Droht Jerome Powell die Absetzung?
Donald Trump hat wiederholt laut über eine Abberufung von Fed-Chef Jerome Powell nachgedacht. Rechtlich ist das nur „for cause“ möglich – also bei grobem Fehlverhalten oder Pflichtverletzung. Eine solche Grundlage könnte Trump in den Kostenüberschreitungen bei der Renovierung des Fed-Hauptquartiers suchen (über 2,5 Mrd. $ statt geplanter 1,9 Mrd. $). Fachleute halten das für konstruiert, aber formell denkbar, da der Begriff „cause“ nicht eindeutig definiert ist.
Trotzdem gilt: Powell bleibt bis Mai 2026 im Amt, und eine vorzeitige Entlassung könnte erhebliche juristische und politische Turbulenzen auslösen – mit potenziell negativen Marktreaktionen.
Wie wahrscheinlich ist eine Entlassung – und was wären die Folgen?
Trump schürt bewusst Unsicherheit, um seine Verhandlungsposition zu stärken. Jedoch: Die Wahrscheinlichkeit, dass Powell vorzeitig entlassen wird, liegt laut Wettmärkten bei rund 20 %. Der wahrscheinlichere Weg: Trump wartet Powells Amtszeit aus und besetzt die Fed-Führung sukzessive neu. So endet im Januar 2026 die Amtszeit von Gouverneurin Adriana Kugler. Diese Stelle kann Trump mit einem Zinssenkungsbefürworter wie Kevin Warsh oder Scott Bessent neu besetzen – mit Option, diesen später zum Chair zu machen.
Folgen einer sofortigen Absetzung Powells:
- Verlust institutioneller Glaubwürdigkeit der Fed
- Weicherer Dollar, möglicherweise beschleunigt durch Kapitalflucht
- Steigende langfristige US-Zinsen wegen Inflations- und Risikoprämien
- Aktienrücksetzer, da Anleger sinkendes Vertrauen und fallende Kaufkraft einpreisen
Ein Beispiel liefert die Türkei 2021. Damals feuerte Präsident Erdogan den Zentralbankchef. Die Lira stürzte um 50 %, die Inflation explodierte. Ein solches Szenario wäre laut Berenberg in den USA weniger drastisch, aber in abgeschwächter Form vorstellbar – besonders bei einem Vertrauensbruch gegenüber der Fed.
Die Rolle der Fed im Jahr 2025/26
Powell ist nur eine Stimme im 12-köpfigen FOMC. Selbst seine Absetzung hätte kurzfristig keine automatische Mehrheit für Zinssenkungen zur Folge. Derzeit sieht eine Mehrheit im FOMC keine Notwendigkeit für Zinssenkungen vor Oktober 2025 – trotz wachsendem politischen Druck. Der FOMC ist gespalten: 7 von 12 Mitgliedern sehen weiter steigende Inflationsrisiken, vor allem durch zollbedingte Preisaufschläge. Die Fed Funds Target Rate liegt weiter bei 4,25 % – 4,5 %, die geldpolitische Ausrichtung bleibt restriktiv, aber abwartend.
Inflationsentwicklung und geldpolitischer Ausblick
Der Gesamt-CPI stieg im Juni auf 2,7 % (Vorjahr: 2,4 %), vor allem durch Energie und Lebensmittel. Die Kerninflation (ohne Energie & Lebensmittel) liegt bei 3,0 % – höher als von der Fed angestrebt. Importierte Güter (zollbedingt) sind Haupttreiber: Kernwaren ohne Autos +0,6 % im Monat – stärkster Anstieg seit 2022. Dienstleistungen (ohne Wohnkosten) dagegen mit nur +0,2 % – positiver Impuls für mögliche Zinssenkungen ab Herbst. Trotz dieser gemischten Datenlage rechnen Ökonomen damit, dass die Kerninflation bis Jahresende auf etwa 3,4 % steigt. Die Fed könnte dennoch ab September/Oktober erste Senkungen rechtfertigen, da sie auf die Disinflation bei Dienstleistungen verweisen kann.
Dollar unter Druck – Folgen eines Trump-Eingriffs
Der US-Dollar steht strukturell unter Abwärtsdruck, weil:
- Politischer Druck auf die Fed die Unabhängigkeit infrage stellt
- Die Volatilität zunimmt, was „Käuferstreiks“ bei US-Staatsanleihen wahrscheinlicher macht
- Die Inflationserwartungen steigen, wenn Zölle weitergegeben werden
Der Dollar verlor bereits rund 12 % gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn – primär durch Hedging-Aktivität, aber verstärkt durch abnehmendes Vertrauen in die US-Institutionen. Eine weitere Schwächung ist wahrscheinlich, wenn Trump weiter eskaliert.
Fazit: US-Dollar-Anlagen bleiben schwankungsanfällig. Politischer Druck auf die Fed und mögliche Eingriffe Trumps werden das Vertrauen in die US-Währung weiter belasten. Mit einer vorzeitigen Absetzuung von Powell und einem "Dollar-Sturz" rechnen wir aber nicht.
Empfehlung: Anleger sollten Währungsrisiken im Dollar aktiv absichern. Bei Anleihen auf kurze Laufzeiten setzen und globale Diversifikation prüfen.