Euro holt gegenüber US-Dollar auf
Die Aussichten auf einen Waffenstillstand im Iran-Krieg und auf die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus haben nicht nur die Aktienkurse nach oben und den Ölpreis nach unten geschickt, sondern sie wirken sich auch beruhigend auf die Devisen- und Anleihemärkte aus.
So legte der Euro gegenüber dem US-Dollar von Dienstagabend bis Donnerstagnachmittag um 0,69 % auf 1,1675 US-Dollar zu – innerhalb von nicht einmal zwei Tagen. Gegenüber seinem Tief am 13. März bei 1,1416 Dollar summiert sich das Plus sogar auf 2,27 %. Von dem Vorkriegsniveau bei 1,1814 Dollar ist der Euro allerdings noch ein Stück entfernt.
Inflationsrisiken sinken
Durch den gesunkenen Ölpreis müssen die Länder der Euro-Zone nicht ganz so viele Dollar für Energieimporte ausgeben wie befürchtet. Auch die Inflation könnte dadurch niedriger ausfallen als zuletzt prognostiziert, obgleich hier sicherlich noch keine Entwarnung gegeben werden darf.
Damit sinkt der Druck auf den EZB-Rat, bei seiner nächsten Sitzung Ende April die Leitzinsen von aktuell 2,0 % anzuheben. Beobachter hatten angesichts des Ölpreisschocks zwischenzeitlich eine Erhöhung des Leitzinses um 25 oder sogar 50 Basispunkte befürchtet.
EZB könnte von Zinserhöhung absehen
Eine solche Erhöhung hätte zwar die Inflation gebremst, aber auch die ohnehin schon schwache Konjunktur abgewürgt. Durch die fallenden Ölpreise und den steigenden Euro könnte die EZB möglicherweise dieser Zwickmühle entkommen. Ob ihr dieses Kunststück wirklich gelingt, werden erst die kommenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran in den nächsten zwei Wochen zeigen.
Auch an den Anleihemärkten stehen die Zeichen auf Entspannung. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen verringerte sich von Dienstag bis Donnerstagnachmittag um 61 Basispunkte auf 4,282 %. Damit lieg die Rendite aber noch deutlich über dem Vorkriegsniveau von 3,962 %.
Rendite der Bundesanleihen bleibt hoch
Bei den zehnjährigen Bundesanleihen sieht es ähnlich aus. Dort verminderte sich die Rendite im gleichen Zeitraum allerdings um nur 10 Basispunkte auf 2,9785 %. Vor dem Krieg waren es lediglich 2,6527 %. Ob dieser Wert so schnell wieder erreicht wird, ist angesichts des wachsenden deutschen Defizits zweifelhaft.