Globale Schulden am Limit: 100 Billionen USD in Sicht
Die globalen öffentlichen Schulden werden im Jahr 2024 die Marke von 100 Billionen USD überschreiten. Dies entspricht einem globalen Schuldenstand von etwa 100 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Schuldenstand übertrifft bald den Höchststand, der während der Pandemie erreicht wurde. Im Vergleich zu den Ständen vor 2020 sind die Schulden sowohl in absoluten Zahlen als auch relativ zum BIP signifikant gestiegen.
Anstieg der Schulden bis zum Ende des Jahrzehnts
Auf Basis der aktuellen Trends prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF), dass die globale Schuldenquote bis zum Ende des Jahrzehnts weiter in die Höhe schnellen könnte. Länder wie China, die USA, Brasilien, Frankreich, Italien, Südafrika und das Vereinigte Königreich, die zusammen etwa 70 % des globalen BIP ausmachen, werden voraussichtlich weiterhin steigende Schuldenquoten verzeichnen, wenn keine wesentlichen fiskalpolitischen Anpassungen erfolgen.
Risiko eines starken Schuldenanstiegs
Es gibt ein erhebliches Risiko, dass die aktuellen Prognosen zu optimistisch sind. In einem worst-case-Szenario könnten die öffentlichen Schulden in den nächsten drei Jahren um bis zu 20 Prozentpunkte des BIP über den derzeitigen Basisprojektionen liegen. Dies könnte langfristig zu erhöhten finanziellen Risiken führen, insbesondere wenn Zinssätze weltweit steigen oder das Wirtschaftswachstum sich verlangsamt.
Schuldenlage in den USA und China
Sowohl die USA als auch China werden im Bericht als Länder hervorgehoben, in denen der Schuldenstand weit über dem Vorkrisenniveau liegt. In den USA steigt der Schuldenstand jährlich um etwa 2 Prozentpunkte des BIP, und China weist eine ähnliche Wachstumsrate auf. Obwohl beide Länder über ausreichende politische Instrumente verfügen, um ihre Schulden langfristig zu stabilisieren, müssen sie in naher Zukunft Maßnahmen ergreifen.
Notwendigkeit sofortiger Anpassungen
Der Bericht betont, dass die Zeit für Anpassungen jetzt gekommen ist. Eine Verzögerung der fiskalischen Anpassungen könnte langfristig teurer und riskanter sein. Politische Unsicherheiten, wie sie möglicherweise in den USA unter einer neuen Präsidentschaft (Donald Trump oder Kamala Harris) entstehen könnten, erhöhen die Risiken, dass notwendige Reformen nicht rechtzeitig umgesetzt werden.
Das „Debt at Risk“-Modell
Der Fiscal Monitor 2024 stellt ein neues Modell vor, das als „Debt at Risk“ bezeichnet wird. Es dient dazu, ein umfassenderes Bild der Risiken im Zusammenhang mit den Schuldenprognosen zu vermitteln. Traditionelle Schuldenprognosen konzentrieren sich auf einen mittleren Wert der zukünftigen Schuldenentwicklung. Das „Debt at Risk“-Modell erweitert diesen Ansatz, indem es auch die Unsicherheiten und Risiken rund um die Basisprognose quantifiziert.
Verzerrte Risikoprognosen
Das Modell zeigt, dass die Risiken für die Schuldenprognosen nach oben verzerrt sind. Es ist also wahrscheinlicher, dass die tatsächlichen Schuldenstände in Zukunft höher ausfallen könnten als derzeit projiziert. Eine Vielzahl von Faktoren trägt zu diesem erhöhten Risiko bei:
- Langsameres Wirtschaftswachstum: Bleibt das Wachstum hinter den Erwartungen zurück, können Staaten weniger Einnahmen generieren, was die Rückzahlung von Schulden erschwert. Gleichzeitig könnten höhere Ausgaben zur Stabilisierung der Wirtschaft notwendig werden, was die Verschuldung weiter erhöht.
- Finanzielle Unsicherheiten: Strengere finanzielle Bedingungen, wie steigende Zinsen, machen es schwieriger, Schulden zu refinanzieren oder neue Kredite zu günstigen Konditionen aufzunehmen. Besonders ein globaler Anstieg der Zinssätze würde die Schuldenlast vieler Länder beschleunigen.
Schwellenländer besonders gefährdet
Das Modell hebt hervor, dass Schwellenländer besonders anfällig sind. Diese Länder haben oft volatile Wachstumsraten, die stark von globalen Faktoren wie Rohstoffpreisen, Exportnachfrage oder Kapitalflüssen abhängen. Ein schwaches Wachstum kann die Fähigkeit dieser Länder, ihre Schulden zu bedienen, erheblich beeinträchtigen.
Straffere finanzielle Bedingungen für Schwellenländer
Da viele Schwellenländer auf internationale Kreditmärkte angewiesen sind, könnten Zinserhöhungen in fortgeschrittenen Volkswirtschaften wie den USA ihre Kreditkosten erheblich erhöhen. Dies könnte zu einer noch höheren Verschuldung führen und eine mögliche Schuldenkrise verschärfen.
Der Schuldenmonitor des IWF steht in einem gewissen Kontrast zu den Empfehlungen einer wachsenden Anzahl von Ökonomen, die eine Ausweitung der Schuldenquote und Lockerung bis Abschaffung der Schuldenbremse in Deutschland fordern. Dies sind politisch eingefärbte Meinungen, keineswegs eindeutige Erkenntnisse, die – zum politischen gebrauch und Missbrauch einladen. Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck, der über keinerlei eigene ökonomische Expertise verfügt sowie große Teile der SPD, erliegen solchen Sirenengesängen nur allzu gerne.
Absicherungsstrategien wie Optionsstrategien für das eigene Portfolio
- Die Anteile an USD und Gold sollten erhöht werden, da diese als sicherer Hafen in Krisenzeiten gelten.
- Kryptowährungen sind bisher keine verlässliche Absicherung in Krisen und sollten daher mit Vorsicht behandelt werden.
- Investitionen in Schwellenländer sollten gut überdacht und kurzzeitig angelegt sein, da es im Zweifel schwer wird, schnell genug aus dem Markt auszusteigen.
Fazit: Das Risiko einer Schuldenkrise bis Ende des Jahrzehnts ist hoch und wächst geradezu exponentiell weiter. Dies bedeutet zunehmende Risiken für alle Anlageklassen.
Empfehlung für Investoren: Es ist ratsam, eine Cashreserve vorzuhalten. Diese ist unter den aktuellen Zinsbedingungen sinnvoll und erträglich.