft sich

Das von Megaprojekten wie der Erweiterung des Suez-Kanals angeschobene Wachstum ließ im 1. Quartal wieder nach. Es fiel von fast 7% auf 4,3% zurück. Die Beruhigung ist auch an der moderaten Inflationsentwicklung abzulesen. Die Kernrate fiel von 8,4% (Juli) auf 7,9% im August. Diese beachtlichen Wachstumszahlen sind weniger der eigenen Stärke als vielmehr der politisch motivierten Unterstützung durch die konservativen Golfstaaten zu verdanken. Sie hofieren das Militärregime Al-Sisis als Gegengewicht zu den Islamisten. Konsequenz: Das Defizit der Leistungsbilanz ist 2014/15 nach vorläufigen Zahlen von 2,7 Mrd. Dollar auf 12,2 Mrd. Dollar explodiert. Es wurde durch Direktinvestitionen und staatliche Transfers allerdings überkompensiert. Somit verblieben Ägypten trotz des stark gewachsenen Defizits Nettozuflüsse und wachsende Reserven. Das brachte eine mittlerweile beendete Erholung des Pfunds in Gang. Die neuerliche Schwäche des ägyptischen Pfunds dürfte schon bald die Inflation wieder befeuern. Zumal der wichtige Tourismus sich offenbar nicht voll erholt hat. Das vergrößert das Defizit gegenüber dem Ausland.

Fazit: Da die Hilfe der Emirate nicht auf Dauer angelegt ist, wird sich die Schwäche Ägyptens wieder durchsetzen. Das bringt das Pfund unter Druck.

Öl-Preis bremst

Die schwächeren Einnahmen aus dem Ölgeschäft bremsen das Wachstum der größten Volkswirtschaft Afrikas. Die Währungshüter haben daher ihren Ausblick für das laufende Jahr von rund 6,2% auf 5,6% herabgesetzt. Die stärksten Impulse kommen aber ohnehin aus dem Nicht-Öl-Sektor der Wirtschaft. Auf mittlere Sicht sind weitere Verbesserungen denkbar. Denn Präsident Buhari erzielt offenbar Fortschritte: Die Korruption vor allem im Ölgeschäft scheint ernsthaft angegangen zu werden. Zudem bessert sich offenbar die Sicherheitslage im Norden durch Erfolge gegen Boko Haram. Sollte sich das bestätigen, sind für die nächsten Quartale trotz des schwachen Ölpreises positive Überraschungen aus Nigeria zu erwarten.

Fazit: Der in den letzten Monaten ohnehin stabile Naira bekommt langsam Potenzial nach oben.

Die Erosion erreicht den Stahlsektor

Nun packt der Niedergang von Südafrikas Wirtschaft auch den Stahlsektor. Der südafrikanische Stahlkocher Evraz Highveld Steel & Vanadium steckt in einem Sanierungsverfahren, dessen Ausgang zunehmend skeptischer beurteilt wird. Denn trotz intensiver Suche findet sich kein Investor. Arcelor Mittal will seine Kapazitäten in Südafrika stark einschränken. Mehrere Hochöfen sollen aus der Produktion genommen werden. Bei der Stahlkrise am Kap türmen sich die Negativfaktoren: Die Probleme im Bergbau haben die Nachfrage nach Stahlprodukten einbrechen lassen. Zugleich drückt die chinesische Konkurrenz mit Billigangeboten in den Markt. Darüber hinaus haben Streiks für hohe Arbeitskosten bei niedriger Effizienz gesorgt. Abzulesen ist die insgesamt miserable Entwicklung an einem deutlichen BIP-Rückgang um 1,3% im 2. Quartal. Damit dürfte der jüngste Ausblick der Notenbank SARB mit 2% Wachstum für das gesamte Jahr Makulatur sein. Die Nachfrage bleibt schwach. Die Stimmung ist bei Konsumenten wie Unternehmen schlecht. Die Inflation ist zwar auf 5% zurückgegangen. Das wird die Notenbank aber kaum zu deutlicheren Zinsschritten bewegen. Der schwache Rand wird alleine kaum neue Exporterfolge schaffen. Die Nachfrage nach Südafrikas Rohstoffen bleibt überschaubar.

Fazit: Die Erosion der südafrikanischen Wirtschaft geht weiter. Entsprechend ist auch keine Erholung für den Rand in Sicht.

6-Monats-Übersicht zu ausgewählten Währungen aus Mittelost und Afrika

LandWährung/ZinsAktueller KursAusblick 3 MonateAusblick 6 MonatePrognose-sicherheit
TürkeiTRL2,963,023,05neutral

3m-Zins11,7011,912,1
IsraelILS4,3864,394,41unsicher
3m-Zins0,0750,10,1
ÄgyptenEGP8,688,608,60unsicher
3m-Zins9,39,19,3
KasachstanKZT283,33285288unsicher
3m-Zins10,0--
NigeriaNGN220,71220215unsicher



3m-Zins6%--
Südafrika

ZAR15,4715,9016,20neutral

3m-Zins6,306,06,0
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