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Monatsprognose zu Euro, Dollar, Yen und Yuan

Devisen: Optimismus und eine schwächelnde Konjunktur

Wir werfen einen Blick auf die großen Währungsräume.

Alles im Plan

Die Hüter des Euro werden wenig Neigung zu schnellen Zinsschritten zeigen. Zwar stieg die Inflation in der Eurozone im Februar auf 2%. Doch in der EZB wird das niemanden schrecken. Die Reduktion der Anleihe-Ankäufe war ohnehin bereits vorgesehen. Ab April soll dieser Zufluss an Liquidität schrittweise zurückgefahren werden. Zudem konzentriert sich der Auftrieb auf Lebensmittel- und Energiepreise. Die Kernrate liegt seit drei Monaten unverändert mit 0,9% deutlich tiefer. Trotz der anziehenden Inflation wird es im laufenden Jahr nur dann einen Zinsschritt geben, wenn bislang nicht absehbare Schocks dazu kommen.

Die Konjunktur dürfte auch bei geringerer monetärer Stützung ihren Wachstumskurs halten. Der Einkaufsmanager-Index steht mit zuletzt 55,4 Punkten (per Februar) klar über der Expansionsschwelle. Ähnliches gilt für die Euroländer im Einzelnen. Lediglich Griechenland steht weiter unter der roten Linie von 50 Punkten. Der Stimmungsindex der EU-Kommission sieht ähnlich gut aus. Die jüngste Handelsbilanz (Dezember) untermauerte mit einem Zuwachs des Exports um 6% (zum Vorjahr) und des Imports um 4% die Stärke der Eurozone im Außenhandel. Das Wachstum im 4. Quartal mit 1,7% zum Vorjahr und 0,4% zum Vorquartal bestätigt den nun schon länger anhaltenden unspektakulären Wachstumstrend.

Selbst die neu aufgeflammten Debatten über Probleme Italiens und den Euro werden mit Schulterzucken bedacht. Sie werden von den Märkten mittlerweile als gewohntes Hintergrundrauschen hingenommen. Ob das klug ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Probleme liegen auf dem politischen Feld. Die mit dem Brexit angestoßenen Diskussionen über eine Reform oder Weiterentwicklung der EU setzen vor allem am Ostrand starke zentrifugale Kräfte frei. Indes scheint das konkrete Vorbild des Brexit auch dafür zu sorgen, dass der Wert der EU-Mitgliedschaft wieder höher geschätzt und ein möglicher EU-Austritt stärker als Verlust wahrgenommen wird.

Fazit: Der Euro wird daher auf Grund des wachsenden Zinsabstands zu den USA schwächer werden.

Große Erwartungen

Die Stimmung in der US-Wirtschaft ist unverändert gut. Die meisten weicheren Daten versprechen ein anziehendes Wachstum. Die Indikatoren der regionalen Fed-Banken haben zuletzt fast durchgehend überraschend stark über den Erwartungen zugelegt. Lediglich der auf die USA insgesamt zielende Index der Chicago-Fed fiel ins Minus zurück und deutet auf ein leicht unter dem Potenzial liegendes Wachstum. Vor allem die Auftragseingänge und die Erholung der Ölproduktion (für Texas, Kansas) zogen nach oben. Die Orders für dauerhafte Güter stützen diesen Optimismus nicht ganz. Sie liegen immer noch unter dem Niveau des Vorjahres. Zudem lieferten die „core capital goods“ – vor allem Anlagen und Maschinen – per Januar überraschend erneut rote Zahlen, nachdem die drei letzten Monate 2016 endlich Zuwächse gebracht und Hoffnungen auf ein Ende der Investitionsschwäche geweckt hatten.

Die verschiedenen Einkaufsmanager-Indizes (ISM, Markit) liegen alle klar im Expansionsbereich. Sie deuten auf weiteres Wachstum. Die aktuellen Produktionsdaten sehen dagegen schwach aus. In der Industrie waren sie zuletzt rückläufig. Zudem sinkt die Auslastung. Das findet aber kaum Beachtung. Offenbar überstrahlt der angekündigte starke fiskalische Konjunkturimpuls mit Steuersenkungen und einem großen Investitionsprogramm für die Infrastruktur die gegenwärtigen Fakten.

Einen gewissen Kontrast zum Optimismus der USA liefert der nicht ganz so starke Dollar. Die ausländischen Investoren sehen Trumps Pläne skeptischer als die US-Bürger. Darauf aber kommt es für den Dollar-Trend nicht unmaßgeblich an. Die von vielen erwartete weitere Dollarstärke hängt wesentlich davon ab, dass der von der Fiskalpolitik gezündete Wachstumsimpuls Zuflüsse aus dem Ausland anregt. Sie müssen die wachsenden Defizite überkompensieren und damit einen Treibsatz für den Greenback liefern. Der erste Monat nach der Wahl Trumps liefert allerdings das Gegenteil: Die ausländischen Investoren zogen im Dezember per Saldo 12,9 Mrd. Dollar aus den USA ab. Davon entfielen allein 10 Mrd. Dollar auf Verkäufe von US-Aktien durch das Ausland.

Die wichtigsten Zuflüsse lieferte einmal mehr China mit Anlagen in US-Staatsanleihen. Der Zuwachs bei den US-Börsenwerten beruhte im Dezember ausschließlich auf der inländischen Nachfrage und der noch üppigen Finanzierung durch die immer noch expansive Geldpolitik. Da sich die USA wegen ihres Finanzierungsbedarfs keine größere Dollarschwäche leisten können, werden die Zinsen wohl erst dann von den Währungshütern zügiger angehoben, wenn das Wachstumstempo zulegt.

Fazit: Die Chance auf einen zulegenden Dollar ist gegeben. Problematisch ist das mangelnde Vertrauen der ausländischen Anleger. Jetzt braucht es ein überzeugendes Wirtschaftsprogramm der Regierung.

Die Konjunktur schwächt sich ab

Aus Japan kommen schon fast gewohnheitsmäßig widersprüchliche Nachrichten. Die Industrieproduktion überraschte zu Jahresanfang mit einem Minus (-0,8%) zum Vormonat. Die Konsenserwartung war +0,4%. Demgegenüber legte der Einkaufsmanager-Index für die verarbeitende Industrie überraschend weiter zu: auf 53,5 Punkte (Konsens 52,7 Punkte) nach 52,8 Punkten im Vormonat. Offenbar haben die aus China (Neujahrsfest) herüberschwappenden Saisoneffekte dabei eine zentrale Rolle gespielt. Die Handelsbilanz rutschte schon per Dezember mit über 1 Billion Yen tief ins Minus. Die Konsenserwartung lag bei -637 Mrd. Yen nach 641 Mrd. Yen Überschuss im November. Der Export entwickelte sich mit +1,3% (Konsens +4,7% jeweils zum Vorjahr) wesentlich schlechter als erwartet, der Import mit +8,5% (Konsens +4,7%) deutlich stärker.

Das spricht für schwache Aussichten. Die Wachstumszahlen zum 4. Quartal zeigen eindeutig, dass nach wie vor der Export der entscheidende Wachstumsmotor Japans ist. Der private Konsum ist und bleibt schwach. Die Ausgaben der Haushalte sind weiter rückläufig. Das läuft klar auf einen schwachen Konsum hinaus. Die staatlichen Investitionen waren ebenfalls schwach, knapp kompensiert durch leichte Zuwächse der Investitionen der Unternehmen. Die Schwäche der Binnennachfrage zeigt sich auch bei der Inflation. Sie hat trotz der ultra-expansiven Geldpolitik zuletzt mit 0,4% nur leicht zugelegt, bleibt aber weit entfernt vom von Ziel 2%. Auch der Yen legte wieder zu. Und das, obwohl die Japaner zuletzt per Saldo in großem Umfang US-Staatsanleihen verkauft und die frei werdenden Mittel repatriiert haben.

Fazit: Trotz der Schwäche der Wirtschaft und negativer Zinsen wird der Yen stark bleiben. Denn der Rückfluss von Mitteln aus dem Ausland wird anhalten.

Chinas Export bleibt stark

Die Handelsbilanz per Januar deutet auf einen starken Export Chinas hin. Er legte im Jahresvergleich auf Dollar-Basis um 7,9% zu. Damit übertraf er die schwachen Erwartungen (Konsens 0,5%) und noch stärker den Vormonat (-6,1%). Steiler – mit einem Plus von 16,7% – ging der Import nach oben (Konsens 9,6%). Diese Sprünge kamen trotz eines negativen Saisoneffektes zustande: Das chinesische Neujahr lag 2016 im Februar und 2017 im Januar. Folglich hätte der aktuelle Monat wegen der geringeren Zahl an Arbeitstagen eigentlich schwächer ausfallen müssen. Hier dürfte der trotz Interventionen gesunkene Yuan für Schub gesorgt haben.

Die Dynamik wird von weiteren Daten gestützt. Die Einkaufsmanager-Indizes liegen wieder oberhalb von 50 Punkten im Expansionsbereich. Die Industrieproduktion (+6%) und die Umsätze des Einzelhandels (+10,8%) folgen den bekannten Trends. Die Inflation ist mit 2,5% unproblematisch und zeigt keinen Handlungsbedarf an.

Fazit: Der Yuan hat sich auf dem ermäßigten Niveau stabilisiert. Er dürfte dort auch aus politischen Gründen gehalten werden.   


Prognose zu Euro, Dollar, Yen und Yuan



Kurs VorjahrKurs aktuell1. Quartal 20172. Quartal 20173. Quartal 2017 4. Quartal 2017
EURO




USD1,1061,050,99 – 1,050,95 – 1,030,92 – 0,990,92 – 0,99
CHF1,0931,071,07 – 1,111,10 – 1,131,10 – 1,131,10 – 1,13
GBP0,7910,8590,85 – 0,890,87 – 0,970,95 – 1,050,99 – 1,05
JPY124,7120,1117 – 124114 – 120112 – 118112 – 118
3-Monatsgeld-0,20-0,33-0,30 – 0,00-0,30 – 0,00-0,30 – 0,00-0,30 – 0,00
10-Jährige Anleihe Bund0,130,270,25 – 0,450,25 – 0,450,30 – 0,650,45 – 0,80
USD

JPY112,8113,1112 – 118115 – 122117 – 124117 – 124
3-Monatsgeld0,631,090,95 – 1,251,10 – 1,401,10 – 1,401,35 – 1,65
10-Jährige Anleihe Bund1,702,512,30 – 2,702,40 – 2,752,45 – 2,952,45 – 2,95

Hinweis: Diese Tabelle gibt die Meinung der Redaktion zur Zins- und Wechselkursentwicklung wichtiger Währungen wieder. Sie dient ausschließlich zur Orientierung und ist nicht als Handlungsaufforderung zu sehen. Insbesondere Wechselkursprognosen unterliegen einer hohen Unsicherheit. Alle Angaben ohne Gewähr.

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