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Währungen aus den Regionen Nahost und Afrika

Eine Währung fällt auf

In unserem Devisen-Wochenschwerpunkt blicken wir auf die Entwicklungen in der Türkei, Israel, Ägypten, Nigeria und Südafrika.

Kleine Zinssenkung

Die türkische Notenbank hat ihre Geldpolitik wie erwartet gelockert. Der Satz für die kurzfristige Spitzenrefinanzierung wurde um 50 Basispunkte auf 10% gesenkt. Die türkische Lira reagierte mit Kursgewinnen. Die Währungshüter nannten Erfolge ihrer zuletzt strafferen Politik als Ursache. Vor allem die Leistungsbilanz hat sich verbessert. Das Defizit per Februar hat sich im Jahresvergleich bereits halbiert. Die Inflation geht zurück. Sie liegt mit zuletzt 7,5% im einstelligen Bereich. Der Grundtrend der Wirtschaft bleibt beachtlich. Das 4. Quartal brachte 5,7% Wachstum. Die Industrieproduktion legte zuletzt um 5,8% zum Vorjahr zu. Lediglich die Politik Präsident Erdogans schafft Belastungen für die Wirtschaft.

Fazit: Die Lira dürfte im Zuge einer etwas lockereren Politik weiter leicht nachgeben. Hinzu kommen Abwärtsrisiken durch die Politik Erdogans.

Währungshüter halten Pulver trocken

Die Währungshüter in Jerusalem haben ihren Leitzins unverändert bei 0,1% belassen. Damit haben sie einige Erwartungen enttäuscht. Der Trend der realen Wirtschaft zeigt indes keinen dringenden Handlungsbedarf. Industrieproduktion und Stimmungsindikatoren haben leicht zugelegt. Sie liegen im neutralen Bereich. Die Inflation ist etwas tiefer in den negativen Bereich abgerutscht (zuletzt -0,2%). Nachvollziehbar, dass die Verantwortlichen unter diesen Umständen ihren Spielraum wahren wollten.

Fazit: Der Schekel könnte im Gefolge des Dollar leicht anziehen.

Ausverkauf

Ägyptens Diktator Abdel Fattah al-Sisi hat die strategisch wichtigen Inseln Tiran und Sanafir an Saudi-Arabien abgetreten. Die Inseln kontrollieren Israels Zugang zum Roten Meer. Die Ursachen sind an der Zahlungsbilanz für das 2. Halbjahr 2015 ablesbar. Das Defizit der Leistungsbilanz hat sich gegenüber dem Vorjahr von 4,3 Mrd. Dollar auf 8,9 Mrd. Dollar etwas mehr als verdoppelt. Die ohnehin schwachen Direktinvestitionen sind rückläufig. Bei den Portfolioinvestitionen werden Netto-Abflüsse notiert. Kurz: Ägypten braucht dringend Geld, das Saudi-Arabiens König Salman gibt. Hintergrund der Misere sind ungelöste Strukturprobleme und versäumte Reformen: 50%-70% der Steuereinnahmen werden direkt durch Subventionen für Lebensmittel und Kraftstoff verbraucht. Es gelingt der Diktatur nicht, die Potenziale Ägyptens zu erschließen. Das Pfund hat bereits deutlich abgewertet. Die Notenbank war nicht mehr in der Lage, die offizielle Bewertung zu stützen. Die Lockerung des Devisenmarktes verbunden mit einer Zinsstraffung wird allerdings nur kurzfristig Entlastung schaffen.

Fazit: Das Pfund wird nur kurzfristig stabil bleiben. Der langfristige Trend zeigt weiter nach unten.

Druck durch Ölpreise hält an

Nigeria erlebt unter dem Druck der Ölpreise einen deutlichen Einbruch des Wachstums. Auf die 2014 erzielten 6,3% folgen dem IWF zufolge 2,7%, 2,3% und 3,5% für 2015 bis 2017. Schwache Öl-Einnahmen sorgen für einen schrumpfenden Etat und niedrige Investitionen. Dagegen werden sich die Erfolge der Buhari-Administration bei der Bekämpfung der Korruption und des islamistischen Terrors positiv bemerkbar machen. Die Aussichten der größten Volkswirtschaft Afrikas bessern sich zusehends. Hier ist mit positiven Überraschungen durch Erfolge vor allem in den vom Öl unabhängigen Sektoren und Branchen zu rechnen. Dabei geht allerdings von der expansiven Geldpolitik ein gewisses Risiko aus. Die ohnehin bereits anziehende Inflation könnte in den nächsten Monaten aus dem Blick geraten.

Fazit: Nigeria bleibt trotz der momentanen Schwäche auf einem positiven Weg. Der Naira dürfte nur dann fühlbar unter Druck kommen, wenn die Inflation aus dem Ruder läuft.

Das Problem ANC

Südafrikas Wachstum bleibt enttäuschend. Der IWF setzte den Ausblick zuletzt auf 0,6% und 1,2% für 2016/17 herunter. Die Arbeitslosigkeit verharrt bei 25%. Die Investitionsneigung bleibt niedrig. Nicht einmal der seit 2011 bestehende Abwärtstrend des Rand hat daran etwas geändert. Einer Studie des IWF zufolge verhindern zu geringe Wettbewerbsintensität auf den Binnenmärkten sowie die starren Regulierungen des Arbeitsmarktes die normale positive Reaktion der Produktion auf die Abwertungen. Hinzu kommen die bekannten Infrastruktur-Probleme, vor allem die mangelhafte Stromversorgung. Diese Hindernisse sind Konsequenzen der Korruption und des „rent-seeking“, der Selbstbereicherung, in der Führungsschicht der Regierungspartei ANC. Eine positive Trendwende wird für Südafrika immer unwahrscheinlicher. Unterdessen ist die Inflation erwartungsgemäß über das Limit (6%) hinaus gestiegen. Die Währungshüter der SARB ziehen daher mit den Zinsen nach, ohne den Rand damit zu stabilisieren. Zusammen mit dem Investmentgrade steht auch das Vertrauen in den Rand als Emissionswährung auf der Kippe. Wir raten zum Ausstieg.

Fazit: Der Rand wird schwach bleiben.

6-Monats-Übersicht zu ausgewählten Währungen aus Nahost/Afrika

LandWährung/ZinsAktueller KursAusblick 3 MonateAusblick 6 MonatePrognose-sicherheit
TürkeiTRL3,1983,233,25neutral
3m-Zins10,611,9012,30
IsraelILS4,254,244,23neutral
3m-Zins0,0950,10,1
ÄgyptenEGP10,0310,1510,25neutral
3m-Zins9,39,39,3
Nigeria
NGN224,55229232unsicher

3m-Zins6,1n.v.n.v.
Südafrika
ZAR16,151718,50neutral
3m-Zins7,297,357,5
  • TRL: Die lockerere Politik der Notenbank und die politischen Risiken werden die Lira schwächen.

  • ILS: Der Schekel könnte im Windschatten des Dollar zulegen.

  • EGP: Das ägyptische Pfund bleibt durch die schlechte Lage und die schwache Auslandsposition unter Druck.

  • NGN: Der Naira ist durch die schwachen Ölpreise und die anziehende Inflation gefährdet.

  • ZAR: Der schleichende Verfall der Institutionen und das schwache Wachstum belasten den Rand.

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