Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
3042
Wie Trumps Fed-Politik den US-Dollar unter Druck setzt

Droht Jerome Powell die Absetzung?

© Federal Reserve Board Photo Gallery 2023
Droht die Entmachtung der US-Notenbank? Donald Trumps Attacken auf Fed-Chef Powell schüren Zweifel an der Unabhängigkeit der Geldpolitik – mit Folgen für Dollar, Anleihen und globale Märkte. Anleger sollten vorbereitet sein: Die Risiken für US-Dollar-Investments steigen. Was jetzt zu tun ist, lesen Sie in FUCHS-DEVISEN.

Donald Trump hat wiederholt laut über eine Abberufung von Fed-Chef Jerome Powell nachgedacht. Rechtlich ist das nur „for cause“ möglich – also bei grobem Fehlverhalten oder Pflichtverletzung. Eine solche Grundlage könnte Trump in den Kostenüberschreitungen bei der Renovierung des Fed-Hauptquartiers suchen (über 2,5 Mrd. $ statt geplanter 1,9 Mrd. $). Fachleute halten das für konstruiert, aber formell denkbar, da der Begriff „cause“ nicht eindeutig definiert ist.

Trotzdem gilt: Powell bleibt bis Mai 2026 im Amt, und eine vorzeitige Entlassung könnte erhebliche juristische und politische Turbulenzen auslösen – mit potenziell negativen Marktreaktionen.

Wie wahrscheinlich ist eine Entlassung – und was wären die Folgen?

Trump schürt bewusst Unsicherheit, um seine Verhandlungsposition zu stärken. Jedoch: Die Wahrscheinlichkeit, dass Powell vorzeitig entlassen wird, liegt laut Wettmärkten bei rund 20 %. Der wahrscheinlichere Weg: Trump wartet Powells Amtszeit aus und besetzt die Fed-Führung sukzessive neu. So endet im Januar 2026 die Amtszeit von Gouverneurin Adriana Kugler. Diese Stelle kann Trump mit einem Zinssenkungsbefürworter wie Kevin Warsh oder Scott Bessent neu besetzen – mit Option, diesen später zum Chair zu machen. 

Folgen einer sofortigen Absetzung Powells:

  • Verlust institutioneller Glaubwürdigkeit der Fed
  • Weicherer Dollar, möglicherweise beschleunigt durch Kapitalflucht
  • Steigende langfristige US-Zinsen wegen Inflations- und Risikoprämien
  • Aktienrücksetzer, da Anleger sinkendes Vertrauen und fallende Kaufkraft einpreisen

Ein Beispiel liefert die Türkei 2021. Damals feuerte Präsident Erdogan den Zentralbankchef. Die Lira stürzte um 50 %, die Inflation explodierte. Ein solches Szenario wäre laut Berenberg in den USA weniger drastisch, aber in abgeschwächter Form vorstellbar – besonders bei einem Vertrauensbruch gegenüber der Fed.

Die Rolle der Fed im Jahr 2025/26

Powell ist nur eine Stimme im 12-köpfigen FOMC. Selbst seine Absetzung hätte kurzfristig keine automatische Mehrheit für Zinssenkungen zur Folge. Derzeit sieht eine Mehrheit im FOMC keine Notwendigkeit für Zinssenkungen vor Oktober 2025 – trotz wachsendem politischen Druck. Der FOMC ist gespalten: 7 von 12 Mitgliedern sehen weiter steigende Inflationsrisiken, vor allem durch zollbedingte Preisaufschläge. Die Fed Funds Target Rate liegt weiter bei 4,25 % – 4,5 %, die geldpolitische Ausrichtung bleibt restriktiv, aber abwartend. 

Inflationsentwicklung und geldpolitischer Ausblick

Der Gesamt-CPI stieg im Juni auf 2,7 % (Vorjahr: 2,4 %), vor allem durch Energie und Lebensmittel. Die Kerninflation (ohne Energie & Lebensmittel) liegt bei 3,0 % – höher als von der Fed angestrebt. Importierte Güter (zollbedingt) sind Haupttreiber: Kernwaren ohne Autos +0,6 % im Monat – stärkster Anstieg seit 2022. Dienstleistungen (ohne Wohnkosten) dagegen mit nur +0,2 % – positiver Impuls für mögliche Zinssenkungen ab Herbst. Trotz dieser gemischten Datenlage rechnen Ökonomen damit, dass die Kerninflation bis Jahresende auf etwa 3,4 % steigt. Die Fed könnte dennoch ab September/Oktober erste Senkungen rechtfertigen, da sie auf die Disinflation bei Dienstleistungen verweisen kann.

Dollar unter Druck – Folgen eines Trump-Eingriffs

Der US-Dollar steht strukturell unter Abwärtsdruck, weil:

  • Politischer Druck auf die Fed die Unabhängigkeit infrage stellt
  • Die Volatilität zunimmt, was „Käuferstreiks“ bei US-Staatsanleihen wahrscheinlicher macht
  • Die Inflationserwartungen steigen, wenn Zölle weitergegeben werden

Der Dollar verlor bereits rund 12 % gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn – primär durch Hedging-Aktivität, aber verstärkt durch abnehmendes Vertrauen in die US-Institutionen. Eine weitere Schwächung ist wahrscheinlich, wenn Trump weiter eskaliert.

Fazit: US-Dollar-Anlagen bleiben schwankungsanfällig. Politischer Druck auf die Fed und mögliche Eingriffe Trumps werden das Vertrauen in die US-Währung weiter belasten. Mit einer vorzeitigen Absetzuung von Powell und einem "Dollar-Sturz" rechnen wir aber nicht.

Empfehlung: Anleger sollten Währungsrisiken im Dollar aktiv absichern. Bei Anleihen auf kurze Laufzeiten setzen und globale Diversifikation prüfen.

Neueste Artikel
  • Wochenbericht zu Projekt VII: Bewegung, Mut und Momentum im Private Banking

Gewinner der Woche: Kaiser Partner und A&Q setzen sich vom Feld ab

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Im Performance‑Projekt 7 (Private-Banking) nutzt ein Teil der Vermögensverwalter die Marktphase konsequent aus. Während das Benchmarkdepot ohne jeden Eingriff von der positiven Marktentwicklung profitiert, erzielen einzelne Häuser durch gezielte Allokationsentscheidungen deutlich höhere Vermögenszuwächse. Auffällig ist dabei: Sowohl aktives Handeln als auch disziplinierte Untätigkeit führen zu Outperformance. Der Unterschied liegt im Risikoprofil – und in der Qualität der Entscheidungen.
  • Wochenbericht zu Projekt V in KW 19: Rendite, Risiko und Marktdynamik

Flossbach von Storch, DJE Kapital und Pictet ziehen am Benchmarkdepot vorbei

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Das Projekt 5 (vermögensverwaltende Fonds) erlebt eine Woche ohne jede Handelsaktivität – und gerade deshalb wird der Leistungsvergleich gnadenlos klar. Marktbewegungen legen offen, welche Depotstrukturen tragen und welche schwanken. Flossbach von Storch, DJE Kapital und Pictet nutzen ihre Marktnähe und ziehen am Benchmarkdepot vorbei. Das Benchmark selbst wächst ruhig und risikofrei. Der Vergleich zeigt, wer kurzfristig gewinnt – und wer langfristig überzeugt. Lesen Sie hier.
  • Fuchs plus
  • US-Unternehmen stückeln Großemissionen: Chancen und Risiken für Anleihekäufer

Amazon, Honeywell und Co.: Wie Tranchen die Finanzierung und Renditen verändern

US-Konzerne zerlegen rekordgroße Anleihepakete in immer mehr Tranchen. Das erhöht die Auswahl für Privatanleger, verändert aber die Handelbarkeit einzelner Stücke. CFOs gewinnen Spielraum bei Laufzeiten und Zinsaufschlägen. Worauf Anleger bei Zinsrisiko und Spreads achten müssen, erläutern FUCHS-DEVISEN.
Zum Seitenanfang