Die Rückkehr der Risikoaufschläge
Lange konnten sich Staaten nahezu unbegrenzt verschulden, ohne an den Märkten ernsthaft zur Kasse gebeten zu werden. Doch dieser Vertrauensvorschuss ist aufgebraucht. Die Anleihemärkte zeigen zunehmend Skepsis – etwa gegenüber Frankreich, das für zehnjährige Staatsanleihen mittlerweile höhere Zinsen zahlen muss als Spanien.
Auch die USA geraten unter Druck. Der Kapitalmarkt meidet lange Laufzeiten, weshalb sich die Regierung fast ausschließlich über kurzlaufende T-Bills refinanziert. Das senkt zwar vorübergehend die Zinslast, erhöht aber das Risiko: Ein Käuferstreik am Geldmarkt könnte plötzlich die Liquidität austrocknen – ein Szenario, das man bislang nur aus Schwellenländern kennt.
Inflation als Fluchtweg aus der Schuldenfalle
Die Versuchung zur schleichenden Entschuldung über Inflation wächst. Denn nominale Staatsanleihen lassen sich durch reale Geldentwertung entwerten – zum Schaden der Gläubiger. Für Investoren ist klar: Wer in Bonds investiert, muss künftig höhere Risikoprämien verlangen – oder auf inflationsgeschützte Alternativen wie TIPS (inflationsindexierte Staatsanleihen der USA, gibt es auch von Deutschland) – setzen.
Zudem bahnt sich ein neuer Repressionszyklus an, erwartet Bernhard Matthes, Bereichsleiter Pax-BKC Asset Management. Der Staat könnte Banken, Versicherungen und Pensionskassen künftig regulatorisch zur Staatsfinanzierung verpflichten. Auch Kapitalverkehrskontrollen oder Zinsobergrenzen sind keine Fantasie mehr. Gold wird daher verstärkt als wertstabiles Ausweichinstrument gesucht.
US-Zölle drücken auf die Dollarstimmung
Auf den Währungsmärkten spiegelt sich das neue Misstrauen. Der Euro legte im ersten Halbjahr 2025 deutlich zu – nicht wegen wirtschaftlicher Stärke, sondern weil Kapital den USA den Rücken kehrt. Gründe sind unter anderem die erratische US-Zollpolitik, die Diskussion um eine Sondersteuer auf Ausländer und die gezielte Verunsicherung globaler Investoren.
Dabei war die zwischenzeitliche Dollar-Schwäche eher taktischer Natur. Fundamental spricht weiterhin vieles für die US-Währung: hohe Realzinsen, ein robuster Kapitalstock und stabile Wachstumsperspektiven. Derzeit bietet der US-Markt bei zehnjährigen Staatsanleihen rund 4,5% – deutlich mehr als Bundesanleihen mit 2,5%.
Der Währungsschutz liegt im Wechsel
Die Schweiz bleibt mit ihrer starken Währung ein sicherer Hafen. Auch kleinere Länder wie Tschechien oder Brasilien mit solider Geldpolitik und realen Zinsvorteilen könnten lohnende Alternativen sein. Entscheidend ist: Anleger müssen den Währungsraum ebenso kritisch hinterfragen wie den Emittenten selbst – eine neue Realität, die aktive Steuerung verlangt.
Fazit: Die Zinsmärkte preisen fiskalische Disziplin wieder ein. Nominalbonds mit langer Laufzeit verlieren an Attraktivität. Anleger sollten inflationsgeschützte Anleihen bevorzugen, Duration verkürzen und selektiv in hochverzinsliche Papiere solider Staaten investieren – auch außerhalb des Euroraums.
Empfehlung: Euro-Exposure in zins- und politikgetriebenen Märkten zurückfahren; auf stabilitätsorientierte Währungen wie CHF und selektiv auf US-Dollar setzen. Schwellenländerwährungen mit hoher Realrendite wie BRL können sich als Beimischung lohnen – aber nur mit aktiver Steuerung.