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Zinsschere schneidet Franken-Vorsprung ab

Franken im Abwärtstrend

Der Schweizer Franken gilt als Krisenwährung. Doch obwohl an Krisen aktuell kein Mangel herrscht, wertet der Franken gegenüber dem Euro ab.

Franken-Faszinosum: Als klassische Fluchtwährung profitiert der Schweizer Franken üblicherweise von Krisen und gewinnt gegenüber Euro und US-Dollar an Stärke. Umso erstaunlicher ist es, dass der Franken aktuell schwächelt, obgleich an Krisen kein Mangel herrscht. 

Ist der Franken keine Krisenwährung mehr?

Ein Blick auf die Zahlen: Der Euro war kurz vor dem Beginn des Irankriegs Ende Februar 0,9085 Franken wert. Vom Kriegsausbruch profitierte die klassische Fluchtwährung zunächst. Bis zum 6. März purzelte der Euro auf 0,9011 Franken.

Doch der eidgenössische Höhenflug ging rasch in den Sinkflug über. Bis Ende März kostete der Euro schon wieder mehr als 0,92 Franken. Am Donnerstag waren es sogar schon 0,9231 Franken. Seit Kriegsbeginn hat der Euro somit um immerhin 1,6% zugelegt. Damit befindet sich der Euro gegenüber dem Franken in einer Aufwärtsbewegung.

Zins-Schere geht auf

Der Hauptgrund für diese Entwicklung dürfte die sich öffnende Zinsschere zwischen Eurozone und Schweiz liegen. Die EZB hob ihren Leitzins im Juni um 25 Basispunkte auf 2,25% an und viele Marktbeobachter haben bis in die jüngste Vergangenheit angesichts der hohen Inflation mit weiteren ein bis zwei Zinsschritten à 25 Basispunkten bis Jahresende gerechnet.

Dagegen liegt der Leitzins in der Schweiz seit Juni vergangenen Jahres bei 0,0%. Anleger aus der Schweiz können also in der Eurozone (Leitzins 2,25%) und in den USA (Leitzins 3,5% bis 3,75%) deutlich höhere Renditen als daheim generieren. Für Anleger aus Deutschland indes erleichtert der Abschlag beim Franken Investments in der Schweiz.

Aufwärtstrend dürfte an Grenzen stoßen

Durch den gesunkenen Ölpreis – aktuell notiert die Nordseesorte Brent bei 78 Dollar – sinken aber mittlerweile wieder die Inflationsrisiken und damit die Wahrscheinlichkeit auf weitere Leitzinsanhebungen in der Eurozone oder den USA. Daher dürfte der Abwärtstrend des Franken gegenüber dem Euro an seine Grenzen kommen. Umgekehrt sind allerdings auch Zinssenkungen in der Eurozone zumindest im laufenden Jahr nicht in Sicht.

Fazit: Wer in der Schweiz investieren möchte, hat jetzt eine gute Gelegenheit. Längerfristig dürfte der Franken zu alter Stärke zurückfinden – vor allem dann, wenn sich die Zinsschere wieder schließen sollte.
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