Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
1671
Öl wieder über 100 USD

EZB dreht noch nicht an Zinsschraube

Der Ölpreis hat die Marke von 100 US-Dollar wieder nach oben durchbrochen. Dennoch lässt die EZB den Leitzins unverändert bei 2,25%. Die Perspektive ändert sich aber.

Trotz des dramatisch steigenden Ölpreises lässt die EZB den Leitzins vorerst bei 2,25%. Dies war von Marktbeobachtern erwartet worden. Erst im Juni hatten die Währungshüter angesichts der steigenden Inflation den Leitzins um 25 Basispunkte erhöht.

Allerdings steigen mit dem anziehenden Ölpreis infolger der neuen Iran-Eskalation auch die Risiken. Es wird wahrscheinlicher, dass die EZB bis zum Jahresende den Leitzins um ein bis zwei Zinsschritte à 25 Basispunkten erhöht, wobei die Volkswirte der EZB erst für September mit einem Zinsschritt rechnen. Vor noch höheren Zinssteigerungen dürfte die EZB angesichts der schwachen Konjunktur in der Eurozone und der Schuldenkrise in Frankreich absehen. 

Ölpreis durchbricht 100-Dollar-Marke

Vor allem die Entwicklung des Ölpreises treibt diese Entwicklung an. Das Barrel der Nordseesorte Brent kostete erstmals seit Monaten wieder mehr als 100 US-Dollar. Gegenüber dem Vortag war dies ein Plus von fast 7%. Seit Monatsbeginn ist der Ölpreis sogar um rund 40% in die Höhe geschnellt. Damit wird ein deutlicher Anstieg der Inflation immer wahrscheinlicher, wenn auch wieder mit Zeitverzögerung. Der Druck auf die Zentralbanken wächst, an der Zinsschraube zu drehen.

„Die Unsicherheit ist nach wie vor hoch und die Auswirkungen des Energieschocks auf die Inflation sind noch nicht vollständig zum Tragen gekommen. Der EZB-Rat beobachtet die Intensität und die Dauer des Schocks sowie seine indirekten Auswirkungen und Zweitrundeneffekte daher genau“, hieß es von der Zentralbank. „Der EZB-Rat ist fest entschlossen, seine Geldpolitik so auszurichten, dass die Inflation auf mittlere Sicht beim Zielwert von 2% stabilisiert.“

Anstieg der Inflation nur Frage der Zeit

Zwischenzeitlich hatten sich die Märkte parallel zu den Waffenstillstandsverhandlungen zwischen den USA und dem Iran deutlich erholt. Der Ölpreis brach bis zum 1. Juli auf 71,57 Dollar ein und erreichte damit Vorkriegsniveau. Entsprechend verminderte sich die Inflation in der Eurozone von 3,2% im Mai auf 2,8% im Juni. Das Schlimmste schien überstanden. Doch angesichts des gescheiterten Waffenstillstands sind Hoffnungen auf eine Erholung vorerst passé.

Fazit: Marktteilnehmer sollten sich auf kurz bis mittelfristig hohe Energiepreise und langsam steigende Zinsen einrichten.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Hauptstadtnotiz

Deutsche Bahn: Bilger macht Druck

Die Deutsche Bahn ist ein Sorgenkind der Bundesregierung. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger steuert jetzt gegen. Er will Manager-Vergütungen an Erfolge knüpfen.
Zum Seitenanfang