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EZB verschiebt Zinsentscheidung trotz Inflationsdruck

EZB absehbar tatenlos

Noch vor ein paar Wochen haben viele Beobachter mit einer Erhöhung des Leitzinses um 25 bis 50 Basispunkte in der Eurozone gerechnet. Eine Woche vor der EZB-Sitzung sieht es aber anders aus.

In der nächsten Woche muss die Europäische Zentralbank (EZB) über den Leitzins entscheiden. Vor Kurzem wiesen viele Vorzeichen noch auf einen Zinsschritt der EZB auf ihrer Sitzung am (30.4.) hin. Nach dem Beginn des Iran-Krieges sprang der Ölpreis für ein Barrel der Nordseesorte Brent bis Ende März auf 118,35 Dollar. Gleichzeitig verbilligte sich der Euro auf 1,1466 Dollar. EU-Verbraucher mussten also nicht nur mehr Dollar für Öl zahlen, sondern auch mehr für die Dollars ausgeben, mit denen sie das Öl bezahlen. 

Goldman Sachs rechnet mit Inflation von 3,05%

Der Iran-Krieg ist für Europa ein kräftiger Inflationstreiber. Wirtschaft und Verbraucher steuerten auf einen Inflations-Schock zu. Tatsächlich rechnen die Analysten von Goldman Sachs auch aktuell mit einem Anstieg der Inflation in der Eurozone von 2 auf 3,05%. Aktuell lässt sich damit von einer Inflationswelle sprechen, nicht aber von einem befürchteten Tsunami.

Die EZB stand jedenfalls vor einem Dilemma. Eigentlich müssten die Währungshüter den Leitzins von 2% um 25 oder gar 50 Basispunkte anheben, um die Inflation auszubremsen. Eine solche Erhöhung hätte aber die ohnehin schon schwache Konjunktur ebenfalls abgebremst. Die EZB konnte es also nur falsch machen.

Vom Inflationstsunami zur steifen Brise

Dieses Szenario ist passé. Das Barrel Brent kostete gestern Nachmittag 102,55 Dollar. Das sind zwar 41,5% mehr als vor dem Iran-Krieg, aber deutlich weniger als noch Ende März. Der Euro war gestern Nachmittag 1,1687 Dollar wert, was gerade einmal 1% weniger als zu Kriegsbeginn sind.

Damit dürfte sich auch der Inflations-Sturm auf eine steife Briese abschwächen. Dies mindert den Handlungsdruck der EZB. Folglich wird es immer unwahrscheinlicher, dass die EZB den Leitzins von 2% in der kommenden Woche anhebt. Sie wird mit ihrer Politik der ruhigen Hand fortfahren, solange sich die Märkte beruhigen.

Manchmal ist Nichtstun die richtige Wahl

Zu dieser Einschätzung kommen auch die Analysten von Goldman Sachs. Diese erwarten, dass die EZB lediglich verkünden wird, die Entwicklung genau zu beobachten – ohne jedoch an der Zinsschraube zu drehen. Manchmal ist die Politik der ruhigen Hand eben doch die richtige Strategie.

Empfehlung: Vorerst heißt das Motto, Ruhe zu bewahren. Falls die Straße von Hormus tatsächlich geöffnet wird, dürfte die Erholung auf den Märkten weitergehen.
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