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Devisen

Die Regionen Nahost und Afrika: Nur eine Währung überzeugt

In unserem Devisen-Wochenschwerpunkt blicken wir auf die Entwicklungen in der Türkei, Israel, Ägypten, Nigeria und Südafrika.

Die Krise ist da

Die Türkei steckt in einer politischen und wirtschaftlichen Krise. Die Lira hat in den letzten drei Monaten um etwa 14% nachgegeben. Das Volumen der Exporte liegt mittlerweile um 9,4% unter dem Vorjahr. Die Industrieproduktion stagniert und die Inflation ist im Februar mit 10,1% wieder in den zweistelligen Bereich gestiegen. Die mangels Finanzierung durch das Ausland schwachen Investitionen schlagen bis in den Konsum durch, der seit August abwärts geht. Die Umsätze der Einzelhändler liegen 2,7% unter dem Vorjahresniveau.

Der Abwärtstrend dürfte sich verschärfen. Denn die von Präsident Recep Tayyip Erdogan betriebene Eskalation der politischen Spannungen wird den Tourismussektor weiter schädigen. Der Druck auf die Notenbank TMB ist so groß, dass sie die nötige Zinserhöhung nicht anpackt. Die Währungshüter beschränken sich auf eine symbolische Erhöhung des Spitzen-Refinanzierungssatzes.

Fazit: Die Schwäche der Lira wird sich verschärfen; eine Abstufung des Ratings der Türkei rückt näher.

Es läuft

Israels Konjunktur läuft. Das 4. Quartal brachte nach erster Schätzung 6,2% annualisiertes Wachstum. Das klingt enorm viel, ist aber auf einen Sondereffekt zurückzuführen: Eine kommende Steueränderung hatte zu vorgezogenen Käufen von PKW geführt. Das blähte den Konsum statistisch auf. Allerdings ist der Wachstumstrend beachtlich, selbst wenn dieser Sondereffekt herausgerechnet wird. Die Inflation liegt immer noch nahe Null. Sie steigt aber langsam im Gefolge anziehender Energiepreise. Die Exporte, sowohl der Industrie als auch der Dienstleister, ziehen an und tragen damit zu einem starken Schekel bei. Die verschärfte Sicherheitslage macht sich kaum bemerkbar. Hier schlägt eher die Einschätzung durch, dass die neue US-Administration die Position Israels stärkt.

Fazit: Sofern nicht die Sicherheitslage zu völlig neuen Einschätzungen führt, sollte der Schekel einem leichten Aufwärtstrend folgen.

Die Krise verschärft sich

Ägyptens Wirtschaft scheint am Tiefpunkt zu sein. Die Inflation stieg, nicht zuletzt aufgrund massiver Erhöhungen administrierter Preise, auf über 30%. Die Position gegenüber dem Ausland bleibt desolat. Das zeigt ein Blick auf die Zahlungsbilanz für das 2. Halbjahr 2016: Der Tourismus ist um rund 50% eingebrochen. Er reißt ein großes Loch in die Leistungsbilanz – selbst wenn es zum Jahresende hin eine leichte Erholung gab.

Die Exporte von Gütern legen aufgrund des schwächeren Pfunds leicht zu. Neben dem Tourismus schwächeln wiederum die Einnahmen aus dem Suezkanal. Hier macht sich das geringe Wachstum des Welthandels bemerkbar. Entlastung bringt ein Kreditprogramm der Weltbank. Fraglich bleibt aber, ob es den Militärs gelingen wird, ausreichend Vertrauen in der Bevölkerung zu gewinnen, um neue Investitionen und Aktivitäten der heimischen Wirtschaft anzuregen und damit neue Perspektiven zu schaffen.

Fazit: Das Pfund wird weiter fallen. Gedrückt wird es von der hohen Inflation und den schwachen Aussichten.

Die Inflation sinkt langsam

Die Lage Nigerias bleibt schwierig. Die Rezession hat sich bis zum Jahresende 2016 fortgesetzt. Das letzte Quartal brachte mit -1,3% (im Jahresvergleich) erneut eine Schrumpfung. Dazu trägt die Schwäche des Nicht-Öl-Sektors bei. Er liefert rote Zahlen (-4%). Die Währungshüter verlangen in ihrer jüngsten Stellungnahme erneut eine expansivere Fiskalpolitik. Das sehen sie als einzige Chance, die Konjunktur ins Laufen zu bringen. Ein Hoffnungsschimmer ist bei der Inflation zu erkennen. Sie war mit 17,8% im Februar erstmals rückläufig. Die Verknappung der Liquidität – sämtliche monetäre Aggregate schrumpfen – wirkt langsam, trotz der expansiven Ausrichtung der Zinsen. Der Leitzins beträgt 14%, das ist deutlich unter der Inflationsrate. Die Notenbank stabilisiert den Naira bislang erfolgreich durch Interventionen und Kapitalkontrollen bei 315 Naira/US-Dollar.

Fazit: Mit der hohen Inflation hat sich Abwertungsbedarf aufgebaut.

Außenhandel leicht verbessert

Beim Außenhandel gibt es positive Nachrichten für Südafrika. Die Handelsbilanz weist für das 4. Quartal einen Überschuss aus. Dieser ist allerdings auf Preiseffekte (verbesserte Terms-of-Trade) zurückzuführen. Daher gibt es kaum Entlastung für die Arbeitslosigkeit. Sie bewegt sich weiter um die 25%. Die Perspektiven bleiben schwach. Eine monetäre Stützung der Konjunktur ist schon aufgrund der mit 6,3% über dem oberen Rand der Toleranzzone (3%-6%) liegenden Inflation ausgeschlossen. Dennoch scheinen die ausländischen Investoren wieder Gefallen an Südafrika zu finden. Das Land wirkt immer noch solide – was wir für einen gefährlichen Irrtum halten. Die Erosion der Institutionen wird weitergehen. Die Ende letzten Jahres vermiedene Abstufung des Ratings auf „junk“ wird 2018 Realität.

Fazit: Der Rand bleibt gefährdet.


6-Monats-Übersicht zu ausgewählten Währungen aus Nahost und Afrika

LandWährung/ZinsAktueller KursAusblick 3 MonateAusblick 6 MonatePrognose-sicherheit
TürkeiTRY4,164,374,58neutral
3m-Zinsn.v.--
IsraelILS4,054,074,08neutral
3m-Zins0,10,10,1
ÄgyptenEGP20,4820,520,5unsicher
overnight15,45n.v.n.v.
Nigeria
NGN336,1330335unsicher
overnight10,05n.v.n.v.
Südafrika
ZAR14,3415,0315,12neutral
3m-Zins7,377,357,35
  • TRY: Erdogans Politik belastet die Lira.

  • ILS: Die Notenbank wird versuchen, den Schekel schwächen. 

  • EGP: Das ägyptische Pfund bleibt durch die schwache Auslandsposition gefährdet.

  • NGN: Der EUR/NGN wird nur durch die crossrate zum Dollar bewegt.

  • ZAR: Der Rand leidet unter der sich abzeichnenden Stagflation.

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